2000-2009
    Eine sichere Grundlage
    Fußnoten
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    Eine sichere Grundlage

    Unser Zeugnis muss auf einer sicheren Grundlage ruhen, es muss tief im Evangelium Jesu Christi verwurzelt sein.

    Vor einigen Jahren brach ein schwerer Sturm über die Gegend, in der wir wohnten, herein. Zunächst goss es in Strömen, dann folgte ein verheerender Wind aus östlicher Richtung. Als der Sturm vorüber war, stellte man die Schäden fest – Stromleitungen waren zusammengebrochen, Eigentum war beschädigt worden und viele schöne Bäume, die in der Gegend wuchsen, waren entwurzelt. Ein paar Tage danach sprach ich mit einem Freund, der einige Bäume in seinem Vorgarten verloren hatte. Die Bäume auf einer Seite seines Hauses erhoben sich kerzengerade in die Höhe, sie hatten den Sturm gut überstanden, die jedoch, die meiner Meinung nach auf dem schönsten Fleck seines Grundstücks standen, hatten dem tosenden Wind nicht standhalten können. Er wies mich darauf hin, dass die Bäume, die den Sturm überlebt hatten, in festem Boden ruhten. Ihre Wurzeln mussten tief ins Erdreich dringen, um Nährstoffe aufzunehmen. Die verlorenen Bäume standen an einem kleinen Wasserlauf, wo sie leicht an Nährstoffe gelangen konnten. Ihre Wurzeln warenflach und reichten nicht tief genug, um sie vor dem Sturm zu schützen.

    Unser Zeugnis muss, wie diese Bäume, auf einer sicheren Grundlage ruhen, es muss tief im Evangelium Jesu Christi verwurzelt sein, damit wir, wenn es bei uns stürmt und regnet – und dessen können wir gewiss sein –, stark genug sind, den Stürmen zu trotzen, die um uns toben. Helaman ermahnte seine Söhne:

    „Und nun, meine Söhne, denkt daran, denkt daran, dass ihr euren Grund auf dem Fels eures Erlösers – und das ist Christus, der Sohn Gottes – legen müsst; damit, wenn der Teufel seine mächtigen Winde aussenden wird, ja, seine Pfeile im Wirbelsturm, ja, wenn all sein Hagel und sein mächtiger Sturm auf euch niederfallen, dies keine Macht über euch haben wird, euch in den Schlund des Elends und des endlosen Wehs hinabzuziehen, und zwar wegen des Felsens, auf den ihr gebaut seid, der eine sichere Grundlage ist – und wenn die Menschen auf dieser Grundlage bauen, können sie nicht fallen.“1

    Im Buch Mormon stellt der Prophet Jakob bei seiner Begegnung mit dem Christusgegner Scherem die Frage: „Leugnest du den Christus, der kommen soll? Und er sprach: Wenn es einen Christus gäbe, würde ich ihn nicht leugnen; aber ich weiß, dass es einen Christus weder gibt noch gegeben hat, noch jemals geben wird.

    Und ich sprach zu ihm: Glaubst du an die Schrift? Und er sprach: Ja.

    Und ich sprach zu ihm: Dann verstehst du sie nicht, denn sie zeugt wahrhaftig von Christus. Siehe, ich sage dir, dass keiner der Propheten geschrieben noch prophezeit hat, ohne über diesen Christus zu sprechen.

    Und dies ist nicht alles – es ist mir … durch die Macht des Heiligen Geistes kundgetan worden …“2

    Jakob verweist auf drei Quellen der Wahrheit – die heiligen Schriften, die Propheten und den Heiligen Geist –, die von Christus zeugen. Sie werden uns helfen, unseren Grund „auf dem Fels [unseres] Erlösers – und das ist Christus, der Sohn Gottes“3 zu legen.

    1. Die heiligen Schriften

    Der Erretter selbst sagte: „Erforscht die Schriften, … gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“4 Als der Herr den Lehi anwies, mit seiner Familie in die Wildnis hinauszuziehen, wusste er, dass sie eine feste Grundlage brauchen würden, auf der sie im neuen Land bauen konnten. Die heiligen Schriften waren so wichtig, dass die Stimme des Geistes Nephi gebot, Laban zu töten, um den Bericht zu erhalten. Er sagte: „Es ist besser, ein einzelner Mensch geht zugrunde, als dass ein ganzes Volk in Unglauben verfällt und zugrunde geht.“5

    Etwa zu derselben Zeit führte der Herr eine andere Gruppe Menschen aus Jerusalem hinaus ins Land ihrer Verheißung. Viele Generationen später stieß König Mosia auf ihre Nachkommen, die als das Volk Zarahemla bekannt waren. Sie waren in keiner guten geistigen Verfassung. In Omni lesen wir: „Ihre Sprache war verderbt geworden; und sie hatten keine Aufzeichnungen mitgebracht; und sie leugneten das Dasein ihres Schöpfers.“6 Ohne die heiligen Schriften gehen nicht nur Völker zugrunde, auch Familien und Einzelne verfallen in Unglauben. Das tägliche Studium der heiligen Schriften hilft uns, unseren Glauben in Christus zu verankern; sie zeugen von ihm.

