2000-2009
    Junge Männer – Schlüsselträger
    Fußnoten
    Theme

    Junge Männer – Schlüsselträger

    Wir brauchen junge Männer, die ihre Berufung treu erfüllen und wissen, dass ihnen das Recht übertragen wurde, das Amt auszuüben, zu dem sie bestimmt worden sind.

    Ich halte ein Exemplar eines Sonntagsschulleitfadens mit dem Titel Führer in den heiligen Schriften in der Hand, der 1947 gedruckt wurde. Die Verfasser waren Marion G. Merkley und Gordon B. Hinckley. Vor sechsundfünfzig Jahren! Dieser Leitfaden steht schon seit vielen Jahren bei mir zu Hause und hat mich unter anderem zu dieser Ansprache angeregt.

    Eines der bedeutendsten Ereignisse, wenn man von der Wiederherstellung spricht, ist die des Aaronischen Priestertums im Mai 1829. Johannes der Täufer erschien dem Propheten Joseph Smith sowie Oliver Cowdery.

    Joseph Smith erzählt: „Während wir damit beschäftigt waren, zu beten und den Herrn anzurufen, kam ein Bote vom Himmel in einer Lichtwolke herab, legte uns seine Hände auf und ordinierte uns mit den folgenden Worten:

    ,Euch, meinen Mitknechten, übertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung innehat.‘“1

    An dieser Priestertumsversammlung der Generalkonferenz nehmen weltweit zehntausende junge Männer teil, die das Aaronische Priestertum tragen und zu einem Diakons-, einem Lehrer- oder einem Priesterkollegium gehören. An der Spitze jedes Kollegiums steht eine Kollegiumspräsidentschaft, zu der auch ein Präsident gehört, der die Schlüssel innehat, sein Priestertumskollegium zu führen.

    Viele von uns halten diese jungen Führer vielleicht für zu jung, um eine so verantwortungsvolle Position zu bekleiden. Wir wollen ein paar Bespiele dafür betrachten, was ein Jugendlicher wirklich bewirken kann.

    Zunächst der Prophet Jeremia:

    „Das Wort des Herrn erging an mich:

    Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.

    Da sagte ich: Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.

    Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. …

    Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund.“2

    Wenn der Herr es will, kann er nicht auch dem dreizehnjährigen Präsidenten eines Diakonskollegiums, der „die Schlüssel des Dienstes von Engeln“ innehat, Worte in den Mund legen?

    Ein weiterer junger Mann, Timotheus, wurde ein Mitarbeiter des Apostels Paulus. Die Briefe, die Paulus an Timotheus schrieb, würdigen den Glauben und das Zeugnis dieses sehr jungen Mannes. Ich möchte ein paar Auszüge daraus vorlesen:

    „Darum … entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist.

    [Christus] hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen.3

    Du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können …“4

    Hat der vierzehnjährige Präsident eines Lehrerkollegiums nicht ebenso wie Timotheus Anspruch auf die „Gnade Gottes“, wenn er vom Bischof eingesetzt wird? Ist die Berufung zum Präsidenten des Lehrerkollegiums nicht auch „ein heiliger Ruf“? Kann ein sechzehnjähriger Priester „Weisheit“ erlangen? Die heiligen Schriften antworten uns eindeutig mit Ja!

    Eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, dass ein sehr junger Mann einen Beitrag von größter Bedeutung leisten kann, ist Mormon. Wir wollen nur einen Teil seines Berichts lesen:

    „Und nun mache ich, Mormon, einen Bericht von dem, was ich gesehen und gehört habe, und nenne ihn das Buch Mormon.

    Und ungefähr zu der Zeit, da Ammaron die Aufzeichnungen für den Herrn verbarg, kam er zu mir (ich war ungefähr zehn Jahre alt und fing an, entsprechend dem Wissen meines Volkes ein wenig belehrt zu sein); und Ammaron sprach zu mir: Ich sehe, du bist ein ernsthaftes Kind und geschickt im Beobachten …

    Und siehe, [eines Tages sollst] du … die Platten Nephis an dich nehmen, und das Übrige sollst du an dem Ort lassen, wo es ist; und du sollst auf den Platten Nephis alles eingravieren, was du in Bezug auf dieses Volk beobachtet hast.5

    Und ungeachtet meiner jungen Jahre war ich groß an Gestalt; darum bestimmte mich das Volk Nephi zu seinem Führer oder zum Führer seiner Heere.

