2004
Die Anwendung der klaren und einfachen Evangeliumsgrundsätze in der Familie
Mai 2004


Die Anwendung der klaren und einfachen Evangeliumsgrundsätze in der Familie

Die einfachen und klaren Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi … müssen in unserer Familie fest verankert sein, damit unser Familienleben wirklich glücklich sein kann.

In der Allgemeinen FHV-Versammlung im September 1998 hat Präsident Gordon B. Hinckley erklärt: „Ich denke, dass fast alle unsere Probleme in der Familie entstehen. Wenn sich da also etwas ändern, etwas verbessern soll, wenn man zu den althergebrachten und geheiligten Werten zurückkehren will, dann muss damit in der Familie begonnen werden. Dort lernt ein Kind die Wahrheit, dort wird es zur Redlichkeit erzogen, dort wird Wert auf Selbstdisziplin gelegt und dort wird Liebe gepflegt.“ („Im Licht des Herrn leben“, Der Stern, Januar 1999, Seite 117.)

Zu den althergebrachten und geheiligten Werten, zu denen wir zurückkehren sollen, gehören die einfachen und klaren Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi. Diese müssen in unserer Familie fest verankert sein, damit unser Familienleben wirklich glücklich sein kann.

Präsident Wilford Woodruff hat erklärt: „Der Herr hält eine große Zahl von Grundsätzen für uns bereit; und die größten Grundsätze, die er für uns hat, sind völlig klar und einfach. Die ersten Grundsätze des Evangeliums, die uns zum ewigen Leben führen, sind die allereinfachsten; und doch gibt es keine, die herrlicher und wichtiger für uns sind.“ („Remarks“, Deseret News, 1. April 1857, Seite 27.)

Gerade weil diese Grundsätze so klar und einfach sind, werden sie oft außer Acht gelassen, wenn man vor Herausforderungen steht, die sich auf das Familienleben auswirken. Manchmal neigen wir dazu zu glauben, eine Lösung müsse umso größer und komplexer sein, je schwerwiegender das Problem ist. Aufgrund dieser Vorstellung nehmen wir vielleicht die Hilfe von Menschen oder Einrichtungen außerhalb der Familie in Anspruch, obwohl es doch eigentlich das Beste ist, die herrlichen Grundsätze des Evangeliums auf alltägliche Verrichtungen und Aufgaben in der Familie anzuwenden. Die heiligen Schriften halten uns vor Augen: „Durch Kleines und Einfaches wird Großes zustande gebracht.“ (Alma 37:6.)

In „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ erklären die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel: „Erfolgreiche Ehen und Familien gründen und sichern ihren Bestand auf den Prinzipien Glaube, Gebet, Umkehr, Vergebungsbereitschaft, gegenseitige Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung.“ (Der Stern, Oktober 1998, Seite 24.)

Wenn wir diese Grundsätze genauer betrachten, sehen wir, dass die meisten von ihnen in Beziehung zueinander stehen und einander ergänzen. Die Kraft, die es möglich macht, sie in unser Leben einzubinden, beruht auf dem Sühnopfer unseres Erlösers und Erretters, Jesus Christus.

Diese Grundsätze wirken, sobald sie angewendet werden, wie ein Licht, das jedes Familienmitglied erleuchtet, und führen uns Stück für Stück dahin, dass wir weitere verwandte Werte und Grundsätze annehmen, die die Beziehungen in der Familie stärken. Wir wissen: „Wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und jenes Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag.“ (LuB 50:24.)

Wenn es uns gelingt, auf der Basis dieser Grundsätze unsere Familie aufzubauen und zu bewahren, stellen wir fest, welch machtvollen Einfluss sie in Situationen haben, die unsere Familie Tag für Tag beeinflussen. Verletzungen, die durch die Reibereien des Zusammenlebens entstehen, werden geheilt. Beleidigungen werden vergeben. Demut, Mitgefühl und Liebe treten an die Stelle von Stolz und Selbstsucht.

Die Grundsätze, die wir für unser Leben auswählen, bestimmen, welchen Geist wir in unsere Beziehung zu anderen einbringen. Wenn wir einen Grundsatz annehmen, dann strahlen wir seinen Einfluss aus und andere spüren ihn.

In Anbetracht dessen, dass die Mächte des Bösen ihre Angriffe auf die Familie konzentrieren – wie in den Tagen des Propheten Mormon, als die Macht des Bösen sich auf dem ganzen Antlitz des Landes auswirkte (siehe Mormon 1:19) –, ist es für uns als Eltern heute wichtiger denn je, diese Grundsätze in unser Leben einzubinden und ihren Einfluss auszustrahlen, damit unsere Kinder diesen Einfluss wahrnehmen.

Ich möchte Ihnen jetzt zeigen, wie sich diese Grundsätze in die Praxis umsetzen lassen und dadurch dazu beitragen, dass die Auswirkungen des Sühnopfers für jeden Einzelnen und die Familie erreichbar werden. Dieser Prozess beginnt mit dem ersten Grundsatz des Evangeliums, dem Glauben.

