2010–2017
    Warum heiraten? Warum eine Familie gründen?
    Heruntergeladene Inhalte
    Diese Seite (MP3) Ganzes Buch (PDF)
    Fußnoten
    Farbschema

    Warum heiraten? Warum eine Familie gründen?

    Eine Familie, die auf die Ehe zwischen Mann und Frau gegründet ist, bildet den besten Rahmen, in dem Gottes Plan gedeihen kann.

    Über dem Westportal der berühmten Abtei von Westminster in London stehen Statuen von zehn christlichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts. Unter diesen befindet sich auch der hervorragende deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer, der 1906 geboren wurde.1 Bonhoeffer sprach sich öffentlich gegen die Diktatur der Nazis und deren Behandlung von Juden und anderen aus. Wegen seines aktiven Widerstands wurde er inhaftiert und schließlich in einem Konzentrationslager hingerichtet. Bonhoeffer war ein produktiver Autor. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Briefe, die wohlmeinende Wärter für ihn aus dem Gefängnis schmuggelten. Sie wurden später unter dem Titel Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft veröffentlicht.

    Einen dieser Briefe schrieb er seiner Nichte vor deren Hochzeit. Darin sind diese bedeutenden Einblicke enthalten: „Ehe ist mehr als eure Liebe zueinander. … In eurer Liebe seht ihr euch beide nur allein auf der Welt, in der Ehe seid ihr ein Glied in der Kette der Geschlechter, die Gott zu seiner Ehre kommen und vergehen lässt und zu seinem Reich ruft; in eurer Liebe seht ihr nur den Himmel eures eigenen Glückes, durch die Ehe seid ihr verantwortlich in die Welt und die Verantwortung der Menschen hineingestellt; eure Liebe gehört euch allein und persönlich, die Ehe ist etwas Überpersönliches, sie ist ein Stand, ein Amt. Wie die Krone den König macht und nicht schon der Wille zu herrschen, so macht die Ehe und nicht schon eure Liebe zueinander euch zu einem Paar vor Gott und vor den Menschen. … So kommt die Liebe aus euch, die Ehe von oben, von Gott.“2

    Inwiefern geht die Ehe zwischen Mann und Frau über ihre gegenseitige Liebe und ihr eigenes Glück hinaus und stellt sie „verantwortlich in die Welt und die Verantwortung der Menschen“ hinein? Inwiefern kommt sie „von oben, von Gott“? Um das zu verstehen, müssen wir zum Anfang zurückkehren.

    Propheten haben uns offenbart, dass wir zuerst als Intelligenzen existierten und dass Gott uns Gestalt, oder einen Geistkörper, verlieh. Dadurch wurden wir seine Geistkinder – Söhne und Töchter himmlischer Eltern.3 Unser Vater im Himmel wünschte sich, dass wir „einen ebensolchen Fortschritt“4 machen konnten wie er. Daher erstellte er irgendwann im vorirdischen Dasein der Geister einen Plan, wie wir weiter Fortschritt machen konnten. In den heiligen Schriften werden diesem Plan verschiedene Namen gegeben, wie etwa „Plan der Errettung“5, der große „Plan des Glücklichseins“6 und „Plan der Erlösung“7. Die beiden wichtigsten Ziele des Plans wurden Abraham folgendermaßen erklärt:

    „Und da stand einer unter ihnen, der war wie Gott, und er sprach zu denen, die bei ihm waren: Wir wollen hinabgehen, denn dort gibt es Raum, und wir wollen von diesen Stoffen nehmen, und wir wollen eine Erde machen, worauf diese [Geister] wohnen können;

    und wir wollen sie hierdurch prüfen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet;

    und diejenigen, die sich ihren ersten Stand bewahren, werden hinzugefügt bekommen; … und diejenigen, die sich ihren zweiten Stand bewahren, werden Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer.“8

    Dank unserem Vater im Himmel waren wir bereits Geistwesen. Nun bot er uns einen Weg, wie wir unser Wesen vervollständigen oder vervollkommnen konnten. Die Beigabe des Physischen ist für die Fülle der Existenz und der Herrlichkeit, wie Gott sie besitzt, unentbehrlich. Sofern wir in der vorirdischen Geisterwelt bei Gott bereit waren, uns an seinem Plan zu beteiligen – oder anders gesagt, uns unseren „ersten Stand [zu] bewahren“ – sollten wir „hinzugefügt bekommen“, indem wir einen physischen Körper erhielten, sobald wir auf die Erde kamen, die er für uns erschaffen hatte.

