2010–2019
    Bleiben Sie beim Baum
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    Bleiben Sie beim Baum

    Lehis Vision vom Baum des Lebens ist ein anschauliches Gleichnis für das Ausharren bis ans Ende.

    Kurz bevor Präsident Heber J. Grant verstarb, besuchte ihn einer der führenden Brüder zu Hause. Bevor er wieder ging, betete Präsident Grant: „Oh Gott, segne mich, dass ich mein Zeugnis nicht verliere und bis ans Ende treu bleibe!“1 Nach fast 27 Jahren als Präsident der Kirche war dies sein inständiges Gebet. Sein Beispiel erinnert uns alle eindringlich daran, dass niemand, wie alt er auch sei, gegen den Einfluss des Satans immun ist. Zwei der nützlichsten Werkzeuge des Satans sind Ablenkung und Täuschung.

    Das Ausharren bis ans Ende zeichnet einen wahren Jünger aus und ist für das ewige Leben unerlässlich. Wenn wir vor Prüfungen und Schwierigkeiten stehen, heißt es jedoch oft, dass wir einfach nur durchhalten müssen. Ich möchte ganz deutlich sagen, dass bloßes Durchhalten kein Grundsatz des Evangeliums ist. Bis ans Ende ausharren bedeutet, dass man beständig zu Christus kommt und in ihm vollkommen wird.

    Wenn das Ausharren bis ans Ende für das ewige Leben unerlässlich ist, warum haben wir dann Mühe damit, treu zu sein? Wir haben Mühe damit, wenn wir zwischen gegensätzlichen Prioritäten feststecken. Nachlässiger Gehorsam und lauwarme Selbstverpflichtung zerstören den Glauben. Bis ans Ende ausharren erfordert völlige Selbstverpflichtung gegenüber dem Erretter und unseren Bündnissen.

    Lehis Vision vom Baum des Lebens ist ein anschauliches Gleichnis für das Ausharren bis ans Ende. Bitte befassen Sie sich gebeterfüllt mit Lehis Traum, denken Sie darüber nach und stellen Sie den Bezug zu sich selbst her. Betrachten Sie dabei eingehend sechs wichtige Grundsätze, die uns helfen, bis ans Ende auszuharren.

    1. Denken Sie ans Gebet

    Wir beginnen damit, dass sich Lehi allein „in einer finsteren und trostlosen Öde“2 befindet. Jeder von uns erlebt Zeiten der Finsternis und Einsamkeit. Denken Sie ans Gebet, wenn das Leben finster und trostlos wird.3 Folgen Sie dem Beispiel von Präsident Heber J. Grant. Beten Sie um die Kraft, bis ans Ende auszuharren. Fragen Sie den Vater im Himmel: „Was soll ich noch tun?“

    2. Kommen Sie zu Christus und werden Sie in ihm vollkommen

    Im Mittelpunkt von Lehis Traum steht der Baum des Lebens. Alles deutet auf ihn. Der Baum steht für Christus, in dem sich Gottes Liebe deutlich offenbart. Die Frucht ist das unbegrenzte Sühnopfer Christi, ein eindeutiger Beweis für die Liebe Gottes. Das ewige Leben mit unseren Lieben ist süßer und begehrenswerter als alles andere. Um diese Gabe erlangen zu können, müssen wir zu Christus kommen und in ihm vollkommen werden.4 Er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“5. Wir können unser Leben mit Erfolgen und guten Taten ausfüllen, aber wenn wir keine heiligen Bündnisse eingehen, um Christus nachzufolgen, und sie gewissenhaft halten, haben wir am Ende das Ziel völlig verfehlt.

    3. Streben Sie im Glauben vorwärts

    Es gibt einen Weg, der zum Baum des Lebens – zu Christus – führt. Er ist eng und schmal, streng und genau. Gottes Gebote sind streng, aber nicht einengend. Sie schützen uns vor geistigen und körperlichen Gefahren und verhindern, dass wir uns verirren.