In einer Welt der sich wandelnden Werte, wo das Böse gut und das Gute böse genannt wird (siehe Jesaja 5:20), erfüllen uns die von Mormon gesprochenen Worte mit Hoffnung und Zuversicht, dass nämlich Jesus Christus alle beansprucht, „die Glauben an ihn haben; und wer Glauben an ihn hat, wird an allem Guten festhalten“ (Moroni 7:28).

Der Glaube, der uns veranlasst, an allem Guten festzuhalten, gründet darauf, dass man das Wort Gottes hört (siehe Römer 10:17), und dieses Wort wird mit größerer Macht in den Lektionen des Familienabends und beim Schriftstudium der Familie gehört. Um Glauben zu entwickeln, gibt es keinen besseren Ort als die Familie, wo die Lektionen und praktischen Anwendungen Tag für Tag verwirklicht und gelebt werden.

Zu Hause lernen wir, dass der Glaube eng mit dem Sühnopfer verknüpft ist: „Das ist der Zweck dieses letzten Opfers, jenes herzliche Erbarmen zuwege zu bringen, das die Gerechtigkeit überwältigt und für den Menschen Mittel zuwege bringt, damit er Glauben zur Umkehr haben kann.“ (Alma 34:15.)

Hätte das Sühnopfer keinen Einfluss auf unser Leben, wäre es unmöglich, die Art von Glauben zu entwickeln, die für die Umkehr erforderlich ist, und damit würden wir außerhalb des wunderbaren Planes der Barmherzigkeit verbleiben, denn „derjenige, der keinen Glauben zur Umkehr ausübt, [ist] dem ganzen Gesetz mit seinen Forderungen der Gerechtigkeit ausgesetzt“ (Alma 34:16).

Umkehr, die Wandlung, die im Herzen stattfindet, wird aus der Liebe zum Herrn geboren und bringt uns dazu, uns von der Sünde zu entfernen und uns seinem Willen zu fügen. „Nur durch das Sühnopfer Christi kann [sie] wirksam und von Gott angenommen werden.“ (Schriftenführer, „Umkehr, umkehren“, Seite 205.)

Sobald Gott die Umkehr angenommen hat, führt uns der Prozess, den ich hier beschreibe, dahin, dass wir heilige Handlungen vollziehen lassen, wie die Taufe und die Konfirmierung, und die dazugehörigen Bündnisse schließen. Diese Bündnisse erneuern wir, wenn wir regelmäßig und würdig am Abendmahl teilnehmen – dann wird uns die Vergebung unserer Sünden zuteil.

Wenn wir die Sündenvergebung erlangt haben und bemüht sind, diesen Zustand zu bewahren, indem wir den Geboten gehorchen, dann erlangen wir, wie es im Buch Moroni beschrieben wird, Sanftmut und Herzensdemut; dies macht den Besuch des Heiligen Geistes möglich und dieser Tröster erfüllt mit Hoffnung und vollkommener Liebe, Liebe, die wir durch den Eifer bewahren, mit dem wir uns dem Beten widmen. (Siehe Moroni 8:26.)

Wer Sanftmut und Herzensdemut erlangt und den Heiligen Geist an seiner Seite hat, verspürt nicht den Wunsch, andere zu beleidigen oder zu verletzen, und lässt sich auch nicht von irgendwelchen Beleidigungen durch andere beeinflussen. Er behandelt seinen Ehepartner und seine Kinder mit Liebe und Respekt und hat zu allen, mit denen er zu tun hat, ein gutes Verhältnis. Wenn er eine Führungsposition in der Kirche innehat, wird er dieselben Grundsätze wie zu Hause anwenden und zeigen, dass er sich in den eigenen vier Wänden nicht anders verhält als im Umgang mit den Mitgliedern der Kirche.

Wenn wir nach Evangeliumsgrundsätzen wie Glaube, Umkehr, Liebe, Vergebung und Gebet leben, wie ich es eben beschrieben habe, werden sie zum besten Impfstoff gegen die Krankheit Sünde, die in der Familie in Form von Unmoral, Stolz, Neid, Streit, Missbrauch und anderen Verhaltensweisen auftreten kann, die sich auf die Beziehungen in der Familie auswirken und in Schmerz, Betrug und dem Zerfall der Familie enden.

Ob wir sie in unser Leben einbinden und anwenden, wann immer es notwendig sein mag, hängt ganz allein davon ab, wie wir unsere Entscheidungsfreiheit nutzen. Es ist ein einfacher Prozess, der uns allen möglich ist. Er basiert auf den grundlegenden Prinzipien des Evangeliums, die von jedem, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt, seit je erfolgreich angewandt werden.

Es ist unsere Pflicht, sie weiterhin einer Welt zu verkünden, die sie mehr denn je benötigt, denn:

„Hat er irgendjemandem geboten, nicht an der Errettung durch ihn teilzuhaben? Siehe, ich sage euch: Nein, sondern er gewährt sie allen Menschen frei, und er hat seinem Volk geboten, dass sie alle Menschen zur Umkehr bewegen.“ (2 Nephi 26:27.)

Ich bezeuge Ihnen, dass diese Grundsätze wahr sind. Ich bezeuge, dass das Sühnopfer Jesu Christi es möglich macht, sie in unser Leben einzubinden. Das weiß ich, weil ich gemeinsam mit meiner Familie danach strebe, im Einklang mit ihnen zu leben. Im Namen Jesu Christi. Amen.