Wenn der Herr gebietet
    Fußnoten

    Wenn der Herr gebietet

    Treuer Gehorsam bringt die Führung, den Beistand und den Frieden des Herrn mit sich, wie groß die Aufgabe auch erscheinen mag.

    Man erzählt sich die Geschichte von zwei Naturliebhabern, die ein Buschflugzeug charterten, das sie zu ihrer alljährlichen Angeltour an einen abgelegenen See fliegen sollte. Nach ihrem erfolgreichen Ausflug kam der Pilot zurück, um sie abzuholen. Er gab den beiden Anglern jedoch rasch zu verstehen, dass sein kleines Flugzeug nicht sie, ihre Ausrüstung und das zusätzliche Gewicht der von ihnen gefangenen Fische auf einmal tragen könne. Ein zweiter Flug sei erforderlich.

    Die Sportsmänner hatten kein Interesse, einen zweiten Flug zu bezahlen. Nachdem sie versprochen hatten, alles dicht zu packen, und nach einer kleinen Bonuszahlung willigte der Pilot schließlich zögerlich ein, den Flug zu wagen.

    Die Angler lächelten verschmitzt, als er den Flieger in die Luft zwang. Sekunden später jedoch stockte das Flugzeug und vollzog an einer großen, flachen, sumpfigen Stelle am Ende des Sees eine Bruchlandung.

    Das Flugzeug war aufgrund eines gut bekannten Phänomens, des sogenannten Bodeneffekts, im Flug ins Stocken geraten. Der Bodeneffekt tritt ein, wenn die Luft zwischen den Tragflächen des Flugzeugs und der Erdoberfläche – wenn hier der Abstand nur gering ist – verdichtet wird. In diesem Fall musste das Buschflugzeug, als es sich aus dem Bodeneffekt herausarbeitete und an Höhe gewann, aus eigener Kraft fliegen, wozu es aber schlicht nicht imstande war.

    Glücklicherweise wurde niemand schwer verletzt, und nachdem die Angler sich wieder gesammelt hatten, fragte einer den anderen: „Was ist passiert?“ Der zweite antwortete: „Wir sind beim Start abgestürzt – etwa hundert Meter entfernt von der Absturzstelle im letzten Jahr!“

    Wie die beiden Sportsmänner glauben wir mitunter, dass es einen einfacheren Weg, eine Abkürzung oder eine Abwandlung der Gebote des Herrn geben muss, die unserer persönlichen Lebenslage entgegenkommen. Bei derlei Gedanken bleibt unberücksichtigt, dass Gott uns segnet, wenn wir seinen Gesetzen strikt gehorchen, dass es aber auch zu vorhersehbaren Konsequenzen führt, wenn wir uns nicht an seine Gesetze halten.

    Zum Zeitpunkt seiner Ernennung als Präsident der Kirche hat Harold B. Lee gesagt: „Die Sicherheit der Kirche beruht darauf, dass die Mitglieder die Gebote halten. … Wenn sie die Gebote halten, stellen sich Segnungen ein.“1

    Wenn wir einem Gebot nicht gehorchen möchten, dann gewöhnlich deshalb, weil wir uns 1.) überzeugt haben, dass das Gebot für uns nicht gilt, 2.) nicht glauben, dass es wichtig ist, oder 3.) sicher sind, dass es zu schwer zu befolgen ist.

    1. Dieses Gebot gilt nicht für mich

    In den letzten Jahren der Regierung König Salomos ließ ihn der Herr durch seinen Propheten wissen: „Ich [werde] dir das Königreich entreißen und es deinem Knecht geben.“2

    Kurze Zeit später erkannte der Prophet Ahija in Jerobeam diesen Knecht, einen „tüchtigen“ Mann, den Salomo zum „Aufseher über alle Fronarbeiten des Hauses Josef“3 gemacht hatte. Jerobeams Pflichten verlangten von ihm, dass er sich vom Gebirge Efraim, wo er wohnte, in die Hauptstadt Jerusalem begab. Während einer dieser Reisen traf ihn Ahija einmal unterwegs. Durch Ahija sagte der Herr: „Ich … gebe dir zehn Stämme.“4 Er wies Jerobeam außerdem an: „Wenn du nun … auf meinen Wegen gehst …, wenn du meine Gebote und Befehle befolgst …, dann werde ich mit dir sein … und dir Israel übergeben.“5