    Gehorsam stärkt den Glauben an Christus. Glaube ist ein Grundsatz, der zum Handeln anregt und Macht verleiht. Wenn man konsequent dem Beispiel Jesu folgt, entwickelt man geistig Kraft und Leistungsvermögen. Ohne die stärkende und helfende Macht des Sühnopfers ist es unmöglich, auf dem Weg zu bleiben und auszuharren.

    Streben Sie „mit Beständigkeit in Christus vorwärts“6.

    4. Das Buch Mormon ist entscheidend für das geistige Überleben

    Unser Lebensweg ist eine Herausforderung. Man kann leicht abgelenkt werden, vom Weg abkommen und sich verirren. Drangsal ist ein unvermeidlicher und unentbehrlicher Teil unseres ewigen Fortschritts. Wenn Sie auf Widrigkeiten stoßen, lassen Sie nicht zu, dass etwas, was Sie nicht gänzlich begreifen, alles zunichtemacht, was Sie wissen. Seien Sie geduldig, halten Sie an der Wahrheit fest; Sie werden Verständnis erlangen. Prüfungen sind wie ein dichter Nebel der Finsternis, der uns den Blick trübt und uns das Herz verhärtet. Wenn wir nicht beständig am Wort Gottes festhalten7 und danach leben, werden wir geistig blind statt geistig gesinnt. Forschen Sie im Buch Mormon und in den Worten der lebenden Propheten, und zwar an jedem einzelnen Tag! Das ist entscheidend dafür, dass man geistig überlebt und sich nicht täuschen lässt. Andernfalls geht man in die Irre.

    5. Lassen Sie sich nicht ablenken und täuschen

    Beachten heißt, etwas oder jemandem viel Aufmerksamkeit schenken. Diejenigen zu beachten, die nicht an Christus glauben, wird Ihnen nicht dabei helfen, Christus zu finden. Wenn man auf der Suche nach Wissen das Hashtag #geräumigesgebäude eintippt, gelangt man nicht zur Wahrheit. Dort wird sie nämlich nicht gepostet. Nur der Erlöser hat „Worte des ewigen Lebens“8. Alles andere sind bloße Worte. Das große und geräumige Gebäude symbolisiert „eitle Einbildungen und den Stolz“9 der Welt – mit anderen Worten: Ablenkung und Täuschung. Es ist voller gut gekleideter Leute, denen es an nichts zu mangeln scheint. Doch sie verspotten den Erlöser und diejenigen, die ihm nachfolgen. Sie „lernen [immer und gelangen] doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit“10. Sie mögen zwar politisch korrekt sein, sind aber geistig in die Irre gegangen.

    6. Bleiben Sie beim Baum

    Lehis Botschaft lautet, dass man beim Baum bleiben muss. Wir bleiben, weil wir zum Herrn bekehrt sind. Alma erklärte: „Siehe, er veränderte ihnen das Herz; ja, er erweckte sie aus einem tiefen Schlaf, und sie sind für Gott erwacht.“11 Wenn wir Gott unser Herz hingeben, verändert der Heilige Geist unser ganzes Wesen, wir bekehren uns wahrhaft zum Herrn und haben kein Verlangen mehr nach dem geräumigen Gebäude. Wenn wir uns nicht mehr dem widmen, was eine immer tiefere Bekehrung bewirkt, machen wir in geistiger Hinsicht Rückschritt. Der Abfall vom Glauben ist die Umkehrung der Bekehrung.

    Allen gegenwärtigen und zurückgekehrten Missionaren sage ich: Brüder und Schwestern, Sie können nicht von Ihrer Mission zurückkehren, kopfüber wieder in Babylon eintauchen und endlose Stunden damit zubringen, sinnlose Punkte bei nutzlosen Videospielen zu erzielen, ohne in einen geistigen Tiefschlaf zu verfallen. Sie können sich auch nicht der Pornografie im Internet hingeben und Tugendhaftigkeit und Keuschheit ignorieren, ohne dass dies schlimme geistige Folgen hätte. Wenn Sie den Heiligen Geist verlieren, sind Sie verloren. Lassen Sie sich nicht ablenken und täuschen.

