2000–2009
Ein mitfühlendes Herz und eine hilfreiche Hand
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Ein mitfühlendes Herz und eine hilfreiche Hand

Ich bitte einen jeden von Ihnen, der mit einem mitfühlenden Herzen und einer hilfreichen Hand so vielen anderen ihre Last erleichtert hat, meinen herzlichen Dank anzunehmen.

Gestern Abend waren meine Frau und ich ein wenig chinesisch essen. In meinem Glückskeks fand ich die Worte: „Der Stress, den Sie im Moment durchmachen, wird sich bald auflösen.“ Das stand da wirklich!

Als sich einige Männer eines Tages mit dem Propheten Joseph Smith unterhielten, erreichte sie die Nachricht, dass das Haus eines Bruders, der nur wenig besaß und der etwas außerhalb der Stadt lebte, niedergebrannt worden war. Jeder brachte sein Bedauern über das Geschehene zum Ausdruck. Der Prophet hörte einen Augenblick zu, „griff in die Hosentasche, holte fünf Doller heraus und sagte: ‚Mein Bedauern für diesen Bruder ist fünf Dollar wert. Wie viel ist eures wert?‘1 Die spontane Reaktion des Propheten ist bezeichnend. Voriges Jahr haben Millionen von Ihnen auf die Sorgen anderer Menschen mit ihren Mitteln, einem mitfühlenden Herzen und einer hilfreichen Hand reagiert. Danke für ein so wunderbares Ausmaß an Großzügigkeit!

Mitgefühl für andere war schon immer ein wesentlicher Charakterzug der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Der Prophet Alma sagte:

„Ihr [habt] den Wunsch …, in die Herde Gottes zu kommen und sein Volk genannt zu werden, und [seid] willens …, einer des anderen Last zu tragen, damit sie leicht sei, ja, und [seid] willens …, mit den Trauernden zu trauern, ja, und diejenigen zu trösten, die des Trostes bedürfen.“2

Der Erretter forderte uns auf: „Steh den Schwachen bei, hebe die herabgesunkenen Hände empor, und stärke die müden Knie.“3

Ich habe aus erster Hand beobachten können, wie sich Heilige der Letzten Tage und Andersgläubige, die ein mitfühlendes Herz und eine hilfreiche Hand hatten, einsetzten, und wie einer des anderen Last trug. 4 Ich war sehr betroffen, als ich gewaltige Zerstörungen sah und mit Opfern zusammentraf, die ohne Hoffnung waren.

In den letzten Jahren hat Mutter Natur ihre vergeltende Macht und Überlegenheit auf ungewöhnliche und mächtige Weise demonstriert. Ende Dezember 2004 verursachte ein schreckliches Erdbeben vor der Küste Indonesiens einen tödlichen Tsunami, der Tausende das Leben kostete und ihre Hinterbliebenen erschüttert zurückließ. Unter der Leitung örtlicher Priestertumsführer und älterer Missionarsehepaare wurde sofort Hilfe organisiert. Krankenhäuser, Ersthelfer und kommunale Stellen in Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand wurden mit dem Nötigsten versorgt.

Innerhalb kurzer Zeit reisten mehrere Mitglieder der Kirche in eines der Gebiete, die am schwersten betroffen waren – die Provinz Aceh im Norden Sumatras. Schwester Bertha Suranto, eine JD-Leiterin aus Jakarta, fuhr mit ihren Mitarbeitern im Lastwagen Material aus, das benötigt wurde, um Leben zu retten und denjenigen Linderung zu verschaffen, die so viel verloren hatten.

„Jedes Mal, wenn wir in ein Dorf kamen“, sagte Bertha, „wurden wir von Leuten umringt, die uns Nahrungsmittel zur Verteilung anboten – und wenn es nur ein bisschen Reis oder ein paar Fische aus dem Meer waren. Von der Moschee aus riefen die Ortsvorsteher dann aus, dass eine weitere Spende von der Jesuskirche angekommen war.“

Als die dringendste Not gestillt war, ging man längerfristige Projekte an. Jetzt werden Pläne für den Bau von über tausend festen Häusern und den Wiederaufbau von Krankenhäusern und Schulen umgesetzt. Den Bewohnern der Dörfer wurde geholfen, Fischerboote und Netze zu ersetzen. Webstühle und Nähmaschinen wurden an Familien verteilt, damit sie wieder für sich selbst sorgen können.

In Nordpakistan und Indien gab es das stärkste Erdbeben in dieser Gegend in hundert Jahren. Dabei kamen Tausende um, und viele blieben obdachlos zurück. Wegen des rauen Winters in der Region musste man sich nicht nur um die Verletzten, sondern auch um die obdachlos Gewordenen Sorgen machen.

