2025
Das Tanzen wurde zu einer Herausforderung
Für eine starke Jugend, Juni 2025


Das Tanzen wurde zu einer Herausforderung

In ihrer größten Prüfung sagte sich Sinah M. aus Deutschland: „Lieber gehe ich gestärkt aus dieser Prüfung hervor, als plötzlich Zweifel zu haben.“

Eine Jugendliche

Fotos von David A. Edwards

Herausforderungen kommen in der Regel nicht so, wie oder wann man sie gerne hätte. Deshalb sind es ja Herausforderungen. Wenn das Leben dich also vor eine Herausforderung stellt, wie reagierst du dann? Was machst du, wenn es wehtut und du keine Lösung hast? Wie geht es weiter, wenn du gezwungen bist, dein Leben und dein Selbstbild zu ändern?

Vor etwa drei Jahren war Sinah M., eine 17-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, mit diesen Fragen konfrontiert. Bei ihren Antworten ließ sie sich von ihren früheren Erfahrungen leiten.

Landschaft

Eine plötzliche Prüfung

„Ich habe mein ganzes Leben lang getanzt, es war meine große Leidenschaft“, erzählt Sinah. „Ich habe Ballett, Modern Dance und Jazz gemacht – ein bisschen von allem, aber hauptsächlich Ballett.“ Tanzen machte sie glücklich und war ein wichtiger Teil ihrer Identität. „Alles drehte sich ums Tanzen“, sagt sie.

Eine Jugendliche beim Ballett

Doch dann hatte sie beim Tanzen Schmerzen in den Füßen. Selbst beim Gehen hörte es nicht auf. Sie suchte nach Antworten und Heilung durch Ärzte, Priestertumssegen und Gebete. Doch die Ursache ihrer Schmerzen blieb ein Rätsel, und ihr körperliches Leiden wurde einfach nicht besser.

„Es gab Momente, in denen mir plötzlich solche Gedanken kamen wie: ,Liebt mich der Vater im Himmel? Warum muss ich das durchmachen? Warum lässt er zu, dass es mir so wehtut?‘“, erinnert sich Sinah.

Doch trotz solcher Gedanken begegnete sie dieser Prüfung mit überwältigendem Glauben und Vertrauen in den Herrn.

Der Glaube vor der Krise

Vor dieser Herausforderung hatte Sinah bereits Glauben an den Vater im Himmel und an Jesus Christus entwickelt.

„Ich habe mich schon immer für das Evangelium interessiert“, berichtet Sinah. Sie ist froh, dass ihre Eltern ihr das Evangelium vermittelt, sie zur Kirche mitgenommen und in ihr den Wunsch geweckt haben, selbst etwas über das Evangelium zu erfahren.

„Ich bin ein Mensch, der viel hinterfragt, aber ich verzweifele nicht daran“, erklärt sie. „Erst als Jugendliche habe ich gelernt, dass es in Ordnung ist, Fragen zu haben. Ich habe mir erlaubt, Fragen zu stellen, und ich habe um Erkenntnis und Kraft gebetet und darum, dass der Vater im Himmel mir helfen möge, mein Zeugnis noch weiter zu stärken.“

Im Laufe der Zeit stellte sie fest, dass diese Vorgehensweise ihr Zeugnis tatsächlich gestärkt hat. „Ich war schon immer sehr offen für das Evangelium, aber ich habe mir auch erlaubt, Fragen zu stellen, wenn sie kamen, und habe mich dann noch mehr um ein besseres Verständnis vom Evangelium bemüht.“

Eine Jugendliche am Klavier

Nun tanzt sie nicht mehr, aber Sinah hat andere Interessen, darunter Klavier und Geige. „Wir hatten kürzlich ein Konzert in Dortmund und Düsseldorf, und ich habe wirklich geübt und wollte gut sein. Es hörte sich wirklich gut an, und ich hatte eine Menge Spaß. Im Nachhinein betrachtet, lag das daran, dass ich ein Ziel vor Augen hatte.“

Der Glaube wird auf die Probe gestellt

Obwohl ihre körperlichen Probleme manchmal schwer zu bewältigen waren, war Sinah durch ihr Fundament des Glaubens darauf vorbereitet, sich dieser Herausforderung zu stellen.

„Ich habe mir von Anfang an gesagt, dass ich dem Herrn nicht die Schuld geben oder wütend auf ihn sein will – egal wie schwer es ist, egal wie sehr es schmerzt, egal was ich durchmache“, erzählt sie. „Also habe ich mir gesagt: Ich kann frustriert sein, ich kann traurig sein, aber ich will nicht, dass das ein Grund ist, warum mein Zeugnis plötzlich bröckelt. Ich möchte lieber gestärkt aus dieser Sache hervorgehen, als plötzlich Zweifel zu haben.“

Schwestern umarmen sich

Sinah beschloss auch schon früh, dass sie diese Prüfung nicht allein durchstehen wollte. Seit sie nicht mehr tanzt, verbringt sie gern Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden. Und sie sucht Trost und Rat bei ihrem Vater im Himmel, aber auch bei ihren Eltern und Führern.

Beispielsweise erzählt sie: „Ich habe auf Tempelfahrten und bei anderen Gelegenheiten viel darüber gesprochen und habe von anderen gehört, dass sie sich auch die Frage stellen, warum das passiert ist. Aber ich höre immer wieder: Der Vater im Himmel weiß, dass du stark genug bist, damit zurechtzukommen. Und das von anderen zu hören, hat mir sehr geholfen.“

Sie hat auch die Liebe und Kraft des himmlischen Vaters gespürt, als sie mit anderen Jugendlichen bei FSY war. Vielleicht mehr als alles andere hat sie jedoch durch Priestertumssegen Kraft erhalten und Frieden verspürt. „Bei jedem Segen habe ich den Geist sehr stark gespürt und wirklich gemerkt, dass der Vater im Himmel wirklich da ist und dass er mich wirklich liebt. Ich merke, dass die Worte nicht nur von dem Priestertumsträger kamen, sondern dass es wirklich inspiriert war.“

Eine Jugendliche

Sinah hat ein Zeugnis von Priestertumssegen und erhielt kürzlich auch ihren Patriarchalischen Segen. „Dieser Segen hat mir bestätigt, dass der Vater im Himmel mich wirklich kennt und liebt und dass ich wissen kann, was er in diesem Leben für mich vorgesehen hat und was mich erwartet.“

Was sie gelernt hat

„Weil ich nicht mehr tanzen konnte, musste ich einen anderen Schwerpunkt setzen“, berichtet Sinah. „Und es zeigt sich immer mehr, dass dies das Evangelium ist. Natürlich ist es immer noch schwierig. Aber ich habe einfach gelernt, dem Herrn viel mehr zu vertrauen.“

Dieses Vertrauen bedeutet, dass sie in der Lage ist, weiterzumachen, auch wenn sie nicht die Antworten bekommt oder die Ergebnisse sieht, die sie sich gewünscht hätte. „Die Heilung, die ich mir erhofft hatte, ist noch nicht erfolgt“, sagt Sinah. „Aber ich habe noch gründlicher gelernt, dass der Vater im Himmel einen Plan hat und dass es einen Grund gibt, warum ich das durchmachen muss.“

Ihr Glaube gibt ihr auch eine Perspektive. „Ich weiß nicht, wann ich wieder schmerzfrei sein werde oder ob das für den Rest meines Lebens so bleiben wird“, sagt sie. „Ich weiß es nicht, aber ich glaube an den Herrn; ich glaube, dass ich spätestens dann, wenn ich wieder bei ihm bin, keine Schmerzen mehr haben muss und dass es irgendwie einen Grund dafür gibt, dass ich dies durchmachen muss.“