    [Und es] begab sich: In meinem sechzehnten Jahr zog ich an der Spitze eines Heeres der Nephiten … hinaus.“6

    Was für eine Serie von Ereignissen in einem so jungen Leben! Mit zehn Jahren begann er, sich auf seine Berufung als Prophet vorzubereiten, und erfuhr von den heiligen Aufzeichnungen aus alter Zeit. Das Volk Nephi bestimmte ihn mit sechzehn Jahren zum Heerführer der Nephiten.

    Im Juni des Jahres, als ich zwölf Jahre alt war, wurde ich bei einem Unfall mit einem Pferd verletzt, als ich in meiner Heimatstadt Randolph in Utah Zeitungen austrug. Sechs Monate lang saß ich im Rollstuhl; an Weihnachten konnte ich in jenem Jahr zum ersten Mal wieder laufen. Ich weiß noch, dass die Präsidentschaft meines Diakonskollegiums mich zu Hause besuchte. Dale Rex, Doug McKinnon und die anderen Dreizehnjährigen, die über das Diakonskollegium präsidierten, wussten offenbar, was sie mir als Angehörigem ihres Kollegiums schuldig waren.

    Kürzlich stand ich auf dem Flughafen in Salt Lake City an der Gepäckausgabe, als eine Frau auf mich zukam und nach meinem Namen fragte. Ich erkannte sie als eine frühere Schulkameradin von der South Rich Highschool. Sie hatte sich verändert, seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Sie wissen ja, wie einem bei einem unliebsamen Klassentreffen zumute ist. Sie hatte ein wenig graues Haar und ein paar Falten bekommen. (Ich hatte mich natürlich nicht verändert.) Offensichtlich holte sie ihr Kind ab, das von einer Mission heimkehrte. Das überraschte mich. Ihre Familie, die nicht der Kirche angehörte, war in unsere kleine Stadt gezogen, als wir noch in die Schule gingen. Sie hieß Alice Gomez und war etwa im gleichen Alter wie ich und meine Freunde. Ich erinnere mich, dass sie freundlich und höflich war, aber nie eine Versammlung unserer Kirche besuchte.

    Ich sagte zu ihr: „Alice, erzähl mir deine Geschichte. Offensichtlich bist du ein aktives Mitglied der Kirche, aber du hast dich nicht der Kirche angeschlossen, als wir noch zur Schule gingen.“

    Ihre Antwort war niederschmetternd: „Niemand hat mich je gefragt!“ Nein! Da hatten wir als Kollegium aber wirklich versagt!

    Vor kurzem wurde mir eine Geschichte von einem Priesterkollegium in Jamaika erzählt, das beschloss, den Missionaren bei der Arbeit zu helfen. Die jungen Männer gingen von Tür zu Tür, um Empfehlungen für die Missionare zu bekommen. Bald hatten sie mehr Empfehlungen, als die Missionare bewältigen konnten.

    Ein Priesterkollegium in Kaysville in Utah entschloss sich, kein einziges Mitglied des Kollegiums zu verlieren. Das ganze Kollegium besuchte ein weniger aktives Mitglied zu Hause und hielt den Sonntagsunterricht in dessen Zimmer ab. Bald begleitete der junge Mann sein Kollegium zu jemand anders nach Hause, um dort den Sonntagsunterricht abzuhalten.

    Im gegenwärtigen Jahr 2003 gibt es in der Kirche über 26 000 Gemeinden und Zweige mit etwa 78 000 Diakons-, Lehrer- und Priesterkollegien. Wenn das kein Heer ist!

    Der Beitrag, den die Kollegien des Aaronischen Priestertums leisten können, um Mitglieder ihres Kollegiums zu bekehren und zur aktiven Teilnahme zu bewegen oder wieder zu bewegen, ist enorm.

    Wenn der sechzehnjährige Mormon der Befehlshaber einer großen Armee sein konnte und wenn der allmächtige Gott dem Knaben Jeremia seine Worte in den Mund legen konnte und wenn Timotheus schon so weise sein konnte, dann kann jeder junge Mann, der mich heute hört, seinen Aufgaben im Kollegium gerecht werden.

    Die Aufgaben der Kollegien des Aaronischen Priestertums sind nicht weniger wichtig als die Aufgaben des Ältestenkollegiums oder der Hohepriestergruppe. Vergessen wir nicht, dass sie „die Schlüssel des Dienstes von Engeln“ innehaben. Wir brauchen junge Männer, die ihre Berufung treu erfüllen und wissen, dass ihnen das Recht übertragen wurde, das Amt auszuüben, zu dem sie bestimmt worden sind.

    Ich bezeuge, dass die Kollegien des Aaronischen Priestertums das heilige Priestertums Gottes tragen. Im Namen Jesu Christi. Amen.