Vier Tage nach dem Erdbeben stellte die Islamic Relief Agency eine 747-Frachtmaschine zur Verfügung, die schnell randvoll mit Decken, Zelten, Hygiene-Päckchen, medizinischem Bedarf, Schlafsäcken, Mänteln und wasserdichten Planen aus den Lagerhäusern des Bischofs beladen wurde. Großcontainer mit weiteren Hilfsgütern und Winterzelten für über 75 000 Menschen wurden auf dem Luft-, Land- und Seeweg verschickt.

Als Mittelamerika von Überschwemmungen heimgesucht wurde, wurden Gemeindehäuser als Notunterkunft für Evakuierte geöffnet. In den für Fahrzeuge unerreichbaren Gebieten schnallten sich Mitglieder der Kirche die Versorgungsgüter auf den Rücken und überquerten über die Ufer getretene Flüsse und tückisches Gelände, um denen, die in Not waren, zu helfen.

Nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen im Sudan sind über eine Million Menschen auf der Suche nach Sicherheit aus ihrer Heimat geflohen. Viele Flüchtlinge liefen hunderte von Meilen durch unwirtliches Gelände und kamen dann in Flüchtlingslagern an, wo sie ihre Angehörigen suchten und sich verarzten ließen.

Es wurde auch Atmit geliefert, ein vitaminreicher Brei, der sich bei der Rettung hungernder Kinder und älterer Menschen als hilfreich erwiesen hat. Für medizinische Hilfsgüter und tausende Hygiene- und Baby-Päckchen wurde ebenfalls gesorgt.

Die Kirche hat sich mit anderen bekannten Wohlfahrtseinrichtungen zusammengeschlossen und an der Impfung von Millionen afrikanischer Kinder mitgewirkt, um die Masern auszurotten. Zweitausend treue Mitglieder in Afrika halfen viele Stunden lang ehrenamtlich dabei mit, die Werbetrommel zu rühren, die Kinder herbeizuholen und die Impfung zu verabreichen.

Die Wirbelsturmperiode des Jahres 2005 im Süden der Vereinigten Staaten und in der westlichen Karibik war die kostspieligste und verheerendste, die jemals verzeichnet wurde. Ein Sturm nach dem anderen peitschte von Honduras bis Florida über Häuser und Geschäfte. Tausende ehrenamtliche Helfer waren unter der Leitung des Priestertums jedes Mal zur Stelle, wenn ein Hurrikan zuschlug, und brachten das Lebensnotwendige mit. Mit Hygiene- und Reinigungs-Päckchen, Lebensmitteln, Wasser, Küchengeräten, Bettwäsche und weiteren Artikeln wurden Wohnungen wieder in Ordnung gebracht und Notunterkünfte errichtet.

Bruder Michael Kagle fuhr mit einem LKW-Konvoi Material aus seiner eigenen Firma nach Mississippi. Viele Angestellte, die nicht unserem Glauben angehören, meldeten sich jedes Wochenende freiwillig für die Fahrt zu den vom Sturm betroffenen Gebieten, um dort zu helfen. Unterwegs verständigte man sich mit Sprechfunkgeräten. Mikes HP-Gruppenleiter, der mit seinem Pick-up nebenher fuhr, meinte, er bekäme langsam Panik, weil er so schnell fahre. Um den Konvoi abzubremsen, griff Mike zum Sprechfunkgerät und sagte: „Herrschaften, wisst ihr eigentlich, dass wir 130 fahren?“ Darauf meldete sich einer der LKW-Fahrer mit den Worten: „Ja, wissen Sie, mehr kann man aus so einem großen Laster nicht herausholen. Schneller geht’s nicht.“

Hunderte Dankschreiben gingen bei uns ein. Eine Krankenschwester aus Mississippi schrieb: „Ich war sprachlos. Hatte Gott meine Gebete so schnell beantwortet? Als Männer in Schutzhelmen und Stiefeln und mit Kettensägen in allen Formen und Größen aus den Trümmern auftauchten, liefen mir sofort Tränen über die Wangen. Eine derart beispiellose Opferbereitschaft hatte ich selten zuvor miterlebt.“

Ich möchte mich bei den vielen flinken Händen bedanken, die tausende hübsche Decken angefertigt haben, und besonders bei den nicht mehr so flinken Händen unserer etwas älteren Schwestern, die außerdem die viel benötigten Quilts hergestellt haben. Eine 92-jährige Urgroßmutter hat mehrere hundert Decken angefertigt. In ihrem Fall wurden sowohl die Erzeugerin als auch die Empfängerin gesegnet. Als ihr Sohn ihre Handarbeit bewunderte, fragte sie: „Meinst du, auch nur ein Mensch wird jemals eine meiner Decken benutzen?“ Der Brief einer jungen Mutter aus Louisiana beantwortet diese Frage:

