2010–2017
    Ist es noch immer wunderbar für Sie?
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    Ist es noch immer wunderbar für Sie?

    Über die Wunder des Evangeliums zu staunen, ist ein Zeichen des Glaubens. Wir erkennen die Hand des Herrn in unserem Leben und in allem, was uns umgibt, an.

    Meine Frau und ich hatten die große Freude, unsere fünf Kinder in der Nähe der prachtvollen Stadt Paris aufzuziehen. In diesen Jahren wollten wir ihnen viele Möglichkeiten bieten, das Wunderbare in dieser Welt zu entdecken. Jeden Sommer nahm unsere Familie lange Reisen auf sich, um die bedeutendsten Denkmäler, historischen Stätten und Naturwunder in Europa zu besichtigen. Nachdem wir 22 Jahre in der Gegend um Paris verbracht hatten, bereiteten wir uns schließlich darauf vor, umzuziehen. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als meine Kinder zu mir kamen und sagten: „Papa, es ist eine absolute Schande! All die Jahre haben wir hier gelebt, aber wir waren noch nie auf dem Eiffelturm!“

    Es gibt so viele Wunder in dieser Welt. Manchmal ist es so, dass wir sie als Selbstverständlichkeit hinnehmen, wenn wir sie ständig vor Augen haben. Wir sehen zwar, schauen aber nicht richtig hin; wir hören zwar, hören aber nicht richtig zu.

    Während seines irdischen Wirkens sagte Jesus zu seinen Jüngern:

    „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.

    Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“1

    Ich habe mich schon oft gefragt, wie es wohl gewesen sein muss, zur Zeit unseres Heilands zu leben. Können Sie sich vorstellen, zu seinen Füßen zu sitzen, seine Umarmung zu spüren und zu sehen, wie er anderen geistlich dient? Und trotzdem haben so viele, die ihn getroffen haben, nicht bemerkt – nicht „gesehen“ –, dass der Sohn Gottes unter ihnen war.

    Auch wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Die Propheten aus alter Zeit sahen das Werk der Wiederherstellung als „ein wunderbares Werk …, ja, ein wunderbares Werk und ein Wunder“2. In keiner früheren Evangeliumszeit gab es so viele berufene Missionare, so viele Nationen, die für die Evangeliumsbotschaft geöffnet wurden, und so viele Tempel auf der Erde.

    Auch wir als Heilige der Letzten Tage erleben Wunder in unserem Leben. Dazu gehören unsere eigene Bekehrung, die Antworten auf unsere Gebete sowie die liebevollen Segnungen, die Gott täglich über uns ausschüttet.

    Über die Wunder des Evangeliums zu staunen, ist ein Zeichen des Glaubens. Wir erkennen die Hand des Herrn in unserem Leben und in allem, was uns umgibt, an. Aus unserem Staunen erwächst auch geistige Kraft. Es gibt uns die Energie, in unserem Glauben verankert zu bleiben und beim Erlösungswerk mitzuhelfen.

    Doch seien wir vorsichtig! Unsere Fähigkeit, zu staunen, ist zerbrechlich. Das nachlässige Halten der Gebote beispielsweise kann dazu führen, dass sich bei uns Gleichgültigkeit und Überdruss einstellen, sodass wir sogar für die bemerkenswertesten Zeichen und Wunder des Evangeliums nicht mehr empfänglich sind.

    Im Buch Mormon wird eine Zeit beschrieben, die der unsrigen sehr ähnlich ist und die der Ankunft des Messias in Amerika voranging. Plötzlich erschienen die Zeichen seiner Geburt am Himmel. Die Menschen staunten so sehr, dass sie sich demütigten, und fast alle bekehrten sich. Dennoch fing das Volk nur vier Jahre später an, „jene Zeichen und Wunder zu vergessen, die sie gehört hatten, und fing an, immer weniger über ein Zeichen oder ein Wunder vom Himmel zu staunen … und [fing an], alles nicht mehr zu glauben, was sie gehört und gesehen hatten“3.

    Meine Brüder und Schwestern, ist das Evangelium noch immer wunderbar für Sie? Können Sie noch immer sehen, hören, fühlen und staunen? Oder wurden Ihre geistigen Sensoren in den Standby-Modus gestellt? Wie Ihre Umstände auch sein mögen, ich möchte Ihnen dreierlei ans Herz legen.

    Erstens: Werden Sie niemals müde, die Wahrheiten des Evangeliums zu entdecken oder erneut zu entdecken. Der Schriftsteller Marcel Proust hat gesagt: „Die wahren Entdeckungsreisen bestehen nicht darin, neue Landschaften aufzusuchen, sondern darin, neue Augen zu haben.“4 Erinnern Sie sich noch daran, wie es war, als Sie zum ersten Mal einen Vers in den heiligen Schriften lasen und das Gefühl hatten, dass der Herr direkt zu Ihnen spricht? Können Sie sich noch daran erinnern, wie das erste Mal der liebliche Einfluss des Heiligen Geistes über Sie kam – vielleicht sogar noch ehe Sie überhaupt erkannten, dass es der Heilige Geist war? Waren dies nicht heilige und besondere Momente?

