Das Licht Christi
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    Das Licht Christi

    Wer berufen ist, das Evangelium zu verkünden, das Evangelium zu lehren oder nach dem Evangelium zu leben, sollte das Folgende wissen

    Die meisten Mitglieder der Kirche haben Grundkenntnisse über den Heiligen Geist. Die meisten haben seine Eingebungen erfahren und verstehen, warum der Heilige Geist der Tröster genannt wird.

    Sie wissen: „Der Heilige Geist … ist eine Person aus Geist“ (LuB 130:22), und er ist Mitglied der Gottheit (siehe 1. Glaubensartikel).

    Viele wissen aber nicht, dass es noch einen anderen Geist gibt: „das Licht Christi“ (LuB 88:7) – eine weitere Quelle der Inspiration, die ein jeder von uns ebenso hat wie jeder andere Mensch auf Erden auch. Wenn wir um das Licht Christi wissen, begreifen wir auch, dass es in allen Menschen etwas gibt, was wir in unserem Bestreben, die Wahrheit zu verbreiten, ansprechen können.

    Der Heilige Geist und das Licht Christi sind nicht dasselbe. In der Schrift wird beides manchmal mit denselben Worten beschrieben, doch sind sie ganz unterschiedlicher Natur. Es ist wichtig, dass Sie über beide etwas wissen.

    Je mehr wir über das Licht Christi wissen, desto besser verstehen wir das Leben und desto mehr sind wir von tiefer Liebe zur gesamten Menschheit durchdrungen. Wir werden bessere Lehrer, Missionare, Eltern und bessere Männer, Frauen, Kinder. Wir empfinden größere Wertschätzung sowohl für unsere Brüder und Schwestern in der Kirche als auch für die Menschen, die nicht glauben und denen die Gabe des Heiligen Geistes noch nicht zuteil geworden ist.

    Das Licht Christi wird in der Schrift beschrieben als „der Geist, [der] jedem Menschen, der in die Welt kommt, Licht“ gibt (LuB 84:46, Hervorhebung hinzugefügt), und als „das Licht, das in allem ist, das allem Leben gibt, das das Gesetz ist, wodurch alles regiert wird“. (LuB 88:13; siehe auch Johannes 1:4-9; LuB 84:45-47; 88:6; 93:9.)

    Die Schrift nennt das Licht Christi auch den „Geist Jesu Christi“ (LuB 84:45), den „Geist des Herrn“ (2 Korinther 3:18; siehe auch Mosia 25:24), den „Geist der Wahrheit“ (LuB 93:26), das „Licht der Wahrheit“ (LuB 88:6), den „Geist Gottes“ (LuB 46:17) und „den Heiligen Geist“ (LuB 45:57). Mit einigen dieser Begriffe wird auch der Heilige Geist bezeichnet.

    Die Erste Präsidentschaft hat geschrieben: „Es gibt eine überall verbreitete Essenz, die das Licht und das Leben der Welt ist, ,das jeden Menschen erleuchtet‘, der in die Welt kommt; von der Gegenwart Gottes geht sie aus durch die Unermesslichkeit des Raumes. Sie ist das Licht und die Kraft, die Gott in unterschiedlichem Maße denen gewährt, ,die ihn bitten‘, und zwar gemäß ihrem Glauben und Gehorsam.“1

    Ob man dieses innere Licht, dieses Wissen um richtig und falsch nun das Licht Christi, Ethik oder das Gewissen nennt – es kann uns dazu anleiten, unser Handeln zu mäßigen; das heißt natürlich, sofern wir es nicht unterdrücken oder zum Schweigen bringen.

    Jedes Geistkind des Himmlischen Vaters tritt ins Erdenleben ein, um einen physischen Körper zu erhalten und geprüft zu werden.

    „Der Herr sprach: … Sie sind das Werk meiner eigenen Hände, und ich gab ihnen ihre Erkenntnis an dem Tag, da ich sie erschuf; und im Garten von Eden gab ich dem Menschen seine Selbständigkeit.“ (Mose 7:32.)

    „Darum sind die Menschen gemäß dem Fleische frei; und alles ist ihnen gegeben, was für den Menschen notwendig ist. Und sie sind frei, um Freiheit und ewiges Leben zu wählen durch den großen Mittler für alle Menschen oder um Gefangenschaft und Tod zu wählen gemäß der Gefangenschaft und Macht des Teufels.“ (2 Nephi 2:27.)