    Entschieden wir uns dann im Erdenleben dafür, „alles [zu tun], was auch immer der Herr, [unser Gott, uns gebot]“, sollten wir uns unseren „zweiten Stand“ bewahren. Das bedeutet, dass wir Gott (und uns selbst) durch unsere Entscheidungen beweisen würden, dass wir dazu entschlossen und fähig sind, nach seinem celestialen Gesetz zu leben, während wir von ihm getrennt sind und über einen physischen Körper mit all den damit verbundenen Fähigkeiten, Begierden und Leidenschaften verfügen. Würden wir unseren Körper im Zaum halten können, sodass er zum Werkzeug des Geistes wird, anstatt ihn zu beherrschen? Könnten uns göttliche Mächte wie die Fähigkeit, Leben zu schaffen, jetzt und in Ewigkeit anvertraut werden? Würde es uns gelingen, Böses zu überwinden? All diejenigen, die dies schafften, würden „Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer“ – und ein äußerst wichtiger Aspekt dieser Herrlichkeit sollte ein auferstandener, unsterblicher und verherrlichter physischer Körper sein.9 Es ist nicht verwunderlich, dass wir angesichts dieser großartigen Möglichkeiten und Verheißungen „jubelten“10.

    Mindestens vier Voraussetzungen mussten erfüllt werden, damit dieser göttliche Plan gelingen konnte:

    Zuerst kam die Erschaffung der Erde als unsere Wohnstätte. Auch wenn uns der genaue Ablauf dieser Erschaffung nicht bekannt ist, wissen wir doch, dass sie kein Zufall war, sondern von Gottvater geleitet und von Jesus Christus ausgeführt wurde. „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“11

    Als Zweites kam der Zustand der Sterblichkeit. Adam und Eva handelten im Namen all derer, die beschlossen hatten, an des Vaters großem Plan des Glücklichseins teilzunehmen.12 Durch den Fall wurden die Bedingungen geschaffen, die für unsere Geburt und für unser Erdenleben und unseren Fortschritt außerhalb der Gegenwart Gottes notwendig waren. Mit dem Fall kam auch die Erkenntnis von Gut und Böse und die gottgegebene Fähigkeit, sich zu entscheiden.13 Mit dem Fall wurde ebenfalls der physische Tod herbeigeführt, der notwendig war, um unsere Zeit auf der Erde zu begrenzen, damit wir nicht für immer in unseren Sünden leben mussten.14

    Als Drittes kam die Erlösung vom Fall. Wir erkennen, welche Rolle der Tod im Plan des himmlischen Vaters spielt. Doch dieser Plan wäre nichtig, wenn der Tod – sowohl der zeitliche als auch der geistige – nicht letzten Endes irgendwie überwunden werden könnte. Deshalb gab es einen Erlöser, den einziggezeugten Sohn Gottes, Jesus Christus. Er litt und starb, um für Adams und Evas Übertretung zu sühnen, und brachte dadurch die Auferstehung und Unsterblichkeit für alle Menschen zustande. Da keiner von uns das Gesetz des Evangeliums vollkommen und beständig befolgt, errettet uns sein Sühnopfer auch von unseren eigenen Sünden, unter der Bedingung, dass wir umkehren. Weil die sühnende Gnade des Erlösers Vergebung für unsere Sünden und die Heiligung der Seele bewirkt, können wir geistig von neuem geboren und mit Gott versöhnt werden. Unser geistiger Tod – unsere Trennung von Gott – wird enden.15

