In vielen Glaubensgemeinschaften gehört Psalm 91 zu den bekanntesten Psalmen in der Bibel. Es handelt sich um einen Psalm des Schutzes, des Vertrauens und der göttlichen Zuflucht. Seit Jahrhunderten sagen Gläubige die Psalmen auf oder singen sie, um Gott zu verehren. Geistliche Musik spielt schon seit langem eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, auf Gott hinzuweisen und Glauben an ihn auszuüben – und zwar nicht nur bei Christen und Juden, sondern über alle Glaubenstraditionen hinweg. Mit Musik lädt man Gott ein und bringt die eigene Hingabe zum Ausdruck. In diesem Zusammenhang haben die Worte von Psalm 91 besonderes Gewicht: die Verheißung von Zuflucht unter den Schwingen des Allmächtigen.
Die Geschichte des Buches Psalmen ist lang, kompliziert und nicht immer gewiss. Das Buch, wie wir es heute kennen, besteht aus einer Sammlung von Gedichten oder Liedern – Versen, die ursprünglich als Lieder geschrieben wurden und wahrscheinlich von ihren Verfassern und auch von anderen zur persönlichen Bekundung ihrer Hingabe verwendet wurden.
Im Laufe der Zeit wurde die Sammlung bei den Zeremonien in den Tempeln der alten Israeliten und auch beim gemeinsamen Gottesdienst immer beliebter. In der Wissenschaft ist man sich einig, dass einige der Psalmen im Tempel Salomos verwendet wurden und dass manche der Lieder möglicherweise aus der Feder König Davids und sogar des Mose stammten.
In Serubbabels Tempel wurden viele der Psalmen gesungen, die David, Asaf und den Söhnen Korachs zugeschrieben werden. Im Tempel des Herodes (der eine Erweiterung des Tempels Serubbabels war) wurde wohl der gesamte Psalter – oder das Buch der Psalmen – für die Gottesverehrung verwendet.
Das Buch der Psalmen wurde zwar etwa im dritten bis zweiten Jahrhundert v. Chr. offiziell als Teil der hebräischen Bibel (oder des Alten Testaments) anerkannt, wurde aber nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in seine heutige Form gebracht, sondern über viele Jahrhunderte hinweg und in fünf „Büchern“ oder Einheiten.
So gehen Teile des Psalters auf Mose zurück – von dem angenommen wird, dass er seine Psalmen im 15. Jahrhundert v. Chr. verfasst hat –, während der letzte der Psalmen hauptsächlich nach dem babylonischen Exil Israels (ca. 538 v. Chr. und später) niedergeschrieben wurde. Demnach wurde diese Prosasammlung über einen Zeitraum von etwa tausend Jahren verfasst, zwischen dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. zu einem einzigen Text zusammengestellt und schließlich etwa 200 Jahre vor der Geburt Jesu Christi als heilige Schrift kanonisiert.
Die meisten Psalmen wurden ursprünglich auf Hebräisch geschrieben, es gibt aber auch welche, die offenbar auf Aramäisch verfasst wurden. Vor der Zeit Jesu Christi wurde der vollständige Psalter (als Teil der Septuaginta) zwischen 150 und 100 v. Chr. ins Griechische übersetzt. Diese griechische Version der Psalmen ist wahrscheinlich die, auf die sich später der Erretter bezog. Circa 398 n. Chr. stellte Hieronymus eine lateinische Übersetzung der Psalmen als Teil seiner Vulgata-Bibel fertig. In den darauffolgenden Jahren wurden diese beliebten poetischen Bibelverse in zahlreiche Sprachen übersetzt und gehören heute zu der meistverwendeten Weisheitsliteratur aller Zeiten.
Was den 91. Psalm betrifft, so können wir nicht mit Sicherheit sagen, wer ihn verfasst hat. Dementsprechend wissen wir auch nicht, wann er ursprünglich niedergeschrieben wurde.
Es wird davon ausgegangen, dass von den 150 biblischen Psalmen knapp die Hälfte von König David verfasst wurden. 73 von ihnen werden mit seinem Namen in Verbindung gebracht, doch es könnte noch andere gegeben haben, die von ihm stammten, ihm aber nie zugeschrieben wurden. Zu den weiteren Autoren des Psalters gehören Asaf, Korachs Söhne, König Salomo, Mose und einige namentlich nicht genannte Lyriker und Dichter.
Auch wenn einige meinen, dass Psalm 91 von David verfasst wurde, gilt es zu bedenken, dass der Text selbst weder auf König David noch auf sonst jemandem als Verfasser verweist. Im Gegenteil, er enthält Hinweise, die die Aufmerksamkeit auf einen anderen Verfasser lenken, von dem bekannt ist, dass er an anderer Stelle an diesem biblischen Buch mitgewirkt hat.
Die Worte von Psalm 91 könnten als Antwort auf Psalm 90 geschrieben worden sein. In letzterem geht es darum, dass das Leben kurz und voller Schwierigkeiten ist. So lesen wir im 91. Psalm von Gottes verheißenem Schutz für sein Volk, den er ihm selbst in Zeiten großer Bedrängnis bieten wird.
Wenn Psalm 91 als Antwort auf oder Fortsetzung von Psalm 90 gedacht war (der als das „Gebet des Mose“ bekannt ist, weil er vermutlich von diesem frühen israelitischen Propheten geschrieben wurde), dann ist es möglich, dass der Autor des 91. Psalms ebenfalls Mose ist. Einige Wissenschaftler sehen zwischen den beiden Psalmen mehrere sprachliche und thematische Gemeinsamkeiten, was auf einen einzigen Verfasser schließen lassen könnte und so der Theorie Glaubwürdigkeit verleiht, dass diese beiden aufeinanderfolgenden Psalmen von Mose verfasst wurden.
Das Entstehungsdatum hängt davon ab, wer der Verfasser war. Wenn der Psalm tatsächlich von Mose geschrieben wurde, könnte er zwischen dem 15. und 13. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein. (Traditionell wird gemeinhin angenommen, dass Mose zwischen 1525 und 1405 v. Chr. lebte).
Wenn jedoch, wie teils vermutet, David der Verfasser war, muss er viel später geschrieben worden sein (etwa 11. bis 10. Jahrhundert v. Chr., da die Lebenszeit Davids traditionell auf etwa 1040 bis 970 v. Chr. datiert wird).
Letztendlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, wer diesen Psalm verfasste. Die meisten Indizien deuten jedoch auf Mose hin, woraus folgt, dass dieses heilige Lied im 15. Jahrhundert v. Chr. entstand.
Nachdem der Verfasser in Psalm 90 beklagt hat, wie kurz das Leben sein kann und wie schwer es fortwährend ist, legt Psalm 91 dar, dass Gott Bitten um Schutz, Barmherzigkeit und Segnungen erhört, indem er Jehova eingreifen lässt. Es folgt der Text des 91. Psalms, wie er in der Einheitsübersetzung wiedergegeben wird:
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In den heiligen Schriften finden sich eindrucksvolle Beispiele für Menschen, die ihr Vertrauen in Gott gesetzt haben. Im Buch Daniel werden Schadrach, Meschach und Abed-Nego wegen ihres Glaubens gefangen genommen und in einen Feuerofen geworfen. Die Flammen des Feuerofens waren so heiß, dass selbst die Männer, die sie schürten, zu Tode verbrannten (siehe Daniel 3:19-23).
Das Neue Testament, das Buch Mormon und das Buch Lehre und Bündnisse vermitteln uns auch, dass, selbst wenn Gott den Sieg in diesem Leben nicht schenkt, er letztendlich diejenigen befreien wird, die auf ihn vertrauen, und ihnen ewigen Triumph über diese Welt und alles Böse in ihr gewährt (siehe Epheser 6:11; Mosia 16:2; Lehre und Bündnisse 1:9,10; 35:13).
Im Buch Mormon wird von Helaman und seinem jungen ammonitischen Heer berichtet, die ihr Vertrauen und ihren Glauben in Gott setzten, als sie für die Verteidigung ihres Landes und ihrer Freiheit kämpften. Helaman schildert: „Solcherart nun ist der Glaube derjenigen, von denen ich gesprochen habe; sie sind jung, und ihr Sinn ist standhaft, und sie setzen ihr Vertrauen beständig in Gott.“ (Alma 57:27.)
Alma, ein Prophet im Buch Mormon, hat bezeugt, wie wichtig der Glaube an Jesus Christus ist: „Und in Prüfungen und Mühen jeder Art, ja, und in allerlei Bedrängnissen bin ich gestärkt worden; ja, Gott hat mich aus Gefängnis und aus Knechtschaft und vom Tod befreit; ja, und ich setze mein Vertrauen in ihn, und er wird mich weiterhin befreien.“ (Alma 36:27.)
In Psalm 91 werden alle Kinder Gottes aufgefordert, ihm zu vertrauen. Gott hat der Welt durch das Sühnopfer seines Sohnes Jesus Christus einen klaren Weg bereitet, der zu ihm zurück führt. Wenn wir unseren Willen mit dem des Erretters in Einklang bringen und unser Bestes geben, seinem Beispiel zu folgen, können wir in allen Prüfungen, denen wir hier auf der Erde begegnen, gestärkt und getröstet werden. Gott hat uns heilige Schriften, Propheten, Gebote, heilige Bündnisse und vieles mehr gegeben, um uns zu helfen, mit Jesus Christus und seinen Lehren in Einklang zu bleiben.
Die Verheißung in Psalm 91 bedeutet nicht, dass treue Nachfolger von den Schwierigkeiten und Prüfungen des Lebens frei sein werden. Gott verheißt den Gläubigen, dass sie durch ihre Herausforderungen und Prüfungen lernen können, ihm zu vertrauen und schließlich mehr wie er zu werden.
Christus steht in unserer Gemeinschaft im Mittelpunkt und wir geben unser Bestes, unsere Mitmenschen zu lieben und ihnen Gutes zu tun. Hier gibt es für jeden einen Platz.