2000-2009
    Ein erwählter Seher!
    Fußnoten
    Theme

    Ein erwählter Seher!

    Hätte Joseph Smith nur eine einzige solche göttliche Offenbarung empfangen, dann würde das allein ihn schon zu einem großen Propheten machen.

    Seit 1820 wurde Joseph Smith immer wieder angeklagt – und später dann wieder freigesprochen. Das ist auch heute noch so.

    Wie es prophezeit ist, wird er von Narren verlacht, die Hölle wütet gegen ihn und von ihm wird „sowohl gut als auch böse“ gesprochen (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:33). Dieser Tumult hält unnötigerweise manch einen beschäftigt, der lieber draußen im Hof alte Knochen abnagt, als hereinzukommen, wo es ein üppiges Festmahl an Offenbarungen gibt, und lenkt ihn davon ab, Joseph Smith als einem „erwählten Seher“ die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu widmen (siehe 2 Nephi 3:6,7).

    Wie Ammons Erfahrungen lehren, hat ein Seher die Macht, alte Aufzeichnungen zu übertragen; „ein Seher [ist] größer als ein Prophet“, sagt Ammon, aber „ein Seher [ist] … auch ein Prophet“ (Mosia 8:11-16). Zum Seher berufen, ist Joseph „für seine Mitmenschen zu einem großen Segen“ geworden (Mosia 8:18).

    Der „erwählte“ Übersetzer brachte „durch die Gabe und Macht Gottes“ (LuB 135:3) das Buch Mormon hervor, etwas, was man anfassen und prüfen kann. Wer das Buch Mormon beachtet, dem tun sich lange verschlossene Türen zu einem Kanon heiliger Schriften auf, den man allgemein für abgeschlossen hielt.

    Gleich auf der Titelseite steht, dass dieses Buch die besondere Aufgabe hat, die sterblichen Menschen zu überzeugen, „dass Jesus der Christus ist“ (siehe auch 2 Nephi 25:18). In einer Zeit des Unglaubens und der Wortverdrehungen im Hinblick auf diese wichtige Tatsache ist die Auswirkung des Buches, zu „überzeugen“, dringend notwendig! Wie präzise ist doch diese Verheißung!

    Das Buch Mormon wird „von den Dächern aus vorgelesen werden“ (2 Nephi 27:11). Selbst wenn es nicht beachtet wird, bleibt es doch eine ständige Einladung, „solange die Erde besteht“ (2 Nephi 25:22).

    Kein Wunder also, dass sich „die Enden der Erde nach [dem] Namen [Josephs] erkundigen“ (LuB 122:1). Beruhigende Prophezeiungen verkünden darüber hinaus, dass Josephs Feinde „zuschanden werden“ und sein „Volk sich niemals auf das Zeugnis von Verrätern hin gegen [ihn] wenden“ wird (2 Nephi 3:14; LuB 122:3).

    Wie Präsident Faust uns gestern ins Gedächtnis rief, sagte Joseph Smith über seine eigene Unvollkommenheit: „Ich habe euch nie gesagt, ich sei vollkommen – aber in den Offenbarungen, die ich gelehrt habe, ist kein Fehler.“ (Andrew F. Ehat und Lyndon W. Cook, The Words of Joseph Smith, 1980, Seite 369.)

    Eigentlich ging der junge Joseph Smith doch nur deshalb in den Wald, weil er wissen wollte, welcher Kirche er sich anschließen sollte; er trachtete nicht danach, als Seher, Offenbarer, Übersetzer und Prophet berufen zu werden (siehe LuB 21:1). Doch dort im Wald und auch danach strömte plötzlich eine ganze Fülle unerwarteter Segnungen hervor! Die daraus folgenden Offenbarungen und Übersetzungen waren nicht etwa Spekulationen, Sprüche für den Tag oder Epigramme, sondern aussagekräftige Enthüllungen von Gott.