    Als Viertes und Letztes kamen die Rahmenbedingungen für unsere physische Geburt und spätere geistige Wiedergeburt im Reich Gottes. Damit sein Werk gelingen konnte und „auch [wir] erhöht werden [konnten] wie er“16, legte Gott fest, dass Männer und Frauen heiraten und Kinder zur Welt bringen sollten. Dadurch sollten sie, in Zusammenarbeit mit Gott, die physischen Körper erschaffen, die der Schlüssel zur Prüfung auf Erden und die Voraussetzung für die ewige Herrlichkeit mit Gott sind. Er legte auch fest, dass Eltern eine Familie gründen und ihre Kinder in Licht und Wahrheit aufziehen sollten,17 wodurch diese Hoffnung auf Christus erlangen würden. Der Vater gebietet uns:

    „[Lehre] dies alles deine Kinder frei und offen …, nämlich:

    [Da] ihr durch Wasser und Blut und den Geist, den ich gemacht habe, in die Welt geboren wurdet und so aus Staub zu einer lebenden Seele geworden seid, so müsst ihr von neuem in das Himmelreich geboren werden, nämlich aus Wasser und aus dem [Heiligen] Geist, und müsst durch Blut gesäubert werden, nämlich das Blut meines Einziggezeugten, damit ihr von aller Sünde geheiligt werdet und euch erfreuen könnt an den Worten des ewigen Lebens in dieser Welt und an ewigem Leben in der künftigen Welt, ja, an unsterblicher Herrlichkeit.“18

    Wenn wir wissen, warum wir die Gegenwart unseres himmlischen Vaters verlassen haben und was wir tun müssen, um zu ihm zurückzukehren und erhöht zu werden, liegt es auf der Hand, dass es im Zusammenhang mit unserem Erdenleben nichts Wichtigeres gibt als die physische Geburt und die geistige Wiedergeburt, die beiden Voraussetzungen für das ewige Leben. Darin besteht, wie Dietrich Bonhoeffer sich ausdrückt, das „Amt“ der Ehe, „die Verantwortung der Menschen“, die diese „von oben, von Gott“ kommende Einrichtung darstellt. Sie ist das „Glied in der Kette der Geschlechter“, die Ordnung des Himmels, sowohl hier als auch im nächsten Leben.

    Eine Familie, die auf die Ehe zwischen Mann und Frau gegründet ist, bildet den besten Rahmen, in dem Gottes Plan gelingen kann – den Rahmen, in dem Kinder geboren werden können, die rein und unschuldig von Gott kommen, und das Umfeld, in dem sie lernen, was sie für ein erfolgreiches Erdenleben und im ewigen Leben in der künftigen Welt brauchen, und sich darauf vorbereiten. Eine Mindestzahl an Familien, die auf solch eine Ehe gegründet sind, ist unabdingbar, damit die Gesellschaft überleben und gedeihen kann. Deshalb befürworten und schützen Länder und Völker im Allgemeinen Ehe und Familie als privilegierte Einrichtungen. Niemals geht es nur um die Liebe und das Glück der Erwachsenen.

    Die sozialwissenschaftlichen Argumente für Ehen und Familien, in denen ein Mann und eine Frau miteinander verheiratet sind, sind überzeugend.19 Deshalb „warnen wir davor, dass der Zerfall der Familie über die Menschen, Länder und Völker das Unheil bringen wird, das in alter und neuer Zeit von den Propheten vorhergesagt worden ist.“20 Doch unsere Ansprüche, was die Rolle von Ehe und Familie betrifft, stützen sich nicht auf die Sozialwissenschaft, sondern auf die Tatsache, dass sie von Gott eingerichtet wurden. Er war es, der am Anfang Adam und Eva als sein Abbild schuf, als Mann und Frau, und sie dann als Ehemann und Ehefrau zusammenführte, damit sie „ein Fleisch“ wurden und sich vermehrten und die Erde bevölkerten.21 Jeder Mensch trägt das Abbild Gottes in sich, doch nur im Bund der Ehe als Vereinigung von Mann und Frau können wir das, was es heißt, als Abbild Gottes erschaffen zu sein, vielleicht am vollständigsten erreichen – als Mann und Frau. Weder wir noch irgendein anderer Mensch kann diese gottgegebene Ordnung der Ehe ändern. Sie ist keine Erfindung von Menschen. Diese Ehe kommt tatsächlich „von oben, von Gott“ und gehört genauso sehr zum Plan des Glücklichseins wie der Fall und das Sühnopfer.

