2010–2019
Sorgsam oder sorglos
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Sorgsam oder sorglos

Während die Einflüsse in der Welt immer mehr das Böse aufnehmen, müssen wir uns mit allem Eifer bemühen, unbeirrt dem Weg zu folgen, der uns sicher zu unserem Erretter führt

In einem Schaufenster sah ich einmal ein Schild mit der Aufschrift: „Glück, 15 Dollar“. Ich war so neugierig, wie viel Glück ich mir wohl für 15 Dollar kaufen konnte, dass ich in den Laden ging. Was ich dort sah, war eine Menge Billigschmuck und Andenken – gar nichts davon konnte mir die Art von Glück bringen, die das Schild andeutete. Im Laufe der Jahre habe ich oft an dieses Schild gedacht und daran, wie leicht es geschieht, dass man Glück in etwas Billigem oder Flüchtigem sucht. Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben wir die segensreiche Erkenntnis, wie und wo wahres Glück zu finden ist. Wir finden es, wenn wir sorgsam bedacht sind, das Evangelium zu leben, das unser Herr und Erretter Jesus Christus gelehrt hat, und uns bemühen, mehr wie er zu werden.

Wir haben einen guten Freund, der Lokführer war. Beim Befahren seiner Strecke sah er eines Tages auf den Gleisen vor sich ein Auto stehen. Er merkte schnell, dass das Auto festsaß und die Gleise nicht räumen konnte. Er zog sofort die Notbremse, sodass an allen Waggons die Bremsen ausgelöst wurden. Der Zug war jedoch über einen Kilometer lang und transportierte knapp 6000 Tonnen Fracht. Es war physikalisch unmöglich, den Zusammenstoß mit dem Auto zu verhindern, zu dem es dann auch kam. Zum Glück hatten die Insassen das Warnsignal des Zuges gehört und waren vor dem Aufprall aus dem Auto geflüchtet. Als der Lokführer mit dem Polizisten sprach, der den Unfall untersuchte, kam eine Frau auf sie zugestürmt. Sie rief empört, dass sie alles gesehen hatte, und bezeugte dann, dass der Lokführer nicht einmal versucht hatte, dem Auto auszuweichen!

Wenn der Lokführer hätte ausweichen und die Schienen verlassen können, um den Aufprall zu vermeiden, wäre er mit dem gesamten Zug entgleist und zu Schaden gekommen. Die Vorwärtsbewegung des Zuges wäre abrupt gestoppt worden. Zum Glück hielten die Schienen, auf denen der Zug fuhr, die Räder jedoch fest, sodass der Zug trotz des Hindernisses auf der Strecke sicher zum Ziel weiterfahren konnte. Zum Glück sind auch wir auf einem sicheren Weg, dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg, dem zu folgen wir uns bei der Taufe als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entschlossen haben. Und auch wenn wir gelegentlich auf Hindernisse treffen, führt uns dieser Weg voran zu unserem hehren Ziel in der Ewigkeit – wenn wir ihn fest entschlossen weitergehen.

Die Vision vom Baum des Lebens zeigt uns, inwiefern Sorglosigkeit dazu führen kann, dass wir den durch Bündnisse vorgezeichneten Weg verlassen. Die eiserne Stange und der enge und schmale Pfad, nämlich der durch Bündnisse vorgezeichnete Weg, führen direkt zum Baum des Lebens, wo für die Glaubenstreuen alle Segnungen bereitstehen, die unser Erretter und sein Sühnopfer bieten. In der Vision war auch ein Fluss zu sehen, der für den Schmutz der Welt steht. In der Schrift wird beschrieben, dass dieser Fluss am Pfad entlang verlief, jedoch nur „nahe“ am Baum vorbeiführte und nicht direkt zu ihm. Die Welt ist voller Ablenkungen, die selbst die Auserwählten täuschen und dazu verleiten können, mit ihren Bündnissen sorglos umzugehen. Dadurch werden sie in die Nähe des Baumes, aber nicht zu ihm geführt. Wenn wir nicht sorgsam darauf achten, unsere Bündnisse genau einzuhalten, führt unser sorgloser Umgang uns unter Umständen schließlich auf verbotene Pfade oder zu denen, die bereits das große und geräumige Gebäude betreten haben. Oder wir können gar in den Tiefen des schmutzigen Flusses ertrinken.1

