2010–2019
„Komm und folge mir nach!“
Heruntergeladene Inhalte
Diese Seite (MP3)
Fußnoten

Hide Footnotes

Farbschema

„Komm und folge mir nach!“

Jesus Christus fordert uns auf, den durch Bündnisse vorgezeichneten Weg nach Hause zu unseren himmlischen Eltern zu gehen und mit unseren Lieben zusammen zu sein

Meine lieben Brüder und Schwestern, meine Frau Wendy und ich freuen uns, an diesem Sonntagmorgen bei Ihnen zu sein. Vieles ist seit unserer letzten Generalkonferenz geschehen. In Concepción in Chile, Barranquilla in Kolumbien und Rom in Italien wurden neue Tempel geweiht. Bei diesen heiligen Ereignissen wurde der Heilige Geist in reichem Maße ausgeschüttet.

Ich gratuliere den vielen Frauen (und Männern), die vor kurzem das Buch Mormon gelesen, dabei Freude gefunden und verborgene Schätze entdeckt haben. Ich bin fasziniert von den Wundern, über die manche berichten.

Ich bin beeindruckt von den elfjährigen Jungen Männern, die jetzt als Diakone jeden Sonntag würdig das Abendmahl austeilen. Zusammen mit den elfjährigen Jungen Damen, die jetzt als Bienenkorbmädchen eifrig lernen und Aufgaben erfüllen, gehen sie in den Tempel. Die Jungen Männer und die Jungen Damen verkünden Wahrheiten des Evangeliums in aller Klarheit und mit Überzeugung.

Ich freue mich mit den Kindern und Jugendlichen, die mithelfen, dass zuhause das Evangelium gelehrt wird. Gemeinsam mit ihren Eltern folgen sie dem auf das Zuhause ausgerichteten, von der Kirche unterstützten Lehrplan.

Wir haben dieses Foto von dem vierjährigen Blake erhalten, der sich früh an einem Samstagmorgen ein Buch der Kirche griff und rief: „Mein Geist braucht Nahrung!“

Blake, wir sind begeistert von dir und anderen, die sich entschließen, ihrem Geist Nahrung zu geben, indem sie sich an den Wahrheiten des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi weiden. Und es ist uns eine große Freude, dass viele durch die Gottesverehrung und das Dienen im Tempel die Macht Gottes in ihrem Leben erfahren.

Wie viele von Ihnen wissen, hat unsere Familie vor drei Monaten schmerzlich Abschied nehmen müssen, als unsere Tochter Wendy aus diesem Erdenleben schied. Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten Tagen ihres Kampfes gegen den Krebs die Gelegenheit zu einem Abschiedsgespräch zwischen Vater und Tochter hatte.

Ich nahm ihre Hände und sagte ihr, wie sehr ich sie liebe und wie dankbar ich bin, ihr Vater zu sein. Ich sagte: „Du hast im Tempel geheiratet und deine Bündnisse treu gehalten. Du hast mit deinem Mann sieben Kinder auf die Welt gebracht, und ihr habt sie zu ergebenen Jüngern Jesu Christi, tapferen Mitgliedern der Kirche und guten Bürgern erzogen. Und sie haben ebenbürtige Ehepartner gewählt. Dein Papa ist sehr, sehr stolz auf dich. Du hast mir viel Freude bereitet!“

Leise erwiderte sie: „Danke, Papa.“

Es war ein bewegender, tränenreicher Moment. In ihren 67 Jahren haben wir zusammen gearbeitet, zusammen gesungen und sind oft zusammen Ski gefahren. Doch an diesem Abend sprachen wir über das, was am wichtigsten ist, nämlich Bündnisse, heilige Handlungen, Gehorsam, Glaube, die Familie, Treue, Liebe und das ewige Leben.