„Ich wohne in Louisiana und ging wegen meiner Kinder zu einer ärztlichen Versorgungsstelle im Ort. Dort gab man mir etwas Kleidung, Windeln, feuchte Reinigungstücher und zwei schöne Babydecken. Die eine ist hinten gelb und hat vorne Fuß- und Handabdrücke, die andere ist hellbraun mit Zebras darauf. Die Decken sind wunderschön. Mein Vierjähriges liebt die Zebradecke, und mein sieben Monate altes Baby kann natürlich nicht viel sagen. Ich wollte Ihnen und den Mitgliedern Ihrer Kirche nur Danke sagen für Ihre Großzügigkeit. Gott segne Sie und Ihre Familie.“

Als Reaktion auf die jüngsten Erdrutsche auf den Philippinen stellten die Heiligen in diesem Gebiet Hygiene-Päckchen und Essenspakete zusammen, die sie zusammen mit Decken an die Bedürftigen verteilten.

Grundsätze der Wohlfahrt wie Arbeit und Selbständigkeit werden beachtet und vermittelt, wenn überall auf der Welt geholfen wird. Im Jahr 2005 erhielten viele Dörfer sauberes Wasser dank neuer Brunnen. Den Dorfbewohnern wurde gezeigt, wie man Brunnen aushebt, Pumpen installiert und notwendige Reparaturen durchführt.

Vor Ort wurden Familien von ehrenamtlichen Helfern und stets eifrigen Missionarsehepaaren darin geschult, ihre Nahrung mit selbst angebauten, nahrhaften Lebensmitteln zu ergänzen, und mit entsprechenden Gerätschaften ausgestattet.

Viele Behinderte sind mit Rollstühlen versorgt worden, die sie unabhängig machen. Tausenden medizinischen Helfern wurde gezeigt, wie man Neugeborenen das Leben rettet. Fachärzte operierten den grauen Star und stellten so das Sehvermögen vieler Menschen wieder her. In aller Welt wurde vom Familiendienst der Kirche guter Rat erteilt.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen etablierten und vertrauenswürdigen Einrichtungen haben wir in vielen Ländern Brücken der Verständigung gebaut und uns Achtung verschafft.

Dr. Simbi Mubako, früher Botschafter eines afrikanischen Landes in den Vereinigten Staaten, sagte: „Die Arbeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beeindruckt umso mehr, weil sie sich nicht nur auf die Mitglieder der Kirche beschränkt. Sie erstreckt sich vielmehr auf alle Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und verschiedenen Religionen, denn man sieht dort in jedem Menschen das Abbild Jesu Christi.“

Unser allseits beliebter Präsident, Gordon B. Hinckley, war maßgeblich an der Entwicklung dieser großen humanitären Arbeit beteiligt. Er hat gesagt: „Wir müssen uns aller Menschen annehmen. Sie sind ja alle Söhne und Töchter Gottes, des ewigen Vaters, und dafür, wie wir mit ihnen umgehen, wird er uns zur Rechenschaft ziehen. … Mögen wir … ein Segen für die Menschheit sein, indem wir uns jedem Einzelnen zuwenden, die Unterdrückten und Bedrängten aufrichten, die Hungrigen und Notleidenden nähren und kleiden und denen, die nicht dieser Kirche angehören, Liebe und Freundlichkeit entgegenbringen.“5

Die humanitären Bemühungen in der heutigen Zeit sind ein wunderbarer Ausdruck der Nächstenliebe, die demjenigen in der Seele brennt, der wirklich ein mitfühlendes Herz und eine hilfreiche Hand aufweisen kann. Dieser selbstlose Dienst stellt wahrhaftig die reine Christusliebe dar.

Der Erretter verheißt demjenigen große Segnungen, der von sich selbst gibt: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden …; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“6

Das, worüber ich heute gesprochen habe, schildert nicht einmal ein Hundertstel von dem, was in den Dörfern und Ländern überall auf der Welt geschieht. Wo immer ich hinreise, schlägt mir tiefe Dankbarkeit entgegen. Ich möchte einem jeden von Ihnen im Namen der Ersten Präsidentschaft, des Kollegiums der Zwölf und des Wohlfahrtskomitees der Kirche, deren Aufgabe es ist, diese Arbeit zu leiten, unseren tiefen Dank und unsere Bewunderung aussprechen.

Mir fehlen die Worte, um angemessen die heiligen Gefühle, die mir in der Seele brennen, ausdrücken zu können. Das einfache Wort danke scheint fast zu banal. Ich bitte einen jeden von Ihnen, der mit einem mitfühlenden Herzen und einer hilfreichen Hand so vielen anderen ihre Last erleichtert hat, meinen herzlichen Dank anzunehmen. Ich erflehe den reichen Segen des Herrn für Sie und Ihre Familien, die Sie weiterhin derer gedenken, deren Herz schwer ist und deren Hände herabgesunken sind. Im Namen Jesu Christi. Amen.