2000-2009
    Der Herr, dein Gott, wird dich an der Hand fassen
    Fußnoten
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    Der Herr, dein Gott, wird dich an der Hand fassen

    Wenn wir Hand in Hand mit Gott auf seinen Wegen wandeln, kommen wir im Glauben voran und fühlen uns niemals allein.

    In der heutigen Welt spiegeln die Augen und Herzen vieler Menschen Zweifel, Angst und Hoffnungslosigkeit wider. Ein Großteil der Unsicherheit der Welt hat sich in unser Zuhause und unser privates Lebensumfeld eingeschlichen. Ungeachtet unseres Alters und unserer Umstände müssen wir uns jedoch bewusst machen, dass wir dagegen etwas unternehmen können und für die Zukunft hoffen dürfen.

    Mormon sagt dazu: „Wisst ihr nicht, dass ihr in den Händen Gottes seid? Wisst ihr nicht, dass er alle Macht hat?“ (Mormon 5:23.)

    Die Hände gehören zu den Körperteilen, die auch eine symbolische Bedeutung besitzen. Im Hebräischen wird yad, der gebräuchlichste Ausdruck für „Hand“, auch übertragen für Kraft, Stärke, Macht gebraucht (siehe William Wilson, Old Testament Word Studies, 1978, Seite 205). Die Hand ist also ein Symbol für Macht und Stärke.

    Die ausgestreckte Hand unseres lebenden Propheten, Präsident Gordon B. Hinckley, stärkt, erhebt und inspiriert Menschen in aller Welt.

    In Gottes Hand sein bedeutet, dass er nicht nur sorgsam über uns wacht, sondern dass wir auch durch seine wundersame Macht behütet und beschützt sind.

    In den heiligen Schriften wird oft auf die Hand des Herrn Bezug genommen. Sein göttliches Wirken wird immer wieder offenbar. Seine allmächtigen Hände schufen Welten und waren doch sanft genug, kleine Kinder zu segnen.

    Bedenken Sie, mit welchen Worten Johannes den auferstandenen und verherrlichten Erretter beschreibt: „Als ich ihn sah, … legte [er] seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin … der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit“ (Offenbarung 1:17,18). Wenn er uns seine Hand auflegt, können wir, wie Johannes, in ihm lebendig werden.

    Vor 24 Jahren kämpfte unser kleiner neugeborener Sohn auf der Intensivstation eines Krankenhauses um sein Leben. Seine Lungen waren aufgrund seiner vorzeitigen Geburt noch nicht vollständig entwickelt und er rang verzweifelt um jeden Atemzug. Er war so winzig, aber voller Lebenswillen. Als junge, unerfahrene Eltern beteten meine mutige und stets glaubenstreue Frau Jan und ich darum, dass der Herr seine Hand ausstrecken und unserem kleinen Jungen irgendwie helfen möge, weiter zu atmen. Als ich meine zitternde Hand durch die kleine Öffnung des Brutkastens steckte, fühlte ich mich so unzulänglich und machtlos. Ich ergriff die winzige, aber vollkommene Hand unseres neugeborenen Sohnes, und plötzlich kam eine starke geistige Verbindung zustande, die ich nie mehr vergessen habe. Zwei Finger jeder Hand bedeckten seinen winzigen Kopf, als ich ihn segnete.

    Wir wünschten uns sehr, ihn bei uns zu haben, aber wir wussten, dass sein Erdenleben in der Hand des Herrn lag und nicht in der unseren oder in der des Ärzteteams, das sich um ihn kümmerte. Demütig erkannte ich sodann, dass meinen zitternden Händen eine Kraft und Vollmacht innewohnte, die weit über die meine hinausging. Meine Finger auf seinem Kopf traten an die Stelle von Gottes Händen, die er unserem Sohn auflegte, um seine Macht an ihm wirksam werden zu lassen. Nach dem Segen schauten meine Partnerin für die Ewigkeit und ich uns in einem Moment inneren Friedens über den Brutkasten hinweg an und spürten, wie durch unseren Glauben an den Herrn Jesus Christus und die Auswirkungen seines Sühnopfers neue Hoffnung und Trost in uns aufkamen. Es war ein machtvolles Zeugnis seiner Liebe zu einem kleinen Sohn, der seine Gegenwart gerade erst verlassen hatte. Wir waren danach eher bereit, seinen Willen für unseren Sohn zu akzeptieren. Wir hatten wirklich das Gefühl, wir hätten unsere Hände in die des Erretters gelegt.Es schien, als würde der Erretter von eigener Hand die unerlässliche Atemhilfe leisten und es unserem Sohn ermöglichen, zu atmen und weiter zu leben. Mit jedem Atemzug und jedem noch so kleinen Fortschritt beteten wir voller Dankbarkeit. Auch heute noch sind unser Sohn, der gesund ist, und seine Eltern, die in des Erretters Schuld stehen, für seine bereitwillig helfende Hand zutiefst dankbar.