    In der vorirdischen Welt lehnte sich der Satan gegen Gott und dessen Plan auf, und sein Widerstand wird immer heftiger. Er kämpft dagegen an, dass Ehen geschlossen und Familien gegründet werden. Wo Ehe und Familie bereits bestehen, lässt er nichts unversucht, um diese zu zerstören. Er greift alles an, was an der Sexualität des Menschen heilig ist, und entreißt sie dem Kontext der Ehe mit einem anscheinend endlosen Aufgebot an unsittlichen Gedanken und Handlungen. Er versucht, Männer und Frauen davon zu überzeugen, dass die Prioritäten, die Ehe und Familie betreffen, ignoriert, aufgegeben oder zumindest der Karriere, anderen Errungenschaften und dem Streben nach Selbstverwirklichung und persönlicher Unabhängigkeit untergeordnet werden können. Zweifellos gefällt es dem Widersacher, wenn Eltern versäumen, ihre Kinder dazu anzuhalten, Glauben an Christus zu haben, sich zu bekehren und geistig von neuem geboren zu werden. Brüder und Schwestern, vieles ist gut, vieles ist wichtig, aber nur weniges ist unverzichtbar.

    Wenn wir die grundlegenden Wahrheiten in Bezug auf Ehe und Familie verkünden, wollen wir damit nicht über die Opfer und Erfolge derjenigen, die dieses Ideal gegenwärtig nicht verwirklicht haben, hinwegsehen oder diese abwerten. Manchen von Ihnen bleibt die Segnung der Ehe aus verschiedenen Gründen verwehrt, wie etwa aus Mangel an geeigneten Partnern, gleichgeschlechtlichen Neigungen, körperlichen oder geistigen Einschränkungen oder schlicht einer Versagensangst, die zumindest im Augenblick den Glauben überlagert. Vielleicht waren Sie einmal verheiratet, doch dies ist nun vorbei, und Sie müssen alleine bewältigen, was zwei gemeinsam kaum schaffen. Manche von Ihnen sind verheiratet, können jedoch keine Kinder bekommen, obwohl Sie es sich sehnlichst wünschen und darum flehen.

    Trotz alledem hat jeder Gaben, hat jeder Talente, kann jeder zur Entfaltung des göttlichen Plans in jeder Generation beitragen. Viel Gutes, viele entscheidende Dinge – manchmal sogar alles, was im Moment notwendig ist – können in weniger idealen Lebensumständen erreicht werden. Sehr viele von Ihnen geben Ihr Allerbestes. Wenn Sie, die Sie die schwersten Lasten des Erdenlebens zu tragen haben, Gottes Plan zur Erhöhung seiner Kinder verteidigen, stehen wir alle voll hinter Ihnen. Mit Zuversicht bezeugen wir, dass im Sühnopfer Jesu Christi alle Entbehrungen und Verluste derjenigen, die zu ihm kommen, vorweggenommen wurden und letztendlich wiedergutgemacht werden. Niemand ist von vornherein dazu bestimmt, nur einen Bruchteil von dem zu empfangen, was der Vater für seine Kinder bereithält.

    Eine junge Mutter vertraute mir vor kurzem ihre Sorge an, dass sie für diese höchste aller Berufungen unzulänglich sei. Ich war der Ansicht, dass das, was sie beunruhigte, geringfügig war und sie sich keine Sorgen machen musste; sie machte ihre Sache gut. Doch ich wusste, dass es ihr nur darauf ankam, es Gott recht zu machen und sich seines Vertrauens würdig zu erweisen. Ich redete ihr beruhigend zu und betete innerlich, dass Gott, ihr himmlischer Vater, sie mit seiner Liebe und einem Zeichen seiner Anerkennung aufrichten möge, während sie sein Werk tut.

    Das ist mein Gebet für uns alle heute. Möge jeder von uns in seinen Augen Anerkennung finden. Mögen unsere Ehen und Familien gedeihen. Ob wir nun die Fülle dieser Segnungen auf der Erde empfangen oder nicht, möge die Gnade des Herrn uns jetzt glücklich machen und uns Glauben an sichere, künftige Verheißungen bringen. Im Namen Jesu Christi. Amen.