    Als Salomo von Ahijas Prophezeiung erfuhr, wollte er Jerobeam umbringen, also floh dieser nach Ägypten.6 Nach Salomos Tod kehrte Jerobeam aus dem Exil in den nördlichen Teil Israels zurück und führte von da an die zehn Nordstämme.7

    Jerobeams Plan zur Regierung des Reiches wies jedoch eine Mischung aus Gut und Böse auf. Er machte Sichem zur Hauptstadt des Landes – eine Stadt, die große religiöse Bedeutung für sein Volk hatte. Doch leider führte er in den Gottesdienst satanische Rituale ein.8

    Jerobeam redete sich selbst ein, dass einige von Gottes Geboten für ihn nicht galten. Infolge seiner Taten wurden all seine Nachkommen ausgerottet, und wegen der heidnischen Bräuche, die er in ihre heiligen Handlungen eingeführt hatte, wurden die zehn Stämme Israels schließlich aus ihrem Erbteil vertrieben.9

    Genauso wie es katastrophale Folgen nach sich zieht, wenn ein Flugzeug mit einem größeren Gewicht als seine Tragflächen verkraften aus dem Bodeneffekt herausfliegt, stellen sich auch nicht alle Segnungen des Gehorsams ein, wenn man sich nur zum Teil oder nach eigenem Gutdünken an die Gebote Gottes hält.

    2. Dieses Gebot ist nicht wichtig

    Jahrzehnte später zog Naaman, ein syrischer Kriegsheld, ein tapferer Mann10, von seinem Heimatland nach Israel, wo er sich an den König, Joram, wandte, um vom Aussatz geheilt zu werden.11

    Naaman wurde zum Propheten Elischa geführt. „Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan … und du wirst rein.“12

    Trotz dieser prophetischen Verheißung, dass er geheilt werde, war Naaman beleidigt, dass Elischa ihn nicht persönlich begrüßte. Noch mehr kränkte ihn die Anweisung des Propheten, sich siebenmal in dem unbedeutenden, schlammigen Jordan zu waschen. Sein Stolz verlangte nach etwas, was erstaunlicher und bedeutender war, etwas, was seinem Ansehen und Stand in der Gesellschaft und unter dem Volk entsprach.

    Zu seinem Glück überzeugten seine Diener ihn, dass er ungeachtet dessen, was der Prophet ihm aufgetragen hatte, Segnungen vom Herrn empfangen würde, wenn er gehorchte. Naaman wusch sich im Jordan, wie es ihm aufgetragen worden war, und wurde dank seines Gehorsams vom Aussatz geheilt.13

    Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn – wie unbedeutend oder unwichtig sie uns auch erscheinen mögen – führt sicher die vom Herrn verheißenen Segnungen herbei.

    3. Dieses Gebot ist einfach zu schwer

    Der Prophet Lehi folgte dem Gebot des Herrn und führte seine Familie in die Wildnis. Während der ersten Tage der Reise wies Lehi seinen Sohn Lemuel, an, „fest und standhaft und unverrückbar im Halten der Gebote des Herrn“14 zu sein.

    Als jedoch der prophetische Auftrag gegeben wurde, nach Jerusalem zurückzukehren und die Messingplatten zu holen, die „die Aufzeichnungen der Juden“15 enthielten, lehnten sich die zwei ältesten Söhne auf und sagten, es „sei schwer“16.

    Ungeachtet dessen, dass seine älteren Brüder murrten, hatte Nephi Glauben und war den Geboten des Herrn gehorsam, was dazu führte, dass er die Messingplatten erlangte. Ein Volk wurde gegründet, eine Sprache bewahrt, und das Evangelium Jesu Christi wurde an viele nachfolgende Generationen weitergegeben.

