2010–2017
    Unser Zuhause mit Licht und Wahrheit erfüllen
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    Unser Zuhause mit Licht und Wahrheit erfüllen

    Wenn wir und unsere Familie dem Druck der Welt standhalten wollen, müssen wir von Licht und Evangeliumswahrheit erfüllt sein.

    Mein Herz ist mit dem Geist erfüllt worden, als ich diesen Familien dabei zugehört habe, wie sie die heilige Wahrheit vermittelt haben: „Die Familie ist von Gott.“1 Inspirierende Musik ist nur eine der vielen Möglichkeiten, wie wir die Einflüsterungen des Geistes spüren und mit Licht und Wahrheit erfüllt werden können.

    General Women's Session April 2015

    Der Gedanke, von Licht und Wahrheit erfüllt zu sein, ist mir durch ein Erlebnis besonders wichtig geworden, das ich vor vielen Jahren hatte. Ich nahm an einer Versammlung teil, in der Mitglieder des Hauptausschusses der Jungen Damen darüber sprachen, wie man eine Familie und ein Zuhause schaffen kann, die geistig stark sind. Um dies zu veranschaulichen, hielt eine Führungsbeamtin der Jungen Damen zwei Getränkedosen hoch. In einer Hand hielt sie eine leere Dose und in der anderen eine, die noch voll und nicht geöffnet war. Zuerst drückte sie die leere Dose zusammen. Diese fing an, sich zu biegen, und knickte dann unter dem Druck ein. Dann drückte sie mit ihrer anderen Hand die ungeöffnete Dose zusammen. Diese hielt stand. Sie bog sich nicht wie die leere Dose und knickte nicht ein – weil sie voll war.

    Wir haben diese Demonstration mit unserem Leben, unserem Zuhause und unserer Familie verglichen. Wenn wir vom Geist und von Evangeliumswahrheit erfüllt sind, haben wir die Kraft, den Mächten der Welt, die uns umgeben und Druck auf uns ausüben, zu widerstehen. Wenn wir jedoch nicht mit Geistigem erfüllt sind, haben wir nicht die innere Kraft, dem Druck von außen standzuhalten. Dann kann es sein, dass wir einknicken, wenn Druck auf uns ausgeübt wird.

    Der Satan weiß: Wenn wir und unsere Familie dem Druck der Welt standhalten wollen, müssen wir von Licht und Evangeliumswahrheit erfüllt sein. Er tut also alles in seiner Macht Stehende, um diese Wahrheit zu verwässern, zu verzerren und zu zerstören und uns von ihr fernzuhalten.

    Viele von uns haben sich taufen lassen und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, dessen Aufgabe es ist, uns von allem wissen zu lassen, ob es wahr ist.2 Mit dem Anrecht auf diese Gabe geht auch die Pflicht einher, nach Wahrheit zu suchen, gemäß der Wahrheit, die wir kennen, zu leben, mit anderen darüber zu sprechen und sie zu verteidigen.

    Ein Ort, wo wir ausgezeichnet danach streben können, von Licht und Wahrheit erfüllt zu werden, ist unser eigenes Zuhause. Die Worte im Refrain des Liedes, das wir gehört haben, erinnern uns daran: „Gott gab uns Familien, damit wir einst so werden können wie er.“3 Die Familie ist die Schule des Herrn auf Erden. Dort können wir das Evangelium lernen und danach leben. Wir kommen mit der heiligen Pflicht in unsere Familie, einander geistig zu stärken.

    Eine starke ewige Familie und ein vom Geist erfülltes Zuhause entstehen nicht von selbst. Sie erfordern große Mühe und Zeit, und jedes Familienmitglied muss seinen Teil dazu beitragen. Jede Familie ist anders, aber jede Familie, in der auch nur einer nach Wahrheit strebt, kann etwas erreichen.

    Uns wird immer wieder geraten, unser geistiges Wissen zu vertiefen, indem wir beten und die heiligen Schriften sowie die Worte der lebenden Propheten studieren und darüber nachdenken. In seiner Generalkonferenzansprache darüber, wie man ein Zeugnis von Licht und Wahrheit erlangt, erklärte Präsident Dieter F. Uchtdorf:

    „Der immerwährende und allmächtige Gott … spricht zu denen, die sich ihm aufrichtigen Herzens und mit wirklichem Vorsatz nähern.

    Er spricht zu ihnen durch Träume, Visionen, Gedanken und Gefühle.“

    Präsident Uchtdorf sagte weiter: „Sie sind Gott wichtig. Er hört zu und er gibt Antwort, wenn Sie Fragen haben. Die Antworten auf Ihre Gebete kommen auf seine eigene Weise und zu seiner eigenen Zeit. Daher müssen Sie lernen, wie man seine Stimme vernimmt.“4

    Eine kurze Begebenheit aus meiner Familiengeschichte veranschaulicht diesen Rat.

    Vor einigen Monaten habe ich das Zeugnis von Elizabeth Staheli Walker, der Schwester meines Urgroßvaters, gelesen. Elizabeth wanderte als Kind mit ihrer Familie aus der Schweiz nach Amerika aus.

    Nach ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in Utah nahe der Grenze zu Nevada, wo sie ein Postamt betrieben. Ihr Zuhause war eine Anlaufstelle für Reisende. Sie mussten Tag und Nacht bereit sein, für Reisende zu kochen und Essen zu servieren. Es war eine schwere, anstrengende Arbeit, und sie hatten wenig Ruhe. Aber was Elizabeth am meisten zu denken gab, waren die Gespräche der Menschen, mit denen sie Umgang hatten.