    Der Umfang dieser Offenbarungen und Übersetzungen ist enorm und unterstreicht den Begriff „erwählter Seher“. Es ist aber nicht nur der Umfang dessen, was Joseph empfing und was nun der Menschheit mitgeteilt wird; in all dieser Fülle gibt es dazu noch einige wahre „Augenöffner“.

    Beispielsweise kommen wir durch eine Vielzahl von Offenbarungen und Übersetzungen zu einem Bild des Universums, das weit, sehr weit über das hinausgeht, was die Astrophysiker damals, um 1830, wussten; da wird ein Kosmos geschildert, in dem es „Welten ohne Zahl“ gibt, und wir erfahren, dass „ihre Bewohner für Gott gezeugte Söhne und Töchter sind“ (Mose 1:33; LuB 76:24).

    In alten Zeiten wurde Abrahams mögliche Nachkommenschaft mit dem Sand am Meer verglichen – eine schwindelerregende Verheißung (siehe Genesis 22:17). Die Offenbarungen und Übersetzungen der Wiederherstellung zeigen ein weites Universum, und so überraschen die jüngsten wissenschaftlichen Schätzungen der Anzahl der Sterne im Universum nicht; es sollen ungefähr 70-mal 1021 sein. „Es gibt mehr Sterne am Himmel“, so sagen Wissenschaftler, „als Sandkörner an allen Stränden und in allen Wüsten der Erde.“ (Allison M. Heinrichs, „The Stellar Census: 70 Sextillion“, Los Angeles Times, 26. Juli 2003; siehe auch Carl Sagan, Cosmos, 1980, Seite 196.)

    Den Offenbarungen und Übersetzungen entnehmen wir auf göttlich prägnante und beruhigende Weise auch die grundlegende Absicht Gottes, nämlich „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (siehe Mose 1:39). Gottes Pläne für die Entwicklung der Seele haben sich nicht geändert. Sie wurden dem alten Israel geschildert, dessen vierzig Jahre in der Wüste dazu gedient hatten, „dich gefügig zu machen und dich zu prüfen, … wie du dich entscheiden würdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht“ (Deuteronomium 8:2). Deshalb können die heutigen Jünger auch verstehen, warum unser Glaube und unsere Geduld manchmal auf die Probe gestellt werden: damit wir darauf vorbereitet werden, heimzukehren (siehe Mosia 23:21).

    Brüder und Schwestern, wir kommen nicht viele Stunden aus, ohne aufs Neue entscheiden zu müssen, wohin wir uns wenden wollen und ob wir unsere Zelte nach Sodom oder zum Tempel hin ausrichten (siehe Genesis 13:12; Mosia 2:6).

    Gott hat keine Hobbys irgendwo im Universum, die ihn ablenken könnten. Wir stehen im Mittelpunkt seines Interesses und seiner Absichten. Welch einen Kontrast dazu bieten diejenigen, die meinen, dass der Mensch in einem „beistandslosen Universum“ (Bertrand Russell, „A Free Man’s Worship“, Mysticism and Logic and Other Essays, 1917, Seite 50), einem „Universum … ohne einen Herrn“ (Albert Camus, The Myth of Sisyphus and Other Essays, Englisch von Justin O’Brien, 1955, Seite123) lebt.

    Auch über das lange Dasein von Gottes Geistkindern gab es Offenbarungen, denn „der Mensch war auch am Anfang bei Gott“ – eine Erklärung, die mit weiteren Einblicken in das ewige Wesen des Menschen einhergeht (LuB 93:29). Diese Aussagen und die tief greifenden Schlüsse, die sich daraus ergeben, sind entscheidend, da sie beispielsweise die Lehre in Frage stellen, der Mensch sei im Nu und „aus dem Nichts“ erschaffen worden.