Bei allem, was wir tun, können wir sorgsam oder sorglos sein – auch wenn es darum geht, das Evangelium zu leben. Wie steht es um unsere Hingabe an den Erretter – sind wir sorgsam oder sorglos? Da wir alle Menschen sind, rechtfertigen wir unser Verhalten nicht manchmal? Bezeichnen wir unsere Taten nicht zuweilen als im grauen Bereich und verbinden Gutes hin und wieder mit nicht so Gutem? Jedes Mal, wenn wir „aber“, „außer“ oder „allerdings“ einwenden, wenn es darum geht, auf einen Rat des Propheten oder eines Führers zu hören, sagen wir eigentlich, dass dieser Rat nicht für uns gilt. Wir können noch so viele Begründungen vorbringen, Tatsache ist und bleibt: Es gibt keine richtige Weise, das Falsche zu tun!

Der Leitgedanke für die Jugendlichen ist in diesem Jahr Johannes 14:15 entnommen. Dort weist uns der Herr an: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Wenn wir ihn lieben, wie wir es sagen, können wir diese Liebe dann nicht dadurch zeigen, dass wir etwas sorgsamer nach seinen Geboten leben?

Das Evangelium sorgsam leben heißt nicht, dass wir förmlich und steif sein müssen. Es heißt jedoch, dass unser Denken und Handeln für einen Jünger Jesu Christi angemessen sein soll. Wenn wir überlegen, inwieweit wir das Evangelium sorgsam oder sorglos leben, sollten wir diese Punkte bedenken:

Sind wir jede Woche sorgsam darauf bedacht, am Sabbat Gott zu verehren und uns auf das Abendmahl vorzubereiten?

Könnten wir bei unseren Gebeten und beim Schriftstudium sorgsamer sein oder den Leitfaden Komm und folge mir nach! – Für den Einzelnen und die Familie aktiver nutzen?

Sind wir sorgsam darauf bedacht, in den Tempel zu gehen, und halten wir sorgsam und bewusst die Bündnisse, die wir bei der Taufe und im Tempel eingegangen sind? Achten wir sorgsam auf ein gepflegtes Äußeres und anständige Kleidung, besonders an heiligen Stätten und zu heiligen Anlässen? Achten wir sorgsam darauf, wie wir das heilige Garment tragen? Oder verlangt die Mode einen eher leichtfertigen Umgang damit?

Sind wir sorgsam, wenn es darum geht, andere zu betreuen oder unsere Berufung zu erfüllen, oder nehmen wir unseren Auftrag zu dienen gleichgültig oder sorglos hin?

Entscheiden wir sorgsam oder sorglos, was wir lesen und was wir im Fernsehen und auf unseren Mobilgeräten anschauen? Wählen wir unsere Ausdrucksweise sorgsam? Oder lassen wir sorglos derbe und vulgäre Ausdrücke einfließen?

Die Maßstäbe in der Broschüre Für eine starke Jugend bringen, wenn wir sie sorgsam einhalten, großen Segen mit sich und helfen uns, auf dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg zu bleiben. Auch wenn die Broschüre für Jugendliche geschrieben wurde, verlieren die Maßstäbe nicht ihre Gültigkeit, wenn man nicht mehr zu den Jungen Männern oder Jungen Damen gehört. Sie gelten für jeden von uns, und zwar immer. Wenn wir sie uns noch einmal anschauen, sehen wir vielleicht weitere Möglichkeiten, wie wir das Evangelium sorgsamer leben können.