    Zu den göttlichen Verheißungen, die damit einhergehen, dass wir am Morgen der ersten Auferstehung hervorkommen und Throne, Reiche, Mächte und Gewalten ererben, gehört auch, dass wir Höhen und Tiefen durchschreiten (siehe LuB 132:19). Der große Plan des Glücklichseins ist eine regelrechte Berg- und Talfahrt, auf der sich schwierige Zeiten mit Zeiten größter Freude abwechseln. Ja, wir alle erleben Schwierigkeiten und Kummer. Manchmal erscheint uns alles so schwierig, dass wir einfach aufgeben wollen. Es gibt Zeiten, in denen unser Schritt unsicher ist, in denen wir entmutigt sind und voller Verzweiflung nach Hilfe Ausschau halten.

    Elder Holland erinnert uns daran, dass das „Sinnbild des Kelches, der nicht vorübergeht, in unserem Leben genauso zum Tragen kommt wie in dem des Erretters. Das Niveau mag ein niedrigeres sein, die Tragweite geringer, aber der Kelch wird uns oft genug gereicht, um uns Gehorsam zu lehren.“ (Trusting Jesus, Seite 42.)

    Wir alle müssen erkennen, dass wir mit der Kraft des Herrn voranzugehen vermögen. Wir können unsere Hand in seine legen und spüren, dass er da ist und uns stützt und uns hilft, uns zu Höhen aufzuschwingen, die wir allein nie erreichen könnten.

    Markus hat festgehalten, wie ein besorgter Vater seinen schwer kranken Sohn zu Jesus brachte: „Jesus aber fasste ihn an der Hand und richtete ihn auf, und der Junge erhob sich.“ (Markus 9:27.)

    Wir müssen dem Herrn vertrauen. Wenn wir uns ihm freimütig hingeben, wird uns die Last genommen und unsere Seele getröstet.

    Elder Scott hat vor kurzem gesagt: „Vertrauen Sie Gott …, so schwierig die Umstände auch sein mögen. … Ihr innerer Friede, Ihre Gewissheit, dass es auch für die kniffligsten Probleme des Lebens eine Lösung gibt, Ihre größte Freude hängen davon ab, wie sehr Sie dem himmlischen Vater und seinem Sohn, Jesus Christus, vertrauen.“ (Elder Richard G. Scott, „Der Glaube kann uns in einer unsicheren, schwierigen Zeit Kraft schenken“, Liahona, Mai 2003, Seite 76ff.)

    Wie lernen wir zu vertrauen? Wie lernen wir, unsere Hand auszustrecken und den Trost zu empfangen, den der Herr spendet?

    Der Herr gab Joseph Smith dazu klare Anweisungen: „Lerne von mir, und höre meinen Worten zu; wandle in der Sanftmut meines Geistes, dann wirst du Frieden haben in mir. … Bete immer, dann werde ich meinen Geist über dich ausgießen …“ (LuB 19:23,38).

    Es gibt vier Schlüssel:

    • lernen

    • zuhören

    • nach dem Geist trachten

    • immer beten

    Der Herr hilft und unterstützt uns, wenn wir bereit sind, die Tür zu öffnen und seine helfende Hand anzunehmen.

    Präsident Thomas S. Monson weist uns auf die Hand des Erretters hin, die bereitwillig zu unserer Rettung ausgestreckt ist: „Die errettende Hand, nämlich die Hand Jesu Christi, des Gottessohnes, des Erlösers der Menschen, wird geehrt. Mit dieser Hand klopft er an die Tür unseres Herzens.“ („Hände“, Der Stern, März 1991, Seite 6.)