    Dass der Mensch „am Anfang“ bei Gott war, birgt noch einen weiteren Aspekt der Wahrheit: Sie sind schon sehr lange „Sie selbst“. Der Apostel Johannes hat also ganz richtig geschrieben, dass Gott „uns zuerst geliebt hat“ (1 Johannes 4:19). Inmitten des turbulenten Erdenlebens erfahren wir auch, wer die anderen sterblichen Menschen in Wirklichkeit sind, nämlich unsere Brüder und Schwestern und nicht Funktionsträger, Rivalen oder Feinde. Mehr noch: Wir müssen das menschliche Leben besonders heilig halten und achten.

    Diese drei Offenbarungen bzw. Übersetzungen sind wahre „Augenöffner“ und gehen insbesondere auf das tiefste Sehnen und Fragen des Menschen ein. Sie verleihen uns ein besseres Verständnis vom Wesen Gottes, vom Universum, und davon, wer und was wir sind und was das Leben wirklich bedeutet. Was kann persönlicher sein als diese kurzen, aber umfassenden Feststellungen?

    Hätte Joseph Smith nur eine einzige solche göttliche Offenbarung empfangen, dann würde das allein ihn schon zu einem großen Propheten machen. Obschon Gott uns alles geben möchte, was er hat, sind wir doch so begriffsstutzig (siehe LuB 84:38).

    Kein Wunder, dass Paulus den Abraham lobte, der „nicht im Unglauben“ zweifelte (Römer 4:20). Wenn wir über die Lehren der Wiederherstellung nachsinnen, kann es passieren, dass wir angesichts solch kühner und verheißungsvoller Wahrheiten ins Straucheln geraten.

    Wir wollen daher bei solch atemberaubenden Offenbarungen und Übersetzungen den Rat König Benjamins befolgen, der gesagt hat: „Glaubt an Gott; … glaubt daran, dass der Mensch nicht alles erfasst, was der Herr erfassen kann.“ (Mosia 4:9.)

    Ein Gott, der alles vermag, lässt allen Sterblichen die Freiheit, zu wählen; doch wie dankbar müssen wir sein, dass Gott vor langer, langer Zeit beschlossen hat, alle seine Kinder durch das Sühnopfer seines Sohnes zu retten und auferstehen zu lassen. Dennoch weisen manche Menschen diese und andere Einladungen Gottes zurück und vielen sind sie gleichgültig; meist deshalb, weil sie zu sehr in die Belange der Welt verstrickt sind. Der Erretter ist ihnen fremd, denn er steht den Gedanken und Absichten ihres Herzens fern (siehe Mosia 5:13).

    Inmitten des Planes Gottes und der unvorstellbaren Weite des Universums bleibt doch der Einzelne im Vordergrund. Beispielsweise schaut Gott „auf alle Menschenkinder hernieder; und er kennt alle Gedanken und Absichten des Herzens.“ (Alma 18:32; siehe auch Jesaja 66:18.)

    Da wir ihm gegenüber also voll verantwortlich sind, gilt für uns am Tag des Gerichts kein Aussageverweigerungsrecht!

    Für den Schluss habe ich mir die allerwichtigste Offenbarung aufgehoben, die eigentlich an erster Stelle steht: die Erscheinungen, die belegen, dass der auferstandene Jesus Christus, unser Erretter, wirklich existiert! Es begann im heiligen Wald und bald darauf folgten weitere Erscheinungen an entlegenen Orten wie Kirtland und Hiram, und somit empfing die ganze Menschheit diese dringend benötigte Bestätigung.

    Leider wird Jesus in diesem weltlichen Umfeld von vielen bestenfalls als eine Gestalt aus alter Zeit betrachtet; er wird sogar verunglimpft. Wie bemerkenswert ist es daher, dass die Offenbarungen der Wiederherstellung diese kosmische Tatsache bestätigen: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (Johannes 3:16).

    Jesus, der das unbegrenzte Sühnopfer vollbrachte, litt dabei unbegrenztes Leid; er ist ein Erretter, der uns völlig versteht, denn er ist „hinabgefahren unter alles“ und „erfasst“ alles (2 Nephi 9:7; LuB 88:6). Die Worte des bewegenden alten Spirituals treffen es genau: Niemand weiß, was ich gelitten habe, niemand außer Jesus.

