Heilige Schriften
Psalmen 89


89

1 Ein Lehrgedicht (vgl. 32,1) von Ethan, dem Esrahiten.

2 Die Gnadenerweise†) des HErrn will ich allzeit besingen,bis zum fernsten Geschlecht deine Treue laut verkünden.

3 Denn du, Herr, hast verheißen:„Auf ewig soll der Gnadenbund aufgebaut sein”— fest wie den Himmel hast du deine Treue gegründet††)

4 „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten,„habe David, meinem Knecht, geschworen:

5 „‘Deinem Geschlecht will ich ewige Dauer verleihen„und aufbaun deinen Thron für alle Zeilen.’” Sela.

6 Da priesen die Himmel deine Wundertat, o HErr,dazu deine Treue in der Versammlung der Heiligen (d. h. Engel).

7 Denn wer in der Wolkenhöhe kommt dem HErrn gleich,ist dem HErrn vergleichbar unter den Gottessöhnen (d. h. Engeln),

8 dem Gott, der gefürchtet ist im Kreise der Heiligenund furchtbar über alle um ihn her?

9 HErr, du Gott der Heerscharen, wer ist dir gleich?Stark bist du, HErr, und deine Treue ist rings um dich her.

10 Du herrschest über das Ungestüm des Meeres:erheben sich seine Wogen, — du besänftigst sie.

11 Du hast Rahab (vgl. Hiob 9,13) zermalmt wie einen Durchbohrten,deine Feinde mit deinem starken Arm zerstreut.

12 Dein ist der Himmel, dein auch die Erde,der Erdkreis und seine Fülle — du hast sie gegründet;

13 Norden und Süden, — du hast sie geschaffen,der Thabor und Hermon bejubeln deinen Namen.

14 Du hast einen Arm voll Heldenkraft:stark ist deine Hand, deine Rechte hoch erhoben.

15 Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stützen,Gnade und Treue gehen vor dir her.

16 Wohl dem Volk, das zu jubeln versteht,das, o HErr, im Licht deines Angesichts wandelt:

17 ob deinem Namen frohlocken sie allezeit,ob deiner Gerechtigkeit sind sie hochgemut.

18 Denn du bist ihr Ruhm und ihre Stärke,und durch deine Gnade ragt hoch unser Horn (vgl. 75,5);

19 denn dem HErrn gehört unser Schild (vgl. 47,10)und dem Heiligen Israels unser König.

20 Damals (V. 3 u. 4) hast du in einem Gesicht zu deinem Frommen*) gesprochen:„Ich habe die Hilfe einem Helden übertragen,„einen Auserwählten über das Volk erhöht:

21 „ich habe David als meinen Knecht erfunden,„mit meinem heiligen Öl ihn gesalbt,

22 „damit meine Hand beständig mit ihm sei„und mein Arm ihm Stärke verleihe.

23 „Kein Feind soll ihn überlisten„und kein Ruchloser ihn überwältigen;

24 „nein, seine Gegner will ich vor ihm zerschmettern,„und die ihn hassen, will ich niederschlagen.

25 „Doch mit ihm soll meine Treue und Gnade sein,„durch meinen Namen soll sein Horn hoch ragen;

26 „ich will das Meer unter seine Hand tun„und seine Rechte auf die Ströme legen.

27 „Er soll zu mir rufen: ‘Mein Vater bist du,„‘mein Gott und der Fels meines Heils!’

28 „So will auch ich ihn zum Erstgeborenen (oder: Erstling) machen,„zum höchsten unter den Königen der Erde.

29 „Für immer will ich ihm meine Gnade bewahren,„und mein Bund soll fest ihm bleiben;

30 „für immer will ich sein Geschlecht erhalten„und seinen Thron, solange der Himmel steht.

31 „Wenn seine Söhne mein Gesetz verlassen„und nicht in meinen Rechten wandeln,

32 „wenn sie meine Satzungen entweihen„und meine Gebote nicht beachten:

33 „so werde ich zwar mit der Rute ihren Abfall strafen„und ihre Übertretung mit Schlägen,

34 „doch meine Gnade will ich ihm nicht entziehen„und meine Treue nimmer verleugnen;

35 „ich werde meinen Bund nicht entweihen (= ungültig machen)„und den Ausspruch meiner Lippen nicht ändern.

36 „Ein für allemal hab’ ich bei meiner Heiligkeit geschworen— „niemals werde ich David belügen —:

37 „‘Sein Geschlecht soll ewig bestehn,„sein Thron wie die Sonne vor mir,

38 „‘wie der Mond soll für immer er bleiben’:„der Zeuge in Wolkenhöhen ist treu!” Sela.

39 Und dennoch hast du verworfen und verstoßen,hast Zorn gegen deinen Gesalbten betätigt;

40 du hast den Bund mit deinem Knecht gebrochen,seine Krone entweiht und zu Boden geschleudert;

41 all seine Mauern hast du eingerissen,seine festen Plätze in Trümmer gelegt.

42 Es plündern ihn alle, die des Weges ziehen,seinen Nachbarn ist er zum Spott geworden.

43 Du hast den Arm seiner Dränger hoch erhoben*)und all seine Feinde mit Freude erfüllt;

44 auch hast du rückwärts gewandt sein scharfes Schwertund im Krieg ihn nicht aufrecht gehalten (siegreich erhalten);

45 du hast seinem Glanz ein Ende gemachtund seinen Thron zu Boden gestürzt;

46 du hast die Tage seiner Jugend verkürzt,hast ihn mit Schande bedeckt. Sela.

47 Bis wann, HErr, willst du dich ganz verbergen?bis wann soll lodern wie Feuer dein Zorn?

48 Bedenke, wie kurz meine Lebenszeit ist,wie vergänglich du alle Menschenkinder geschaffen!

49 Wo ist ein Mensch, der leben bleibt und den Tod nicht sieht,seine Seele errettet vor des Totenreichs Macht?

50 Wo sind deine früheren Gnadenverheißungen, Allherr,die du David zugeschworen in deiner Treue?

51 Gedenke, Allherr, der Schmach deiner Knechte,daß ich tragen muß in meinem Busenden Hohn von all den vielen Völkern,

52 womit**) deine Feinde, o HErr, geschmäht uns haben,womit**) geschmäht sie haben die Fußstapfen (= Maßnahmen) deines Gesalbten!

53 Gepriesen sei der HErr in Ewigkeit! Amen, ja Amen!

      • oder: Gnadenverheißungen.

      • A. Ü.: am Himmel hast du das Zeichen deiner Treue festgestellt (1. Mos.9,13).

      • Gemeint ist der Prophet Nathan (vgl. 2. Sam. Kap. 7). A. L.: zu deinen Frommen (d. h. zu der israelitischen Volksgemeinde).

      • d. h. seinen Drängern den Sieg verliehen.

      • Statt „womit = mit dem” ist auch „da ja” oder: „indem” zulässig.