    Wir sollten täglich nach geistiger Erkenntnis hungern und dürsten. Diese Gewohnheit gründet sich auf Schriftstudium, Nachsinnen und Gebet. Manchmal sind wir vielleicht versucht, zu denken: „Heute muss ich nicht in den Schriften lesen, das habe ich alles schon einmal gelesen“ oder: „Heute muss ich nicht in die Kirche gehen, es gibt da doch eh nichts Neues“.

    Doch das Evangelium ist eine Quelle des Wissens, die niemals austrocknet. Jeden Sonntag, bei jeder Versammlung und in jedem Vers heiliger Schrift gibt es etwas Neues, was wir lernen und spüren können. Voll Glauben halten wir an dieser Verheißung fest: „Sucht, dann werdet ihr finden.“5

    Zweitens: Verankern Sie Ihren Glauben in den klaren und einfachen Wahrheiten des Evangeliums. Unser Staunen muss in den zentralen Grundsätzen unseres Glaubens, in der Reinheit unserer Bündnisse und Verordnungen und in unserer schlichten Gottesverehrung verwurzelt sein.

    Eine Missionarin erzählte einmal von drei Männern, die sie bei einer Distriktskonferenz in Afrika getroffen hatte. Sie kamen aus einem abgelegenen Dorf, das sich weit entfernt im Busch befand, wo 15 treue Mitglieder und fast 20 Freunde der Kirche lebten. Offiziell gab es die Kirche dort jedoch noch gar nicht. Zwei Wochen lang waren diese Männer auf Wegen gelaufen, die durch die Regenzeit ganz schlammig geworden waren, und überwanden so die beinahe 500 Kilometer, um der Konferenz beizuwohnen und um den Zehnten der Mitglieder aus ihrer Gruppe abzugeben. Sie hatten vor, eine ganze Woche dort zu bleiben, um am folgenden Sonntag vom Abendmahl zu nehmen. Danach wollten sie sich mit Kisten voller Bücher Mormon auf dem Kopf wieder auf den Rückweg machen und die Bücher an die Leute in ihrem Dorf verteilen.

    Die Missionarin gab Zeugnis davon, wie berührt sie von der Begeisterung dieser Brüder war und davon, wie bereitwillig sie Opfer für etwas brachten, was für sie selbst immer eine Selbstverständlichkeit gewesen war.

    Sie fragte sich: Wenn ich eines Sonntagmorgens zuhause in Arizona aufstehe und feststelle, dass mein Auto nicht funktioniert, würde ich dann zu meiner nur wenige Straßen entfernten Gemeinde laufen? Oder würde ich daheim bleiben, weil es zu weit ist oder weil es regnet?6 Dies sind gute Fragen, die wir uns alle stellen sollten.

    Zum Schluss möchte ich Sie bitten, sich um den Beistand des Heiligen Geistes zu bemühen und daran festzuhalten. Die meisten Wunder des Evangeliums können nicht mit unseren natürlichen Augen wahrgenommen werden. Es sind Dinge, die „kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, … das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“7.

    Wenn wir den Geist mit uns haben, sind unsere geistigen Sinne geschärft und unser Gedächtnis wird wachgerüttelt, sodass wir die Wunder und Zeichen, die wir erlebt haben, nicht vergessen können. Da seine nephitischen Jünger wussten, dass Jesus sie verlassen würde, beteten sie inständig „um das, was sie am meisten wünschten; und sie wünschten, es möge ihnen der Heilige Geist gegeben werden“8.

    Obgleich sie den Erretter mit ihren eigenen Augen gesehen und seine Wunden mit ihren eigenen Händen berührt hatten, wussten sie, dass ihr Zeugnis dahinschwinden könnte, wenn es nicht beständig durch die Macht des Geistes Gottes erneuert würde. Meine Brüder und Schwestern, tun Sie nie etwas, wodurch Sie diese kostbare und wunderbare Gabe verlieren könnten: den Beistand des Heiligen Geistes! Bemühen Sie sich durch inniges Beten und ein rechtschaffenes Leben darum.

    Ich bezeuge, dass das Werk, in dem wir tätig sind, „ein wunderbares Werk und ein Wunder“ ist. Wenn wir Jesus Christus folgen, gibt uns Gott selbst „durch Zeichen und Wunder, durch machtvolle Taten aller Art und Gaben des Heiligen Geistes, nach seinem Willen“9, Zeugnis. An diesem besonderen Tag bezeuge ich, dass die Wunder des Evangeliums und das Staunen darüber in der größten von allen Gaben Gottes, nämlich im Sühnopfer des Erretters, verankert sind. Dies ist das vollkommene Geschenk der Liebe, das der Vater und der Sohn, die ja dieselbe Absicht haben, einem jeden von uns angeboten haben. Zusammen können wir sagen: „Erstaunt und bewundernd erkenne ich Jesu Lieb. … Oh, es ist wunderbar, wunderbar für mich.“10

    Mögen wir alle stets Augen haben, die sehen, Ohren, die hören, und ein Herz, das die Wunder dieses grandiosen Evangeliums erkennt. Dafür bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.