    Hin und wieder mögen wir uns einreden, dass der Herr Verständnis für unseren Ungehorsam hat, weil es aufgrund unserer besonderen Lebensumstände schwierig, peinlich oder gar schmerzhaft sei, sich an seine Gesetze zu halten. Treuer Gehorsam bringt jedoch die Führung, den Beistand und den Frieden des Herrn mit sich, wie groß die Aufgabe auch erscheinen mag.

    Der Prophet Joseph Smith fragte den Herrn zweimal im Gebet, ob ein einflussreicher Freund, Martin Harris, die ersten 116 handgeschriebenen Seiten übersetzten Materials aus dem Buch Lehi von Harmony in Pennsylvania nach Palmyra mitnehmen könne. Jedes Mal gab der Herr dem Propheten den Rat, Harris das Manuskript nicht anzuvertrauen.

    Dieser wollte das übersetzte Material als Beweismittel verwenden, um seinen Bekanntenkreis davon abzuhalten, Gerüchte über seine Freundschaft zu Joseph Smith zu verbreiten. Nach dem dritten Anlauf gab der Herr Josephs Bitte statt.17

    Harris verlor das Manuskript, woraufhin dem Propheten Joseph Smith die Platten für längere Zeit genommen wurden. Das war dem Propheten eine schmerzliche Lektion, und er sagte: „Ich [habe] mir dies zur Regel gemacht: Wenn der Herr gebietet, dann tu es.18 Das kann und muss auch unsere Regel sein.

    Die Antwort des Herrn ist gewiss, wenn wir seine Gebote halten. Er hat uns verheißen: „Wenn du meine Gebote hältst und bis ans Ende ausharrst, wirst du ewiges Leben haben.“19

    Darüber hinaus hat er uns ans Herz gelegt: „Ich, der Herr, bin barmherzig und gnädig zu denen, die mich fürchten, und es freut mich, die zu ehren, die mir in Rechtschaffenheit und in Wahrheit bis ans Ende dienen.“20

    Gehorsam gegenüber den Geboten des Herrn gibt uns Vertrauen in den Weg, den wir gewählt haben, macht uns bereit für die Führung und Leitung des Herrn bei allem, was wir tun, und eröffnet uns das Potenzial, wie unser Erretter Jesus Christus zu werden und in die Gegenwart des Vaters im Himmel zurückzukehren.

    Ich bete darum, dass wir uns jeden Tag bemühen, den Gesetzen, Verordnungen und Geboten des Evangeliums Jesu Christi gehorsamer zu sein, damit der Herr uns noch reichlicher segnen kann.

    Ich bezeuge, dass Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes die Segnungen des Himmels herabbringt, dass unser Vater im Himmel und sein Sohn Jesus Christus leben, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist und dass Präsident Thomas S. Monson der Prophet des Herrn für unsere Zeit ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.

    Anmerkungen

    1. Harold B. Lee, zitiert in Stephen W. Gibson, „Presidency Meets the Press“, Church News, 15. Juli 1972, Seite 3

    2. 1 Könige 11:11

    3. 1 Könige 11:28

    4. 1 Könige 11:31

    5. 1 Könige 11:38

    6. Siehe 1 Könige 11:40

    7. Siehe 1 Könige 12:2,3,20

    8. Siehe 1 Könige 12:25-30

    9. Siehe 1 Könige 14:10,15,16

    10. Siehe 2 Könige 5:1

    11. Siehe 2 Könige 5:5,6

    12. 2 Könige 5:10

    13. Siehe 2 Könige 5:11-14

    14. 1 Nephi 2:10

    15. 1 Nephi 3:3

    16. 1 Nephi 3:5

    17. Siehe History of the Church, 1:20,21; Lehre und Bündnisse 3; 10

    18. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 176

    19. Lehre und Bündnisse 14:7

    20. Lehre und Bündnisse 76:5, Hervorhebung hinzugefügt