    2. Die Propheten

    Vor einigen Jahren hatte ich den Auftrag, eine Pfahlpräsidentschaft umzubilden. Bei der Sonntagsversammlung der Konferenz erzählte die Frau des neu berufenen Pfahlpräsidenten folgende Geschichte. Sie berichtete, sie sei in einem gut christlichen Zuhause aufgewachsen. Ihre Eltern hatten die Familie jeden Tag zusammengeholt, um in der Bibel zu lesen und zu forschen. Als sie über die Propheten in alter Zeit lasen, fragte sie ihre Eltern, warum es heute auf Erden keine Propheten gebe. Sie konnten ihr keine befriedigende Antwort geben und ihre Lehrer und die Geistlichen auch nicht.

    Eines Tages, als sie Studentin war, fielen ihr zwei junge Männer mit weißem Hemd und Krawatte auf. Sie hatten Namensschilder, auf denen sie die Worte „Jesu Christi“ entziffern konnte. Sie sprach sie an und fragte sie, ob sie Geistliche seien. „Ja, das sind wir! Wir sind Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.“

    „Darf ich Sie dann etwas fragen?“, sagte sie. „Liebt der Herr die Menschen heute noch genauso wie in früheren Zeiten?“

    „Aber ja!“, lautete die Antwort.

    „Warum gibt es dann heute auf Erden keine Propheten mehr?“

    Können Sie sich vorstellen, wie begeistert zwei junge Missionare sind, denen man solch eine Frage stellt? Sie sagten: „Die gibt es, es gibt auch heute Propheten auf der Erde. Dürfen wir Ihnen davon erzählen?“

    Was wir der Welt heute sagen wollen, ist dasselbe: „Es gibt auch heute Propheten auf der Erde.“ Noch heute Nachmittag erheben wir die Hand, um Präsident Gordon B. Hinckley, seine Ratgeber und das Kollegium der Zwölf Apostel als Propheten, Seher und Offenbarer zu bestätigen. Sie sind besondere Zeugen des Namens Jesu Christi. In der Proklamation Der lebendige Christus – das Zeugnis der Apostel sagen sie: „Als seine rechtmäßig ordinierten Apostel bezeugen wir, dass Jesus der lebendige Messias ist, der unsterbliche Sohn Gottes … Er ist das Licht, das Leben und die Hoffnung der Welt. Sein Weg ist der Pfad, der zum Glücklichsein hier auf der Erde und zu ewigem Leben in der zukünftigen Welt führt.“7 Brüder und Schwestern, wenn Gott uns so sehr liebt, dass er uns Propheten sendet, dann sollten wir ihn so sehr lieben, dass wir ihnen folgen. Wenn wir den Propheten folgen, sind wir gegen die Stürme des Lebens besser gefeit, und wir kommen zu Christus.

    3. Der Heilige Geist

    Als Christus vor seiner Kreuzigung im Obergemach mit seinen Aposteln zusammenkam, sagte er: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“8

    Wenn uns nach der Taufe die Hände aufgelegt werden, werden wir als Mitglied der Kirche Christi bestätigt und empfangen dann die Gabe des Heiligen Geistes. Uns wird verheißen, dass er uns ständig begleitet, sofern wir rechtschaffen leben und würdig bleiben; er wird uns führen, alle Wahrheit lehren und bezeugen, dass Jesus der Messias ist. Als Bundesgetreue der Kirche des Herrn versprechen wir, ihm zu dienen und seine Gebote zu befolgen, „damit er seinen Geist reichlicher über [uns] ausgieße“9.

    In Westafrika, wo wir derzeit dienen, spüren wir, dass sein Geist im Übermaß auf die treuen Heiligen ausgegossen wird. 1989 wurde Ghana von einem Sturm heimgesucht – und zwar nicht mit Wind und Regen, sondern mit Verfolgung, Verleumdung und Missverständnissen. Es war eine schwere Zeit; die Kirche war dort noch neu. Alle Missionare, die nicht aus Afrika stammten, mussten das Land verlassen. Unsere Gemeindehäuser wurden abgesperrt und bewacht, sodass die Mitglieder nicht hineinkonnten. Die Heiligen konnten sich nicht versammeln und beteten Gott folglich als Familie zu Hause an. Einige Mitglieder wurden gefangen genommen oder sogar ins Gefängnis gesteckt. Wir bezeichnen diese Phase als Eiszeit. Die Mitglieder hatten mit dem Rest der Kirche kaum Verbindung und bekamen wenig Hilfe von ihr, aber dennoch mussten sie dem Sturm nicht allein trotzen. Sie hatten die heiligen Schriften und die Worte der Propheten, sie hatten Glauben und vertrauten auf den Herrn und er goss seinen Geist über sie aus. Einer von ihnen sagte:„Wir hatten den Geist des Herrn bei uns und konnten spüren, wie er uns führte. Wir kamen einander näher und wir kamen dem Erretter näher.“

    Achtzehn Monate lang fasteten und beteten die Heiligen dafür, dass die Eiszeit enden möge. Im November 1990 wurden die Maßnahmen aufgehoben. Der Sturm hatte den Höhepunkt überschritten, aber er hatte Opfer verlangt. Einige waren abgefallen. Ihre Wurzeln waren flach gewesen und ihre Grundlage schwach. Heute ist die Grundlage der Kirche in Ghana auf dem Glauben jener errichtet, die den Sturm überstanden haben. Sie waren im Evangelium Jesu Christi tief verwurzelt.

    Brüder und Schwestern, die heiligen Schriften, die lebendigen Propheten und der Heilige Geist geben Zeugnis von Christus. Sie werden uns helfen, auf „eine sichere Grundlage“ zu bauen, „und wenn die Menschen auf dieser Grundlage bauen, können sie nicht fallen“.10 Das bezeuge ich demütig im Namen Jesu Christi. Amen .