    Wir wissen also, dass „jedermann in der Lehre und dem Grundsätzlichen, was die Zukunft betrifft, gemäß der sittlichen Selbständigkeit handeln kann [der Begriff Entscheidungsfreiheit kommt in den Offenbarungen nicht vor], die ich ihm gegeben habe, damit jedermann am Tag des Gerichts für seine Sünden selbst verantwortlich sei.“ (LuB 101:78; Hervorhebung hinzugefügt.)

    Wir werden ermahnt: „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thessalonicher 5:19.) Wir können also sehen: „Die Menschen sind genügend unterwiesen, um gut von böse zu unterscheiden.“ (2 Nephi 2:5; siehe auch 2 Nephi 2:27.) Sie können selbst bestimmen, und sie sind verantwortlich.

    Der Geist Christi fördert alles, was gut ist, ja, jede Tugend (siehe Moroni 7:16). Leuchtend, unzerstörbar stellt er sich gegen alles, was anstößig, hässlich, lästerlich, böse oder schlecht ist (siehe Moroni 7:17).

    Das Gewissen beweist, dass der Geist Christi wirklich in jedem Menschen ist. Es beweist, dass es gut und böse wirklich gibt, ebenso Gerechtigkeit, Erbarmen, Ehre, Mut, Glaube, Liebe und Tugend und auch die notwendigen Gegensätze, nämlich Hass, Gier, Brutalität, Neid (siehe 2 Nephi 2:11,16). Solche Werte sind zwar nicht mit den Händen zu greifen, aber das Prinzip von Ursache und Wirkung gilt für sie ebenso gewiss wie für jedes physische Gesetz auch (siehe Galater 6:7-9). Der Geist Christi ist so etwas wie ein „Schutzengel“, den jeder Mensch hat.2

    Der Geist Christi kann alle erleuchten – den Erfinder, den Wissenschaftler, den Maler, den Bildhauer, den Komponisten, den Schauspieler, den Architekten, den Schriftsteller –, sodass sie Großes und Inspiriertes schaffen, das der Menschheit zum Nutzen und zum Segen gereicht.

    Der Geist kann dem Bauern auf dem Feld und dem Fischer im Boot Eingebungen zuteil werden lassen. Er kann den Lehrer im Unterricht erleuchten und den Missionar bei der Unterweisung. Er kann den Schüler inspirieren, der im Unterricht zuhört. Und er kann – das ist besonders wichtig – Mann und Frau, Vater und Mutter Eingebungen zukommen lassen.

    Das innere Licht kann den Menschen warnen und schützen und leiten. Es wird jedoch von allem, was gemein, unwürdig, schlecht, unsittlich oder egoistisch ist, abgestoßen.

    Das Licht Christi hat in uns schon existiert, ehe wir geboren wurden (siehe LuB 93:23,29,30), es bleibt in uns jeden Augenblick unseres Lebens und es geht auch nicht zugrunde, wenn unsere sterbliche Hülle zu Staub geworden ist. Es besteht immer.

    Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind aus jedem Land, von jeglichem Glaubensbekenntnis und jedweder Hautfarbe – einfach ein jeder, ganz gleich, wo er lebt, woran er glaubt und was er tut – trägt in sich das unvergängliche Licht Christi. In dieser Hinsicht sind alle Menschen gleich. Das Licht Christi, das in jedem Menschen ist, ist ein Zeugnis dafür, dass Gott nicht auf die Person sieht (siehe LuB 1:35). Er behandelt alle gleich, indem er sie mit dem Licht Christi ausstattet.

    Lehrer, Missionare und Eltern müssen wissen, dass der Heilige Geist durch das Licht Christi wirken kann. Wer als Lehrkraft die Wahrheiten des Evangeliums lehrt, pflanzt einem Erwachsenen oder einem Kind nichts Fremdes, ja, nicht einmal etwas Neues ein, denn der Missionar oder der Lehrer stellt lediglich den Kontakt zum Geist Christi her, der ja bereits vorhanden ist. Das Evangelium klingt dem, der unterwiesen wird, vertraut. Was gelehrt wird, soll die, die zuhören, davon überzeugen, „dass JESUS DER CHRISTUS ist, der EWIGE GOTT, der sich allen Nationen kundtut.“ (Vorwort zum Buch Mormon.)

