2010–2019
    Tun Sie es jetzt
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    Tun Sie es jetzt

    Wenn es in Ihrem Leben noch etwas zu regeln gibt, tun Sie es jetzt.

    Als ich mich vor einigen Jahren auf eine Geschäftsreise vorbereitete, bekam ich Schmerzen in der Brust. Besorgt entschied sich meine Frau, mich zu begleiten. Auf der ersten Flugetappe wurde der Schmerz stärker und schließlich so schlimm, dass ich Atemnot bekam. Gleich nach der Landung fuhren wir direkt vom Flughafen zum örtlichen Krankenhaus, wo der diensthabende Arzt nach einer Reihe Untersuchungen erklärte, wir könnten unsere Reise gefahrlos fortsetzen.

    Wir kehrten zum Flughafen zurück und stiegen in ein Flugzeug, das uns an unser Ziel brachte. Als wir aussteigen wollten, rief der Pilot mich über die Sprechanlage aus – ich solle mich bitte melden. Ein Flugbegleiter kam auf mich zu und erklärte, soeben sei ein Notruf eingegangen. Ein Krankenwagen würde am Flughafen warten und mich ins Krankenhaus bringen.

    Wir stiegen in den Krankenwagen und wurden rasch zur örtlichen Notaufnahme gebracht. Dort warteten zwei besorgte Ärzte auf uns. Sie erklärten, dass eine Fehldiagnose gestellt worden sei. Tatsächlich habe ich eine schwere Lungenembolie, also ein Blutgerinnsel in der Lunge, und müsse sofort behandelt werden. Die Ärzte erklärten uns, dass viele Patienten an einem solchen Arterienverschluss sterben. Ihnen war klar, dass wir weit weg von zuhause und wahrscheinlich nicht auf ein solch einschneidendes Ereignis vorbereitet waren. Also sagten die Ärzte: „Wenn es in Ihrem Leben noch etwas zu regeln gibt, tun Sie es jetzt.“

    Ich weiß noch gut, wie sich in diesem angstvollen Moment meine gesamte Sichtweise fast augenblicklich änderte. Was kurz zuvor noch so wichtig schien, war plötzlich belanglos. Mein Sinn wandte sich von den weltlichen Sorgen ab und ich betrachtete alles aus einer ewigen Perspektive: meine Familie, meine Kinder, meine Frau und letztendlich, was ich aus meinem Leben gemacht hatte.

    Wo standen wir als Familie und wo stand jeder Einzelne von uns? Lebten wir unser Leben im Einklang mit den Bündnissen, die wir geschlossen hatten, und dem, was der Herr erwartet? Oder hatten wir vielleicht versehentlich zugelassen, dass die Sorgen der Welt uns von dem ablenkten, was am wichtigsten ist?

    Bitte denken Sie über die wichtige Lektion nach, die ich aus diesem Erlebnis gelernt habe: Wir müssen unser Augenmerk von der Welt abwenden und unser Leben in Augenschein nehmen. Oder wie die Ärzte mir sagten: Wenn es in Ihrem Leben noch etwas zu regeln gibt, tun Sie es jetzt.

    Unser Leben in Augenschein nehmen

    In unserer Welt herrscht ein Informationsüberfluss. Es gibt mehr und mehr Ablenkungen, und es wird immer schwerer, im Trubel des Lebens den Weg zu finden und den Blick auf das zu richten, was von ewigem Wert ist. Täglich werden wir durch die sich rasant ändernde Technik mit Schlagzeilen bombardiert, die nach Aufmerksamkeit heischen.

    Wenn wir uns zum Nachsinnen keine Zeit nehmen, bemerken wir vielleicht nicht einmal, wie sehr diese schnelllebige Umwelt unseren Alltag und unsere Entscheidungen beeinflusst. Unser Leben besteht womöglich nur noch aus einer Flut von Informationen in Form von Memes, Videos und grellen Schlagzeilen. Manches davon mag interessant und unterhaltend sein, doch das meiste hat kaum etwas mit unserem ewigen Fortschritt zu tun. Dennoch prägt es die Art und Weise, wie wir unser irdisches Leben sehen.

    Diese weltlichen Ablenkungen gleichen denen in Lehis Traum. Während wir auf dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg voranschreiten und mit der Hand die eiserne Stange fest umfassen, hören und sehen wir diejenigen, die im großen geräumigen Gebäude über uns spotten und mit den Fingern auf uns zeigen (siehe 1 Nephi 8:27). Wir wollen es eigentlich nicht, aber hie und da halten wir inne und unser Blick schweift ab, weil wir doch wissen wollen, was in dem Gebäude so los ist. Manche von uns lassen vielleicht sogar die eiserne Stange los und gehen ein paar Schritte näher, um besser sehen zu können. Andere verlassen den Weg womöglich ganz, weil sie verspottet werden (siehe 1 Nephi 8:28).

    Der Erretter warnte uns: „Nehmt euch in Acht, dass … die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren.“ (Lukas 21:34.) Durch neuzeitliche Offenbarung wissen wir, dass viele berufen sind, aber wenige erwählt werden. Sie werden nicht erwählt, „weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben“ (Lehre und Bündnisse 121:35; siehe auch Vers 34). Wenn wir unser Leben in Augenschein nehmen, ist das eine Chance, das Augenmerk von der Welt abzuwenden und zu überlegen, wo wir auf dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg sind und ob eine Korrektur nötig ist, um sicherzustellen, dass wir uns an der eisernen Stange festhalten und den Blick nach vorne richten.