Wir vermissen unsere Tochter sehr. Dank des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi machen wir uns jedoch keine Sorgen um sie. Wir bleiben weiterhin unseren Bündnissen mit Gott treu und leben in der Erwartung, einst wieder mit ihr zusammen zu sein. Unterdessen dienen wir dem Herrn hier, und sie dient ihm dort – im Paradies.1

Meine Frau und ich waren dieses Jahr sogar schon im Paradies – zumindest in der Stadt Paradise in Kalifornien. Tatsächlich fand unser geplanter Besuch dort keine 40 Stunden nach dem Heimgang unserer Tochter statt. Wir sowie Elder Kevin W. Pearson und seine Frau June wurden durch die Mitglieder des Pfahles Chico sehr gestärkt. Wir erfuhren von ihrem großen Glauben, ihrem Dienst am Nächsten und den Wundern, die inmitten ihrer katastrophalen Verluste beim verheerendsten Flächenbrand in der Geschichte Kaliforniens geschehen waren.

Bei unserem Besuch sprachen wir ausführlich mit John, einem jungen Polizeibeamten, der einer der vielen mutigen Ersthelfer war. Er erzählte von der dichten Finsternis, die sich am 8. November 2018 auf Paradise gelegt hatte, als Flammen und glühende Aschestücke wie eine Geißel durch den Ort fegten, Gebäude mit allem Hab und Gut verschlangen und nichts als Aschehaufen und blanke Schornsteine zurückließen.

15 Stunden lang war John durch die undurchdringliche Finsternis gefahren, in der glühende Aschestücke bedrohlich durch die Luft schossen, während er einem nach dem anderen und einer Familie nach der anderen half, in Sicherheit zu gelangen – und all das unter Einsatz seines Lebens. Am meisten quälte John während dieser ungeheuren Strapaze jedoch die bohrende Frage: „Wo ist meine Familie?“ Nach vielen schrecklichen Stunden voller Angst erfuhr er endlich, dass sie in Sicherheit gebracht worden war.

Johns Sorge um seine Familie nehme ich zum Anlass, heute zu all jenen von Ihnen zu sprechen, die sich gegen Ende des Erdenlebens vielleicht fragen: „Wo ist meine Familie?“ An jenem künftigen Tag, wenn Ihre irdische Prüfungszeit zu Ende ist und Sie in die Geisterwelt eingehen, werden Sie mit der herzzerreißenden Frage konfrontiert: „Wo ist meine Familie?“

Jesus Christus zeigt den Weg, der zurück in unsere ewige Heimat führt. Er versteht den vom Vater im Himmel aufgestellten Plan des ewigen Fortschritts besser als jeder von uns. Schließlich ist er der Schlussstein des Ganzen. Er ist unser Erlöser, unser Heiler und unser Erretter.

Seit der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten von Eden streckt Jesus, der Messias, seinen mächtigen Arm aus, um allen zu helfen, die ihm nachfolgen wollen. In den heiligen Schriften lesen wir immer wieder, dass trotz der vielerlei Sünden von vielerlei Menschen seine Arme noch immer ausgestreckt sind.2

Der Geist in jedem von uns sehnt sich von Natur aus danach, dass die Liebe der Familie für immer Bestand hat. Liebeslieder verewigen die trügerische Hoffnung, dass nichts als Liebe nötig sei, wenn man für immer vereint sein will. Und es gibt einige, die irrtümlich glauben, durch die Auferstehung Jesu Christi gelte allen Menschen die Verheißung, dass sie nach dem Tod bei ihren Lieben sein werden.

In Wahrheit hat der Erretter selbst deutlich genug gemacht, dass durch seine Auferstehung zwar sichergestellt ist, dass ein jeder, der je gelebt hat, gewiss auferstehen und für immer leben wird,3 dass jedoch viel mehr erforderlich ist, wenn wir den großen Vorzug der Erhöhung genießen wollen. Errettung ist eine Sache, bei der es auf den Einzelnen ankommt, Erhöhung hingegen eine Sache, bei der es auf eine Familie ankommt.