Wir senken unsere Maßstäbe nicht, um uns anzupassen oder jemandem in seiner Befindlichkeit entgegenzukommen. Wir sind Jünger Jesu Christi. Es geht uns darum, andere zu erheben und sie auf eine höhere, heiligere Ebene zu führen, damit auch sie größere Segnungen empfangen können.

Bemühen wir uns um die Führung des Heiligen Geistes, damit wir erkennen, was wir in unserem Leben ändern müssen, um unsere Bündnisse sorgsamer einzuhalten. Ich bitte Sie, andere nicht zu kritisieren, die genau wie Sie daran arbeiten. „Die Rechtsprechung ist mein, spricht der Herr.“2 Wir sind alle dabei, zu wachsen und Änderungen vorzunehmen.

Ich finde die Geschichte aus dem Buch Mormon über die abgefallenen Amlissiten interessant. Um für andere erkennbar zu machen, dass sie nicht länger zu Jesus Christus und seiner Kirche gehörten, malten sie sich ein deutlich sichtbares rotes Zeichen auf die Stirn.3 Wie machen wir im Gegensatz dazu erkennbar, dass wir Jünger Jesu Christi sind? Können andere in unserem Angesicht leicht sein Abbild erkennen? Erkennen sie durch unser sorgsam geführtes Leben, wen wir vertreten?

Als Bundesvolk sollen wir ja gar nicht wie der Rest der Welt sein. Wir wurden als besonderes Volk bezeichnet4 – welch ein Kompliment! Während die Einflüsse in der Welt immer mehr das Böse aufnehmen, müssen wir uns mit allem Eifer bemühen, unbeirrt dem Weg zu folgen, der uns sicher zu unserem Erretter führt. Dadurch wird der Unterschied zwischen unserer Lebensweise als Bundesvolk und den weltlichen Einflüssen immer größer.

Wenn ich darüber nachdenke, wie wir dauerhaftes Glück erlangen, wird mir bewusst, dass wir uns manchmal durchaus im grauen Bereich befinden. Nebel der Finsternis sind auch auf dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg unvermeidbar. Versuchung und Sorglosigkeit können uns fast unmerklich von diesem Weg abbringen und uns in die Finsternis der Welt führen. Für den Fall, dass das geschieht, hat uns unser Prophet, Präsident Russell M. Nelson, angehalten, wieder auf den durch Bündnisse vorgezeichneten Weg zurückzukehren, und zwar schnell. Wie dankbar bin ich doch für das Geschenk Umkehr und für die Macht des Sühnopfers unseres Erretters.

Es ist unmöglich, ein vollkommenes Leben zu führen. Nur ein Mensch war in der Lage, in seinem Leben auf diesem telestialen Planeten vollkommen zu sein. Das war Jesus Christus. Auch wenn wir nicht vollkommen sind, Brüder und Schwestern, können wir doch würdig sein: würdig, vom Abendmahl zu nehmen, würdig, die Segnungen des Tempels zu empfangen, und würdig, persönliche Offenbarung zu empfangen.

König Benjamin bezeugte, dass diejenigen, die dem Erretter sorgsam folgen, gesegnet und glücklich sein werden: „Und weiter wünschte ich, ihr würdet den gesegneten und glücklichen Zustand derjenigen betrachten, die die Gebote Gottes halten. Denn siehe, sie sind gesegnet in allem, sowohl zeitlich als auch geistig, und wenn sie bis ans Ende getreulich aushalten, werden sie in den Himmel aufgenommen, sodass sie dadurch mit Gott in einem Zustand nie endenden Glücks weilen.“5

Kann man Glück für 15 Dollar kaufen? Nein. Tief empfundenes, dauerhaftes Glück erlangt man, wenn man bewusst und sorgsam das Evangelium Jesu Christi lebt. Im Namen Jesu Christi. Amen.