    Wahre Jünger erwachen weiterhin jeden Tag für Gott durch intensives Beten, ernsthaftes Schriftstudium, Gehorsam und selbstloses Dienen. Bleiben Sie beim Baum und bleiben Sie wach.

    Vor einigen Jahren wurden meine Frau und ich dazu berufen, über die Washington-Mission Tacoma zu präsidieren. Die Berufung kam für uns völlig überraschend. Mit einigem Unbehagen traf ich mich mit dem Vorsitzenden und dem Geschäftsführer der Firma, für die ich arbeitete, und informierte sie über meine Missionsberufung. Sie waren sichtlich aufgebracht über meine Entscheidung, die Firma zu verlassen. „Wann haben Sie diese Entscheidung getroffen und warum haben Sie nicht schon früher mit uns darüber gesprochen?“, hakten sie nach.

    Die richtige Antwort kam mir ganz klar in den Sinn. Ich erwiderte: „Diese Entscheidung habe ich mit 19 Jahren getroffen, als ich im Tempel heilige Bündnisse mit Gott geschlossen und gelobt habe, Jesus Christus nachzufolgen. Ich habe mein ganzes Leben auf diese Bündnisse aufgebaut, und ich bin fest entschlossen, sie auch jetzt zu halten.“

    Sobald wir Bündnisse mit Gott schließen, gibt es kein Zurück. Nachgeben, Aufgeben und Nachlassen sind keine Optionen. Um erhöht werden zu können, muss man im Reich Gottes einem Maßstab für Vortrefflichkeit gerecht werden: Man muss ein tapferer Jünger sein! Es gibt keinen Platz für durchschnittliche oder gleichgültige Jünger. Durchschnittlichkeit ist der Feind der Vortrefflichkeit, und durchschnittliche Selbstverpflichtung hält einen davon ab, bis ans Ende auszuharren.

    Falls Sie gerade mit etwas zu kämpfen haben, verwirrt sind oder geistig in die Irre gegangen sind, bitte ich Sie dringend, das eine zu tun, was Sie gewiss wieder auf Kurs bringt: Fangen Sie wieder damit an, gebeterfüllt im Buch Mormon zu lesen und nach seinen Lehren zu leben, und zwar jeden einzelnen Tag! Ich bezeuge, dass im Buch Mormon eine tiefe Macht steckt, die Ihr Leben verändern und Ihre Entschlossenheit, Christus zu folgen, stärken wird. Der Heilige Geist wird Ihnen das Herz wandeln und Ihnen helfen, die Dinge so zu sehen, „wie sie wirklich sind“12. Er wird Ihnen zeigen, was Sie als Nächstes tun müssen. So lautet Nephis Verheißung an Sie:

    „Und ich sagte ihnen, … wer auf das Wort Gottes höre und daran festhalte, der werde niemals zugrunde gehen; auch könnten die Versuchungen und die feurigen Pfeile des Widersachers sie nicht mit Blindheit schlagen, um sie weg ins Verderben zu führen.

    Darum ermahnte ich [sie], dem Wort Gottes Beachtung zu schenken und darauf bedacht zu sein, seine Gebote jederzeit in allem zu halten.“13

    Brüder und Schwestern, bis ans Ende auszuharren ist die große Prüfung eines Jüngers. Wie wir dem Herrn tagtäglich nachfolgen, bestimmt unser Schicksal in der Ewigkeit. Erwachen Sie für Gott, halten Sie an der Wahrheit fest, halten Sie Ihre heiligen Tempelbündnisse und bleiben Sie beim Baum!

    Ich gebe Zeugnis vom auferstandenen, lebendigen Christus. Ich weiß, dass er lebt. Es ist mein größter Wunsch, bis ans Ende wahrhaft treu zu sein und seinem erhabenen Beispiel zu folgen. Im heiligen Namen des Herrn Jesus Christus. Amen.