Beachten Sie diese Worte, die der Herr Jesus Christus zu seinem Propheten gesagt hat: „Alle Bündnisse, Verträge, Verbindlichkeiten, Verpflichtungen, Eide, Gelöbnisse, Handlungen, Bindungen, Vereinbarungen und Erwartungen, die nicht sowohl für die Zeit als auch für alle Ewigkeit geschlossen und eingegangen und vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt werden[,] haben bei der Auferstehung von den Toten und danach keinerlei Wirksamkeit, Kraft und Gültigkeit; denn alle Verträge, die nicht zu diesem Zweck geschlossen werden, haben ein Ende, wenn die Menschen tot sind.“4

Was ist also erforderlich, damit eine Familie für immer erhöht sein kann? Wir haben Anspruch auf diesen Vorzug, wenn wir mit Gott Bündnisse eingehen, diese Bündnisse halten und die notwendigen heiligen Handlungen empfangen.

Dies ist schon seit Anbeginn der Zeit so. Adam und Eva, Noach und seine Frau, Abraham und Sara, Lehi und Saria und alle anderen ergebenen Jünger Jesu Christi seit der Erschaffung der Welt sind mit Gott dieselben Bündnisse eingegangen. Sie haben dieselben heiligen Handlungen empfangen, die wir heute als Mitglieder der wiederhergestellten Kirche des Herrn empfangen – es sind die Bündnisse, die wir mit der Taufe und im Tempel eingehen.

Der Erretter fordert alle auf, ihm in die Wasser der Taufe zu folgen und mit der Zeit im Tempel zusätzliche Bündnisse mit Gott zu schließen, also weitere notwendige Verordnungen zu empfangen, und sie treu einzuhalten. All dies ist erforderlich, wenn wir für immer mit unserer Familie erhöht sein und bei Gott sein wollen.

Es tut mir im Herzen weh, dass viele Menschen, die ich schätze, die ich bewundere und die ich respektiere, seiner Aufforderung nicht nachkommen. Sie beachten das Flehen Jesu Christi nicht, wenn er ihnen zuruft: „Komm und folge mir nach!“5

Ich verstehe, warum Gott weint.6 Auch ich weine um diese Freunde und Verwandten. Es sind wunderbare Männer und Frauen, die sich ganz ihrer Familie und ihren Aufgaben in der Gesellschaft verschrieben haben. Sie wenden großzügig Zeit, Kraft und Mittel auf. Und die Welt ist dank ihrer Bemühungen ein besserer Ort. Aber sie haben sich dafür entschieden, keine Bündnisse mit Gott einzugehen. Sie haben nicht die heiligen Handlungen empfangen, die sie mit ihrer Familie erhöhen und für immer mit ihr verbinden würden.7

Wie sehr wünschte ich, ich könnte mit ihnen sprechen und sie auffordern, ernsthaft darüber nachzudenken, was die Gesetze des Herrn ihnen ermöglichen. Ich habe mich gefragt, was ich nur sagen könnte, damit sie spüren, wie sehr der Erretter sie liebt, wissen, wie viel sie mir bedeuten, und erkennen, dass bündnistreue Frauen und Männer eine „Fülle der Freude“8 empfangen können.

Sie müssen begreifen, dass es im Jenseits zwar einen Ort für sie gibt – mit wunderbaren Männern und Frauen, die sich ebenfalls entschieden haben, keine Bündnisse mit Gott einzugehen –, dies jedoch nicht der Ort ist, wo Familien vereint sein und den Vorzug genießen werden, für immer zu leben und Fortschritt zu machen. Dies ist nicht das Reich, wo sie die Fülle der Freude, des nie endenden Fortschritts und Glücklichseins erfahren werden.9 Diese höchsten Segnungen empfängt man nur, wenn man in einem erhöhten celestialen Reich lebt – mit Gott, unserem ewigen Vater, seinem Sohn Jesus Christus und unseren wunderbaren, würdigen Angehörigen, die sich dafür bereitgemacht haben.

Ich fühle mich gedrängt, meinen unschlüssigen Freunden zu sagen:

„Sie haben sich in diesem Leben niemals bei irgendetwas mit dem Zweitbesten begnügt. Wenn Sie es jedoch ablehnen, das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi voll und ganz anzunehmen, entscheiden Sie sich dafür, sich mit dem Zweitbesten zu begnügen.