    Im Laufe seines irdischen Wirkens lehrte Jesus das Evangelium und legte die Grundlage für seine Kirche. Diese Grundlage besteht aus Steinen der Lehre, die für das menschliche Auge nicht zu sehen sind und die sich nicht ertasten lassen. Sie sind unsichtbar und nicht greifbar. Sie nutzen sich nicht ab, sie vergehen nicht. Sie gehen nicht zugrunde, sie lösen sich nicht auf, sie lassen sich nicht zerstören. Diese Steine der Lehre sind unvergänglich und ewig.

    Sie haben bereits bestanden, „ehe die Welt war“ (LuB 124:38), und zwar schon „vor der Grundlegung der Welt“ (LuB 124:41). Auf diesen Steinen hat Christus seine Kirche errichtet.

    Jesus sprach von dem Stein, „den die Bauleute verworfen haben“ (Matthäus 21:42). Dann hüllte die Nacht des Abfalls vom Glauben die Erde in Dunkelheit. Die Linie der Priestertumsvollmacht wurde unterbrochen. Doch die Menschen waren nicht völliger Finsternis überlassen. Sie waren nicht ganz ohne Offenbarung oder Inspiration. Es ist ein Trugschluss, wenn man meint, mit der Kreuzigung Jesu hätten sich die Himmel verschlossen und wären erst mit der ersten Vision wieder aufgetan worden. Das Licht Christi war überall, um sich der Kinder Gottes anzunehmen, und der Heilige Geist tat sich den Suchenden kund. Die Gebete der Rechtschaffenen blieben nicht unbeantwortet.

    Das Übertragen der Gabe des Heiligen Geistes musste warten, bis das Priestertum wiederhergestellt und die Evangeliumszeit der Fülle eingeleitet worden war, in der dann alles kundgetan werden sollte. Die Tempelarbeit – die heiligen Handlungen – sollten dann offenbart werden. Nun konnten diejenigen erlöst werden, die zu all den Generationen gehört hatten, für die diese unerlässlichen heiligen Handlungen unerreichbar waren, für die die Taufe nicht vollzogen werden konnte. Gott lässt seine Kinder nie im Stich. Er hat die Erde noch nie im Stich gelassen.

    Als dann das Evangelium in seiner Fülle wiederhergestellt worden war, wurde die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage auf genau der gleichen Grundlage aus Steinen der Lehre errichtet.

    Weil wir das meiste mit Hilfe unserer Sinnesorgane lernen, kann es ziemlich schwierig sein, Lehren zu vermitteln, die man weder sehen noch anfassen kann. Jesus, der Meisterlehrer, hat diese Lehren vermittelt. Und auch heute lassen sie sich auf dieselbe Weise weitergeben. Ich möchte Ihnen zeigen, wie er, der Meisterlehrer, sie gelehrt hat.

    Sie können dahin gelangen, dass Sie geistige Wahrheiten so unmissverständlich begreifen, als ob diese Steine der Lehre fassbar wären wie etwa Granit, Feuerstein oder Marmor. Marmor fügt sich der Hand des Bildhauers und enthüllt, was zuvor in der ungeformten Materie verborgen lag und nur vom Künstlerauge erkannt wurde. Genauso können Sie andere anleiten, dass sie diese unsichtbaren, nicht greifbaren Steine der Lehre sehen – somit also begreifen – lernen.

    Die Art und Weise, wie der Heiland gelehrt hat und wie auch Sie lehren können, ist schlicht und tiefgründig zugleich. Wenn Sie einen konkreten Gegenstand nehmen, der die Lehre symbolisch darstellt, können auch Sie so lehren, wie er gelehrt hat. Der Lehrer kann die Lehre mit einem bereits bekannten Gegenstand in Verbindung bringen – mit etwas, was man mit den Augen sehen kann.

    Jesus verglich etwa den Glauben mit einem Samenkorn – mit dem kleinen Senfkorn, das ein jeder sehen und anfassen konnte. Er sprach darüber, dass der Same genährt werden muss, denn nur so kann er wachsen und Frucht bringen und zu einem Baum werden (siehe Lukas 13:19).

    Er verglich das Himmelreich mit einem Alltagsgegenstand, den jeder sehen konnte. Es ist, so sagte er, „mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen“ (Matthäus 13:47). Und weiter sagte er: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“ (Matthäus 13:44.)

    Christus hat als Sinnbild, als Beispiel ganz alltägliche Gegenstände verwendet, etwa Salz (siehe Matthäus 5:13; Markus 9:49,50; Lukas 14:34) oder Kerzen (siehe Matthäus 5:15; Markus 4:21; Lukas 8:16; 11:33-36; Offenbarung 18:23), den Regen (siehe Matthäus 7:25-27) und den Regenbogen (siehe Offenbarung 4:3; 10:1). Die vier Evangelien sind voll solcher Beispiele. Auch im Buch Mormon, im Buch Lehre und Bündnisse und in der Köstlichen Perle gibt es Dutzende solcher Hinweise. Man findet sie überall. Das macht eine Geschichte, ein Gleichnis aus – ein lebensnahes Beispiel, das einen Grundsatz oder eine Lehre veranschaulicht, die an sich unsichtbar und nicht greifbar ist.

    Christus hat einmal in Matthäus, einmal in Lukas, dreimal im Buch Mormon und dreimal im Buch Lehre und Bündnisse über eine Henne und ihre Küken gesprochen (siehe Matthäus 23:37; Lukas 13:34; 3 Nephi 10:4-6; LuB 10:65; 29:2; 43:24). Jeder – selbst ein kleines Kind – kennt Hennen und Küken.

    Der Glaube ist freilich nicht ganz genau wie ein Samenkorn, und das Himmelreich ist auch nicht ganz genau wie ein Netz oder ein Schatz oder der Sauerteig (siehe Lukas 13:21) oder wie ein „Kaufmann, der schöne Perlen suchte“ (Matthäus 13:45). Aber mit solchen Beispielen konnte Jesus seinen Jüngern die Augen öffnen – nicht die natürlichen Augen, sondern die Augen ihres Verständnisses (siehe Matthäus 13:15; Johannes 12:40; Apostelgeschichte 28:27; Epheser 1:18; 2 Nephi 16:10; LuB 76:12,19; 88:11; 110:1).

    Mit den Augen unseres Verständnisses sehen wir das, was geistig ist. Tut unser Sinn sich auf, dann können wir das, was geistig ist, begreifen und fühlen. Dann vermögen wir das zu sehen und zu fühlen, was den körperlichen Sinnen verborgen ist. Wie Sie wissen, sagte Nephi zu seinen Brüdern, die sich auflehnten und die Botschaft des Engels verwarfen: „Ihr hattet kein Gefühl mehr dafür, und so konntet ihr seine Worte nicht fühlen.“ (1 Nephi 17:45; Hervorhebung hinzugefügt.)

    Paulus schreibt an die Korinther: „Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes …

    Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten.

    Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.“ (1 Korinther 2:10,13,14.)

    In neuzeitlicher Offenbarung spricht Christus von dem „Licht, das leuchtet und euch Licht gibt“ und „euch die Augen erleuchtet, und das ist dasselbe Licht, das euch das Verständnis belebt“ (LuB 88:11).

    Ich kenne keine andere Weise, wie man über das Licht Christi sprechen könnte, als dass man es so macht wie der Herr, wenn er seinen Jüngern unsichtbare, nicht greifbare Wahrheiten vermittelt hat.

    Um das Licht Christi zu beschreiben, will ich es mit dem Licht der Sonne vergleichen. Das Licht der Sonne kennt ein jeder; es ist überall; man kann es sehen und spüren. Ohne Sonnenlicht gäbe es kein Leben.

    Das Licht Christi ist wie das Sonnenlicht. Es ist ebenfalls überall und wird jedem Menschen zuteil.

    So, wie die Dunkelheit verschwinden muss, wenn die Sonne scheint, muss auch das Böse vor dem Licht Christi fliehen.

    Im Licht der Sonne kann keine Dunkelheit herrschen. Die Finsternis ist dem Licht untertan. Vielleicht verschwindet die Sonne manchmal hinter Wolken oder ist aufgrund der Drehung der Erde nicht zu sehen, doch die Wolken verziehen sich ja wieder, und die Erde dreht sich weiter.

    Wir wissen, dass es gemäß dem Plan „notwendigerweise so sein [muss], dass es in allen Dingen einen Gegensatz gibt“ (2 Nephi 2:11).

    Mormon hat warnend darauf hingewiesen, dass „der Teufel … keinen Menschen dazu [bewegt], dass er Gutes tut, nein, nicht einen; auch seine Engel tun das nicht; auch die tun das nicht, die sich ihm unterwerfen.

    Und … in Anbetracht dessen, dass ihr das Licht kennt, mit dem ihr urteilen könnt, und dieses Licht ist das Licht Christi, seht zu, dass ihr nicht unrecht urteilt“ (Moroni 7:17,18).

    Dieses lebenspendende Licht Christi ist in Ihnen. Der Böse versucht, es zu verdecken. Es kann so sehr von verwirrenden Wolken bedeckt sein, dass Sie vielleicht meinen, es existiere gar nicht.

    So, wie das Sonnenlicht ein natürliches Desinfektionsmittel ist, vermag auch der Geist Christi den Geist zu reinigen.

    Jeder Mensch, ganz gleich, wer er ist oder wo oder wann er lebt, ist ein Kind Gottes. Unsere Aufgabe ist es, Folgendes zu lehren: „Es ist der Geist im Menschen, des Allmächtigen Hauch, der ihn verständig macht“ (Ijob 32:8).

    Präsident Joseph Fielding Smith hat über die Lehre vom Heiligen Geist und vom Geist Christi gesagt: „Der Heilige Geist kann sich jedem Menschen kundtun, selbst wenn der Betreffende gar nicht der Kirche angehört, sofern er nur ernsthaft nach Licht und Wahrheit strebt. Der Heilige Geist kommt und gibt diesem Menschen das Zeugnis, wonach er strebt, doch dann zieht er sich wieder zurück und der Mensch hat keinen Anspruch auf weitere oder ständige Kundgebungen des Heiligen Geistes. Er kann jedoch ständig durch jenen anderen Geist, nämlich den Geist Christi, geführt werden.“3

    Der Geist Christi ist immer da. Er verschwindet nie. Er kann gar nicht verschwinden.

    Jedermann auf Erden hat also bereits den Geist Christi. Der Einfluss des Heiligen Geistes kann sich zwar auch jedermann kundtun, doch die Gabe des Heiligen Geistes erlangt nur der, der „die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums [befolgt]“ (3. Glaubensartikel) und sich durch „die Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung“ taufen lässt und „das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes“ empfängt (4. Glaubensartikel). Diese Gabe besteht nicht automatisch wie etwa der Geist Christi. Sie muss durch jemand übertragen werden, der dazu bevollmächtigt ist (siehe 5. Glaubensartikel).

    Das ist unser Auftrag: in jedem Menschen, dem wir begegnen, das Licht Christi zu nähren, das in ihm ist, und ihn so weit zu bringen, dass der Heilige Geist sich ihm kundtun kann. Zu gegebener Zeit kann er dann durch eine heilige Handlung die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Sie wird jedem Mitglied der Kirche übertragen.

    Sobald jemand die Gabe des Heiligen Geistes empfangen hat, kann er sie gemeinsam mit dem Licht Christi nutzen, das er ja bereits besitzt; dann steht seinem Verständnis das Evangelium in seiner Fülle offen. Der Heilige Geist kann auch durch das Licht Christi wirken.4

    Das Licht Christi ist so allumfassend wie das Sonnenlicht. Wo es Menschen gibt, da ist auch der Geist Christi. Jede lebende Seele besitzt diesen Geist. Er ist derjenige, der zu allem Guten führt. Er gibt das ein, was für die Menschen gut ist und ihnen zum Segen gereicht. Er nährt alles Gute.

    Mormon fordert uns auf, „im Licht Christi eifrig zu forschen, damit ihr Gut von Böse unterscheiden könnt; und wenn ihr alles Gute ergreift und es nicht verwerft, dann seid ihr gewiss ein Kind Christi“ (Moroni 7:19).

    Das Sonnenlicht kennt jeder. Wenn Sie den Geist Christi mit dem Licht der Sonne vergleichen, kommen Ihnen vielleicht eigene Erlebnisse in den Sinn. Es gibt ja nahezu unzählige Beispiele. Und ein kleines Kind kann sie ebenso verstehen wie ein Erwachsener – genau wie die Gleichnisse Jesu Christi leicht verständlich sind. Es sollte nicht allzu schwierig sein, jemand zu erklären, wie Offenbarung durch Licht zustande kommt, selbst wenn wir nicht genau wissen, wie Inspiration zustande kommt.

    Selbst der Mensch mit all seinen Einschränkungen vermag Botschaften durch ein Glasfaserkabel zu senden. Durch eine winzige Glasfaser – dünner als jedes menschliche Haar – können 40 000 Botschaften gleichzeitig übertragen werden. Anschließend werden sie entschlüsselt und können als Bild, Ton, Farbe oder sogar als Film dargestellt werden. So etwas vermag der Mensch.

    Und ein Laserstrahl, der weder Draht noch Fasern hat, kann pro Sekunde 100 Milliarden Informationsteilchen leiten.

    Wenn schon der Mensch solches vermag, wieso sollten wir dann über die Verheißung staunen, dass das Licht Christi in uns allen ist und dass der Heilige Geist zu einem jeden von uns kommen kann?

    Es sollte also nicht allzu schwierig sein zu begreifen, wie die Kinder Gottes auf Erden sowohl durch den Geist Christi als auch durch den Heiligen Geist Offenbarung von Gott bekommen können.

    Das Licht Christi wird überall in den Schriften erwähnt. Besonders oft kommt die Lehre vom Licht Christi im Buch Lehre und Bündnisse vor. Dort lesen wir beispielsweise vom „Licht der Wahrheit; und diese Wahrheit leuchtet. Dies ist das Licht Christi. So ist er auch in der Sonne und das Licht der Sonne und die Macht davon, wodurch sie gemacht worden ist.“ (LuB 88:6,7.)

    Jeder gewöhnliche Lehrer, der die Lehre vermitteln und von Geistigem Zeugnis geben muss, kennt aus eigener Erfahrung Beispiele aus dem Alltag, mit denen er das, was geistig ist, vergleichen kann.

    Und so kann man durch den Einfluss des Heiligen Geistes, des Trösters, das Licht Christi entfachen. Uns wurde ja gesagt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14:26.)

    Präsident Harold B. Lee hat gesagt: „Dieses Licht erlischt nie zur Gänze … [nämlich das Licht Christi], außer wenn wir die unverzeihliche Sünde begehen. Vielleicht ist die Flamme so schwach, dass wir sie kaum sehen können, und doch ist sie da, und wir können daraus ein Feuer entfachen, das immer heller erstrahlt, je mehr wir verstehen und wissen. Andernfalls hätten wir überhaupt keinen Erfolg. Die Missionsarbeit würde nichts bewirken.“5

    Wenn wir begreifen, dass das Licht Christi wirklich in jedem Menschen ist, dem wir begegnen, und bei jeder Versammlung, die wir besuchem, und in uns selbst, und wenn wir verstehen, vor welch großen Herausforderungen wir stehen – das Umfeld, in dem wir leben, die Gefahren, die uns von Zeit zu Zeit drohen –, dann finden wir Mut und Inspiration weit über das hinaus, was wir bisher gekannt haben. So muss es sein! Und so wird es auch sein! Dies ist ein Bereich der Wahrheit des Evangeliums, der noch zu wenig verstanden wird.

    Versuchen Sie bitte, eifrig und mit Gebet die Bedeutung dieser Grundsätze zu erkennen, und setzen Sie sie sodann in die Tat um. Denn wenn Sie das tun, empfangen Sie das Zeugnis, dass das Evangelium Jesu Christi wahr ist, dass es tatsächlich wiederhergestellt worden ist und dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage „die einzige wahre und lebendige Kirche auf dem Antlitz der ganzen Erde“ ist (LuB 1:30). Jesus ist der Messias, der Sohn Gottes, der Einziggezeugte des Vaters. Von ihm geht das Licht Christi aus, das alle Menschen erleuchtet.

    Mögen Sie, die Sie als Missionar oder Lehrer berufen sind, und Sie, die Sie Eltern sind, sich laben „an den Worten von Christus; denn siehe, die Worte von Christus werden euch alles sagen, was ihr tun sollt“ (2 Nephi 32:3). Im Namen Jesu Christi. Amen.

    Nach einer Ansprache vom 22. Juni 2004 beim Seminar für neue Missionspräsidenten in der Missionarsschule in Provo in Utah.