    Elizabeth erklärt, sie habe es bis zu dem Zeitpunkt immer für selbstverständlich gehalten, dass das Buch Mormon wahr ist, dass der Prophet Joseph Smith von Gott Vollmacht erhalten hatte, das zu tun, was er getan hatte, und dass seine Botschaft der Plan des Lebens und der Erlösung war. Aber das, was sie erlebte, hat diesen Glauben alles andere als gestärkt.

    Einige der Reisenden, die anhielten, waren belesene, gebildete und intelligente Männer, und sie redeten am Tisch stets darüber, dass Joseph Smith „ein gerissener Betrüger“ wäre, der das Buch Mormon selbst geschrieben und es dann verkauft hätte, um Geld zu verdienen. Sie taten so, als sei es absurd, etwas anderes zu glauben, und behaupteten, das „Mormonentum sei Unsinn“.

    Durch all dieses Gerede fühlte Elizabeth sich ausgegrenzt und einsam. Sie hatte niemanden, mit dem sie reden konnte, und sie hatte nicht einmal Zeit zu beten – obgleich sie dies während der Arbeit tat. Sie hatte viel zu viel Angst, denen, die ihre Religion verspotteten, etwas zu sagen. Sie meint, sie habe nicht gewusst, ob sie nicht vielleicht die Wahrheit sagten, und habe das Gefühl gehabt, sie könne ihren Glauben nicht verteidigen, wenn sie es versuchen würde.

    General Women's Session April 2015

    Später zogen Elizabeth und ihre Familie um. Elizabeth berichtet, sie habe mehr Zeit zum Nachdenken gehabt und sei nicht ständig so abgelenkt gewesen. Sie ging oft in den Keller hinunter und betete zum Vater im Himmel über das, was sie beunruhigte – darüber, dass diese scheinbar intelligenten Männer behauptet hatten, dass das Evangelium Unsinn sei, und über das, was sie über Joseph Smith und das Buch Mormon gesagt hatten.

    Eines Nachts hatte Elizabeth einen Traum. Sie erzählt: „Ich schien am Rande eines schmalen Fuhrwegs zu stehen, der am Fuße eines niedrigen Hügels entlang verlief. Auf halber Höhe sah ich einen Mann, der hinabschaute und mit einem jungen Mann redete oder zu reden schien, der kniete und sich über ein Loch in der Erde neigte. Seine Arme waren ausgestreckt und es sah aus, als ob er etwas aus dem Loch holte. Ich konnte den steinernen Deckel sehen, der anscheinend von dem Loch entfernt worden war, über das sich der Junge beugte. Auf der Straße waren viele Menschen, aber keiner von ihnen schien auch nur im Geringsten an den zwei Männern am Hang interessiert zu sein. Eines kam mit dem Traum einher, das mir so seltsam erschien, dass ich gleich aufwachte; … ich konnte meinen Traum niemandem erzählen, aber ich nahm wohl an, dass es darum ging, wie der Engel Moroni den jungen Joseph Smith unterwies, als er die Platten erhielt.“

    Im Frühjahr 1893 reiste Elizabeth anlässlich der Weihung des Tempels nach Salt Lake City. Sie beschrieb ihr Erlebnis folgendermaßen: „Im Tempel sah ich das gleiche Bild, das ich in meinem Traum gesehen hatte; ich glaube, es war ein Buntglasfenster. Ich nehme an, wenn ich den Hügel Cumorah vor mir sehen würde, könnte er nicht echter aussehen. Ich nehme an, dass mir in einem Traum ein Bild des Engels Moroni gezeigt wurde, wie er Joseph Smith die goldenen Platten gab.“

    General Women's Session April 2015

    Viele Jahre nach diesem Traum und mehrere Monate bevor sie im Alter von fast 88 Jahren starb, erhielt Elizabeth eine machtvolle Eingebung. Sie erklärte: „Mir kam ganz deutlich der Gedanke … als ob mir jemand sagen würde: … ‚Vergrabe dein Zeugnis nicht in der Erde.‘“5

    Generationen später schöpfen Elizabeths Nachkommen noch immer Kraft aus ihrem Zeugnis. Wie Elizabeth leben auch wir in einer Welt, in der viele Zweifler und Kritiker die Wahrheiten, die uns am Herzen liegen, ablehnen und ins Lächerliche ziehen. Vielleicht hören wir verwirrende Geschichten und widersprüchliche Botschaften. Und wie Elizabeth müssen wir unser Bestes tun, um an allem Licht und aller Wahrheit festzuhalten, die wir im Augenblick haben, besonders in schwierigen Umständen. Die Antworten auf unsere Gebete mögen nicht auf dramatische Weise kommen, aber wir müssen stille Momente finden, in denen wir uns um mehr Licht und Wahrheit bemühen. Und wenn wir sie erhalten, ist es unsere Pflicht, danach zu leben, darüber zu sprechen und sie zu verteidigen.

    Ich gebe Ihnen mein Zeugnis, dass ich weiß: Wenn wir unser Herz und unser Zuhause mit dem Licht und der Wahrheit des Heilands erfüllen, haben wir die innere Kraft, in jeder Situation standhaft zu sein. Im Namen Jesu Christi. Amen.

    Am 4. April 2015 wurde Schwester Esplin als Zweite Ratgeberin in der Präsidentschaft der Primarvereinigung entlassen und als Erste Ratgeberin bestätigt.