Der Erretter hat gesagt: ‚Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.‘10 Wenn Sie sich dafür entscheiden, keine Bündnisse mit Gott einzugehen, begnügen Sie sich jedoch für alle Ewigkeit mit einem sehr dürftigen Dach über dem Kopf.“

Weiter würde ich meine unschlüssigen Freunde flehentlich bitten:

„Schütten Sie Gott Ihr Herz aus. Fragen Sie ihn, ob dies alles wahr ist. Nehmen Sie sich Zeit, sich mit seinen Worten zu befassen. Vertiefen Sie sich darin! Wenn Sie Ihre Familie aufrichtig lieben und den Wunsch haben, für alle Ewigkeit mit ihr erhöht zu sein, zahlen Sie jetzt den Preis – durch ernsthaftes Schriftstudium und inständiges Beten –, um diese ewigen Wahrheiten zu erkennen und dann entsprechend zu leben.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie überhaupt an Gott glauben, setzen Sie genau da an. Es ist ja so: Wenn man keine Erfahrungen mit Gott gemacht hat, kann man an der Existenz Gottes zweifeln. Sorgen Sie also dafür, dass Sie erste Erfahrungen mit ihm machen. Üben Sie Demut. Beten Sie darum, dass Sie offene Augen haben und die Hand Gottes in Ihrem Leben und der Welt, die Sie umgibt, erkennen. Bitten Sie ihn, dass er Sie wissen lässt, ob er wirklich da ist – ob er Sie kennt. Fragen Sie ihn, was er für Sie empfindet. Und dann hören Sie zu.“

Einer dieser lieben Freunde hatte nur begrenzt Erfahrungen mit Gott gemacht. Doch er sehnte sich danach, bei seiner verstorbenen Frau zu sein. Er bat mich also, ihm zu helfen. Ich empfahl ihm, sich mit den Missionaren zu treffen, damit er die Lehre Christi verstehen und von den Bündnissen, heiligen Handlungen und Segnungen des Evangeliums erfahren konnte.

Das tat er auch. Doch er meinte dann, der Weg, den sie ihm empfahlen, verlange ihm zu viele Änderungen in seinem Leben ab. Er sagte: „Diese Gebote und Bündnisse sind einfach zu schwierig für mich. Außerdem kann ich auf keinen Fall den Zehnten zahlen, und ich habe keine Zeit, in der Kirche mitzuhelfen.“ Dann bat er mich: „Wenn ich gestorben bin, dann erledigen Sie doch bitte die notwendige Tempelarbeit für meine Frau und mich, damit wir wieder vereint sein können.“

Zum Glück bin ich nicht der Richter dieses Mannes. Ich bezweifle jedoch die Wirksamkeit der stellvertretenden Tempelarbeit für einen Mann, der die Gelegenheit hatte, sich schon zu Lebzeiten taufen zu lassen – schon hier im Erdenleben zum Priestertum ordiniert zu werden und die Segnungen des Tempels zu empfangen –, dann aber bewusst die Entscheidung getroffen hat, diesen Weg abzulehnen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, Jesus Christus fordert uns auf, den durch Bündnisse vorgezeichneten Weg nach Hause zu unseren himmlischen Eltern zu gehen und mit unseren Lieben zusammen zu sein. Er fordert uns auf: „Komm und folge mir nach!“

Als der Präsident seiner Kirche wende ich mich an Sie, die Sie sich von der Kirche entfernt haben, und an Sie, die Sie sich noch nicht wirklich bemüht haben, zu erkennen, dass die Kirche des Erretters wiederhergestellt wurde, und bitte Sie inständig: Leisten Sie die geistige Arbeit, durch die Sie es selbst herausfinden können, und tun Sie es bitte jetzt. Die Zeit wird knapp.

Ich bezeuge, dass Gott lebt! Jesus ist der Messias. Seine Kirche und die Fülle seines Evangeliums wurden wiederhergestellt, um uns Freude zu schenken – in diesem und im künftigen Leben. Dies bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.