    Vor kurzem machten sich unsere Tochter und unser Schwiegersohn zurecht, um gemeinsam auszugehen. Sie beeilten sich, rechtzeitig fertig zu werden und dem Babysitter noch schnell ein paar letzte Anweisungen zu geben. Das traurige Gesicht eines ihrer Kinder und die Tränen in den Augen eines anderen fielen ihnen erst auf, als sie an der Tür waren und gerade gehen wollten. Sie merkten, dass ihre Kinder besorgt waren, weil ihre Mama und ihr Papa fortgehen wollten. Also scharten die Eltern ihre vier Lieblinge um sich. Ihr Papa bat sie, die Hände auszustrecken. Alle acht kleinen Hände wurden vorgestreckt. Mama und Papa küssten dann jede Hand und sagten den Kindern, wenn sie sie vermissten, wenn sie Angst hätten oder sich nach Zuneigung sehnten, bräuchten sie bloß ihre Händchen an die Wangen zu halten und schon könnten sie jederzeit spüren, dass Mama und Papa bei ihnen sind. Die Kinder waren glücklich. Als unsere Tochter und unser Schwiegersohn losfuhren, sahen sie vier kleine Kinder, die lächelnd am Fenster standenund die Hände an ihre Wangen hielten.

    Sie vertrauten ihren Eltern und wussten, dass die Eltern sie liebten.

    So wie kleine Kinder vertrauen, müssen auch wir kindlich und vorbehaltlos vertrauen. Wir dürfen nie vergessen, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind und dass er uns sehr liebt. Wenn wir begriffen haben, wer wir sind, steht uns eine unerschöpfliche Quelle der Hoffnung und des Trostes offen.

    Wir werden „in dem Wettkampf …, der uns aufgetragen ist“ (Hebräer 12:1), nicht bis zum Ende durchhalten, wenn wir unsere Hand nicht in die des Herrn legen.

    Vor einigen Jahren entschloss sich unsere einzige Tochter, an einem Marathonlauf teilzunehmen. Sie trainierte hart und bereitete sich mit einigen Freunden gründlich darauf vor. Der Lauf war äußerst schwer und es gab Momente, in denen sie aufgeben wollte. Aber sie lief immer weiter, indem sie sich jeweils nur auf den nächsten Schritt konzentrierte. Als sie fast die Hälfte der Strecke geschafft hatte, hörte sie jemanden hinter sich rufen: „Achtung, links überholt Sie ein Blinder!“

    Sie drehte den Kopf und sah, wie ein Blinder an der Hand eines anderen Mannes sie überholte. Beide machten bei diesem Marathonlauf mit. Als sie vorbeiliefen, konnte unsere Tochter sehen, wie fest der Blinde die Hand seines Freundes umklammert hielt.

    Von körperlichem Schmerz geschüttelt, fühlte sie sich doch gestärkt, als sie diese beiden Männer sah, die Hand in Hand liefen. Der Sehende wurde von seinem blinden Freund motiviert, und der Blinde war auf die Verbindung zur Hand seines Freundes angewiesen. Unserer Tochter war klar, dass der Blinde das Rennen niemals allein hätte bewältigen können. Das Vertrauen des Blinden und die hingebungsvolle Liebe seines Freundes inspirierten sie.

    In gleicher Weise hat der Erretter seine Hand jedem von uns entgegengestreckt, damit wir nicht allein laufen müssen. „Für diejenigen [unter uns], die [gelegentlich] taumeln oder stolpern, steht er bereit, um ihnen beizustehen und sie zu stärken.“ (Trusting Jesus, Seite 43.) Wenn wir uns der Ziellinie nähern, wird er da sein, um uns zu erretten, denn dafür hat er sein Leben gegeben.

    Stellen Sie sich die Wunden an seinen Händen vor. Seine von schmerzlicher Erfahrung gezeichneten Hände, ja, seine aufgerissenen Hände, Sinnbild seines körperlichen Opfers, geben unseren Händen mehr Kraft und Führung.

    Es ist der verwundete Christus, der uns in unseren schweren Stunden führt. Er ist es, der uns aufrichtet, wenn wir mehr Luft zum Atmen brauchen oder eine Richtung, der wir folgen können, oder einfach den Mut weiterzumachen.

    Wenn wir die Gebote Gottes halten und Hand in Hand mit ihm auf seinen Wegen wandeln, kommen wir im Glauben voran und fühlen uns niemals allein.

    Vertrauen Sie seiner Verheißung ewigen Lebens und lassen Sie Frieden und Hoffnung auf sich wirken.

    Wenn wir uns dem Urheber des Friedens und seiner vollkommenen und erlösenden Liebe zuwenden, wird uns die Verheißung des Herrn völlig verständlich: „Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.“ (Jesaja 41:13.)

    Ich gebe Zeugnis von Jesus Christus, unserem Erlöser und lebenden Erretter.

    Ich bezeuge, dass er lebt und dass er seine liebende Hand jedem von uns entgegenstreckt. Im Namen Jesu Christi. Amen .