    Vor kurzem hat Präsident Russell M. Nelson eine Andacht für Jugendliche in aller Welt abgehalten. Bei diesem Anlass forderte er die jungen Leute auf, ihr Augenmerk von der Welt abzuwenden und sieben Tage lang auf soziale Medien zu verzichten. Und gerade erst gestern Abend hat er bei der Allgemeinen Schwesternversammlung eine ähnliche Aufforderung an die Schwestern gerichtet. Die Jugendlichen sollten dann darauf achten, ob sie Veränderungen darin feststellen, wie sie sich fühlen, woran sie denken und sogar wie sie denken. Präsident Nelson forderte die Jugendlichen dann auf: „[Stellt] gemeinsam mit dem Herrn … euer Leben auf den Prüfstand[,] um sicherzustellen, dass ihr euch in jeder Hinsicht auf dem durch Bündnisse vorgezeichneten Weg befindet.“ Er sprach ihnen Mut zu, falls sie etwas in ihrem Leben ändern müssen, und sagte: „Heute [ist] der ideale Zeitpunkt, sich zu ändern.“1

    Wenn wir prüfen, was wir in unserem Leben ändern müssen, stellen wir uns vielleicht diese praktische Frage: Wie können wir uns über die Ablenkungen dieser Welt erheben und die vor uns liegende Ewigkeit fest im Blick behalten?

    2007 hat Präsident Dallin H. Oaks eine Generalkonferenzansprache mit dem Titel „Gut, besser, am besten“ gehalten. Darin erklärte er, wie wir angesichts der vielen gegensätzlichen Anforderungen des Lebens Prioritäten setzen können. Er gab den Rat: „Wir müssen einiges, was gut ist, aufgeben, um etwas anderes zu wählen, was besser oder am besten ist, weil wir dadurch Glauben an den Herrn Jesus Christus entwickeln und unsere Familie stärken.“2

    Ich glaube, das Beste im Leben ist auf Jesus Christus ausgerichtet und darauf, dass wir ewige Wahrheiten begreifen wie die, wer er ist und in welcher Beziehung wir zu ihm stehen.

    Nach Wahrheit streben

    Bei unserem Streben, den Erretter zu erkennen, dürfen wir die grundlegende Wahrheit, wer wir sind und warum wir hier sind, nicht außer Acht lassen. Amulek erinnert uns daran, dass dieses Leben die Zeit ist, sich vorzubereiten, Gott zu begegnen, die Zeit, die „uns gegeben ist, damit wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten“ (Alma 34:32,33). Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Wir sind keine menschlichen Wesen, die geistige Erfahrungen machen. Wir sind geistige Wesen, die menschliche Erfahrungen machen.“3

    Für unseren ewigen Fortschritt ist es unabdingbar, dass wir unsere göttliche Herkunft begreifen. Das kann uns von den Ablenkungen im Erdenleben befreien. Der Erretter hat erklärt:

    „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.

    Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Johannes 8:31,32.)

    Präsident Joseph F. Smith hat verkündet: „Die größte Leistung, die die Menschen in dieser Welt vollbringen können, besteht darin, dass sie sich mit göttlicher Wahrheit vertraut machen, und zwar so gründlich, so vollkommen, dass das Beispiel oder Verhalten keines Wesens in der Welt sie jemals von der erlangten Erkenntnis abbringen kann.“4

    In der heutigen Welt tobt ein hitziger Streit um Wahrheit. Jede Seite beansprucht sie für sich, als sei Wahrheit etwas Relatives und könne frei interpretiert werden. Der junge Joseph Smith berichtete: „So groß waren die Verwirrung und der Streit“ zu seinen Lebzeiten, „dass es … gar nicht möglich war, mit Sicherheit zu entscheiden, wer nun Recht und wer Unrecht hatte“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:8). „Inmitten dieses Wortkriegs und Tumults der Meinungen“ suchte er göttliche Führung, indem er nach Wahrheit suchte (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:10).

    Bei der Frühjahrskonferenz erklärte Präsident Nelson: „Wenn wir die geringste Hoffnung haben wollen, diese Unzahl von Stimmen und menschlichen Philosophien, die die Wahrheit bekämpfen, zu prüfen, müssen wir lernen, Offenbarung zu empfangen.“5 Wir müssen lernen, uns auf den Geist der Wahrheit zu verlassen, „den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt“ (Johannes 14:17).

    In einer Welt, in der man sich immer mehr eine auf verzerrter Wahrheit beruhende Realität schafft, müssen wir uns die Worte Jakobs in Erinnerung rufen: „Der Geist spricht die Wahrheit und lügt nicht. Darum spricht er von Dingen, wie sie wirklich sind, und von Dingen, wie sie wirklich sein werden; darum werden uns diese Dinge klar kundgetan zur Errettung unserer Seele.“ (Jakob 4:13.)

    Wenn wir unser Augenmerk von der Welt abwenden und unser Leben in Augenschein nehmen, dann ist jetzt die Zeit, darüber nachzudenken, was wir ändern müssen. Wir können große Hoffnung aus dem Wissen schöpfen, dass unser Vorbild Jesus Christus uns auch hierbei den Weg gewiesen hat. Vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er sich mühte, seinen Jüngern seine göttliche Rolle begreiflich zu machen, erinnerte er sie daran, dass sie in ihm Frieden haben können. „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Johannes 16:33.) Ich gebe für den Erretter Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen.