2000–2009
Das Gebet
Oktober 2001


Das Gebet

Ich weiß, daß das Werk, in dem wir tätig sind, das Evangelium unseres Erretters, unseres Herrn Jesus Christus, ist, wie er es gelehrt hat, als er auf der Erde war.

Es ist mir eine Ehre, hier zu sein und an dieser großen Konferenz teilzunehmen. Ich freue mich, daß die Erste Präsidentschaft mich wieder für würdig befunden hat, das Programm mitzugestalten. Wenn wir älter werden, haben wir unsere Schwierigkeiten. Die meinen sind mir durchaus bewußt, und manchmal können wir lernen, irgendwie damit fertig zu werden. Wenn wir nicht mehr gut sehen können, können wir, wie ich festgestellt habe, etwas anderes tun und diese kleine Schwäche irgendwie kompensieren und andere stärken. Aber vor allem möchte ich Ihnen sagen, wie sehr ich das Evangelium liebe und daß ich weiß, daß es wahr ist.

Wir haben zu Anfang ein großartiges Lied gesungen, „O Fülle des Heiles”, das von W. W. Phelps verfaßt worden ist (Gesangbuch, Nr. 82). Bruder Phelps hat es nach einem Vorfall in Independence, Missouri, geschrieben, wo er der Herausgeber einer kleinen Zeitung war. Er hatte eine Druckerpresse, und die Leute, die der Kirche übel wollten, beschlossen, sie zu zerstören, und der Pöbel brach ein und brannte das Haus nieder und zerstörte die Druckerpresse. Sie brannten rund 200 Häuser der Heiligen nieder, um den Leuten, die sich dieser Bewegung angeschlossen hatten, ihr Mißfallen zu bekunden. In seiner Verzweiflung schrieb W. W. Phelps die Worte „O Fülle des Heiles, der Tag der Befreiung aus sündigem Abfall vom göttlichen Wort” und weckte in den Mitgliedern der Kirche Hoffnung und neuen Mut. Von der Hoffnung erfüllt, daß das auch in unserem Leben so ist, gehen wir vorwärts, weil das, worum wir uns bemühen, wahr ist.

Ich möchte Ihnen allen sagen, daß ich weiß, daß das Werk, in dem wir tätig sind, das Evangelium unseres Erretters, unseres Herrn Jesus Christus, ist, wie er es gelehrt hat, als er auf der Erde war, als er Apostel berufen hat und die Jünger ihm nachgefolgt sind und er sie unterwies. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie Johannes und Andreas, diese beiden jungen Männer, von Johannes dem Täufer dem Erretter vorgestellt wurden und ihm dann nachfolgten und den Tag über bei ihm blieben, wie es bei Johannes steht (siehe Johannes 1:39). Sie waren in seiner Gegenwart. Sie haben ihm die Hand gegeben. Sie wußten, wie seine Stimme sich anhörte. Sie haben gehört, wie er davon Zeugnis gab, wer er war und daß er gekommen war, um den Willen des Vaters zu tun. Sie befanden sich in seiner heiligen Gegenwart. Und nach dieser Erfahrung mußte Andreas jemandem davon erzählen. Er ging also zu seinem Bruder Simon und brachte ihn zu Jesus. Weil Andreas dieses Gefühl im Herzen hatte, weil er jemandem erzählen mußte, was er wußte und was er fühlte, erzählte er seinem Bruder davon und brachte ihn zum Erretter. Die Heiligkeit und der Einfluß des Erretters machten aus dem gewöhnlichen Simon einen außergewöhnlichen Apostel (siehe Johannes 1:35-42).

Ich bin von allen Propheten seit der Zeit von Joseph Smith beeindruckt. Er hat durch Offenbarung die Botschaft erhalten; Gott der Vater und sein Sohn sind ihm erschienen, wie Bruder Aldin Porter uns heute morgen so ausführlich erklärt hat. Ich weiß, daß diese Kundgebung stattgefunden hat, damit der Prophet Joseph Smith einen Einblick in das große Werk erhielt und damit er die Entschlossenheit aufbringen konnte, alles zu tun, was er tun mußte, um die Wiederherstellung zuwege zu bringen. Himmlische Boten und Offenbarungen halfen dem Propheten Joseph Smith, dieses große Werk in Angriff zu nehmen, das wir der ganzen Welt verkünden und von dem ich weiß, daß es wahr ist. Ich weiß, daß die Propheten, die nach dem Propheten Joseph Smith berufen worden sind, alle von Gott berufen waren.

Es begeistert mich immer wieder, mehr über das Leben dieser wundervollen Männer zu lesen. Einer von denen, die ich heute morgen erwähnen möchte, war Präsident David O. McKay, der der erste Prophet war, der mich persönlich unterwiesen und beeinflußt hat.

Ich wurde in Kalifornien als Pfahlpräsident berufen, kurz bevor Präsident McKay in einer feierlichen Versammlung als Präsident der Kirche und unser Prophet bestätigt wurde. Meine Frau Ruby und ich fuhren nach Salt Lake, um an der Konferenz teilzunehmen. Ich spürte den Geist, den Präsident McKay mit sich brachte; er war der Kirche damals ein bedeutender Führer. Später lud ich ihn nach Kalifornien ein und bat ihn, ein Gemeindehaus zu weihen, das wir gerade fertiggestellt hatten. Damals brachten wir noch die Hälfte des Geldes auf, um das Land zu kaufen, ebenso die Hälfte des Geldes für den Bau, anders als heute, aber wir fühlten uns auch als wirkliche

Besitzer der Grundstücke und Gemeindehäuser der Kirche. Präsident McKay nahm meine Einladung an, was mich überraschte. Wir holten ihn vom Zug ab und freuten uns, daß er zu uns nach Hause kam. Das hat mir einen neuen Einblick in die wahrhaft weitreichende, wichtige Mission vermittelt, die wir hier auf der Erde zu erfüllen haben.

Später hat Präsident Spencer W. Kimball mich sehr beeinflußt. Ich erwähne nur einige wenige der Präsidenten der Kirche, weil wir heute morgen nicht soviel Zeit haben. Präsident Kimball war uns ein großartiger Lehrer! Auf seine wundervolle Art hat er aus den heiligen Schriften gelehrt und die Grundsätze und Richtlinien und die Lehre auf eine Weise erörtert, daß wir im Herzen emporgehoben wurden. Er hat einmal eine Geschichte von einem jungen Soldaten erzählt, der gerade einberufen worden war. Er hatte seinen Eltern einen Brief geschrieben und ihnen berichtet, er sei gerade auf dem Schießstand gewesen und habe gelernt, wie man eine Handgranate wirft. „Zuerst haben wir mit Attrappen geübt, und dabei habe ich etwas über 10 Meter weit geworfen. Aber heute haben sie uns die echten Granaten gegeben, und da habe ich fast 30 Meter weit geworfen.” Präsident Kimball konnte uns auf eine Weise ansprechen, daß uns bewußt wurde, was zu tun war.

Ich möchte Sie daran erinnern, daß wir vor sechs Monaten im Anschluß an die Konferenz nach Hause gegangen sind, um uns ein Fernsehprogramm anzuhören. Wir haben uns um Präsident Gordon B. Hinckley Sorgen gemacht.

(Ich hatte die Ehre, ihn einige Jahre beobachten zu dürfen, ehe er unser Prophet und Führer wurde. Ich habe gesehen, wie behutsam er die Angelegenheiten der Kirche wahrgenommen hat, während er drei Präsidenten als Ratgeber gedient hat.) Präsident Hinckley sollte in einer Fernsehsendung auftreten, die im ganzen Land ausgestrahlt wurde, und wir waren sehr gespannt. Wir wußten, wie wichtig es war und was es für uns bedeutete. Wir wußten, wie viele Stunden des Betens und Nachsinnens und Studierens unser Prophet damit zugebracht hatte, sich auf diesen Auftritt vorzubereiten, bei dem ihn, wie wir erfahren hatten, rund 35 Millionen Menschen sehen sollten. Sie werden sich erinnern, wie ich mich jetzt erinnere, mit welcher Spannung wir diesem Ereignis entgegengesehen haben. Als die Sendung vorbei war, schlug mir das Herz bis zum Halse, daß ich fast das Gefühl hatte, es würde zerspringen. Ich war von Freude und Dankbarkeit gegenüber dem Herrn erfüllt. Unser Prophet war schließlich von einem Mann interviewt worden, der den Ruf hat, daß er Fragen stellt, die schwer zu beantworten sind. Welche Freude es für uns war, zu erleben, wie unser Prophet gesehen und großgemacht worden war! Als ich sein Gesicht im Fernsehen sah, und Sie haben sicher genauso reagiert, wurde mir klar, daß jetzt viele Menschen sahen, wie ein Prophet Gottes aussieht: ein gütiger, guter, gutaussehender Mann, rein und intelligent. Man konnte den hervorragenden Charakter, die Persönlichkeit unseres Propheten sehen, den ja auch diese vielen,

vielen Menschen gesehen haben. Und als dann der Interviewer Präsident Hinckley fragte: „Glauben Sie wirklich diese Geschichte, daß dem Jungen in einem Wald himmlische Wesen erschienen sind? Glauben Sie wirklich daran, daß das wahr ist?”, da sagte unser Prophet augenblicklich: „Natürlich! Ist es nicht großartig?”

Diese Worte klingen seitdem immer noch in mir nach. Natürlich! Ist es nicht großartig?” Das hat er so voller Zuversicht und mit seiner großartigen Persönlichkeit gesagt und es der ganzen Welt verkündet. Wir möchten, daß Präsident Hinckley weiß, daß seitdem die Missionsarbeit dort, wo die Leute die Sendung gesehen haben, Aufschwung nimmt, desgleichen die Aktivität der Mitglieder. Es interessieren sich mehr Leute für die Kirche, weil sie einen lebenden Propheten gesehen haben, der sich vor diese riesige Menschenmenge hingestellt und der Welt verkündet hat: „Natürlich! Ist es nicht großartig?” Wir hoffen und beten, daß die Missionare in der ganzen Welt das gleiche Gefühl und den gleichen Einblick haben und genauso fest entschlossen sind - daß sie diese Botschaft der Hoffnung und der Errettung und des ewigen Lebens der ganzen Welt verkünden.

Ich danke dem Herrn jeden Tag, daß ich gesund und fest entschlossen bin, jede Stunde, die ich noch auf der Erde habe, nach besten Kräften zu nutzen, um dieses Werk verbreiten zu helfen. Ich lasse Ihnen meine Liebe, mein Zeugnis und meine feste Erkenntnis und Überzeugung, daß dieses Werk wahr ist. Im Namen Jesu Christi, amen.