    Brüder und Schwestern, zu denjenigen auf diesem Planeten, für die diese Offenbarungen und Übersetzungen so bedeutsam sind, gehören jene, die, wie man so sagt, „in stiller Verzweiflung“ leben (siehe Henry David Thoreau, Walden, 1965, Seite 7). Zu ihnen gesellen sich heutzutage aber auch jene, die sich in einem ausschweifenden und ichbezogenen Leben suhlen und sich ihrer Empfindungsfähigkeit rühmen, bis sie jede Empfindung verloren haben (siehe Moroni 9:20; Epheser 4:19; 1 Nephi 17:45). Sie lecken sich die Finger auf der verzweifelten Suche nach noch mehr Genüssen. Solche Menschen bilden jedoch derzeit noch nicht die Mehrheit, sondern stellen den geringeren Teil des Volkes dar (siehe Mosia 29:26,27).

    Beachten Sie: Am letzten Tag wird der Widersacher den Menschen, die ihm gefolgt sind, ohnehin nicht beistehen (siehe Alma 30:60). Er kann es nicht. Jesus wird majestätisch siegen und die schlauen Konstrukte des Widersachers, die dem „fleischlichen Sinn angenehm“ sind, werden zusammenbrechen und ihr Einsturz wird „überaus groß“ sein (Alma 30:53; 1 Nephi 11:36). Schon jetzt erkennt man im Leben von Abgeirrten, die in sich gehen, wie sich die Lehren des Teufels schon vor der Zeit in Nichts auflösen (siehe Lukas 15:17). Viele, die die völlige Leere der niedrigeren Wege erlebt haben, machen sich bereit, das Wort zu vernehmen, und warten nun darauf, die rettenden Offenbarungen und Übersetzungen kennen zu lernen (siehe Alma 32:6).

    Brüder und Schwestern, wir dürfen es nicht wagen, mit den Aussagen des wiederhergestellten Evangeliums zurückzuhalten! Wir dürfen es nicht wagen, die Offenbarungen zurückzuhalten, die mit Zuversicht erfüllen, und die Übersetzungen, die die Wahrheit offenbaren „von etwas, wie es wirklich ist, und von etwas, wie es wirklich sein wird“ (Jakob 4:13); sie werden ja dringend von denen gebraucht, die aus einem Mangel an wahrer Lehre, der sich am besten durch die Erkenntnisse der Wiederherstellung beheben lässt, ermattet sind. Sie zurückzuhalten würde die Umkehr behindern und die geistige Einladung verschleiern, die doch „makellos … wie die Sonne und klar wie der Mond“ an uns ergeht (LuB 105:31).

    Lassen Sie uns unterdessen akzeptieren, dass viele uns gleichgültig gegenüberstehen. Andere wieder halten uns für sonderbar oder irregeleitet. Wir wollen ertragen, dass sie mit dem Finger auf uns deuten; schließlich werden sie ja gelangweilt feststellen, dass „das große und geräumige Gebäude“ nur ein heruntergekommenes und überbelegtes drittklassiges Hotel ist (siehe 1 Nephi 8:31-33). Schmähen wir nicht diejenigen, die uns schmähen, beachten wir sie einfach nicht (siehe LuB 31:9). Nutzen wir stattdessen unsere Kraft, um den Schild des Glaubens hochzuhalten, sodass wir die auf uns gerichteten feurigen Pfeile zu löschen vermögen – vielleicht unterstützt vom schützenden geistigen Teflon (siehe 1 Nephi 15:24).

    Brüder und Schwestern, „was mehr kann ich [nach alldem] sagen“ – als nur – „Preiset den Mann, der einst sprach mit Jehova!“ (Jakob 6:12; „Preiset den Mann“, Gesangbuch, Nr. 17.) Im Namen Jesu Christi. Amen.