Die Vorbereitung des Unterrichts
    Fußnoten

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    Die Vorbereitung des Unterrichts

    Die eigene Vorbereitung [4.1]

    Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Die Kraft kommt, wenn der Lehrer zu seiner Vorbereitung alles getan hat, was er kann, indem er im Einklang mit dem Geist lebt; und damit ist nicht nur die Vorbereitung auf den nächsten Unterricht gemeint. Wenn er lernt, sich – was Inspiration betrifft – auf den Geist zu verlassen, so kann er in der sicheren Gewissheit vor seine Schüler treten, dass er sie auch durch Inspiration unterrichtet.“ (Teach Ye Diligently, 1991, Seite 358f.)

    Die wichtigste und grundlegendste Aufgabe für jeden, der andere im Evangelium unterweist, besteht darin, sich geistig bereit zu machen. Ein wichtiger Teil dieser Vorbereitung ist es, nach dem Evangelium zu leben, um Hilfe und Führung zu beten, Glauben auszuüben und an Schulungsversammlungen teilzunehmen.

    Nach dem Evangelium leben [4.1.1]

    Wie treu der Lehrer das Evangelium lebt, wirkt sich in jeder Hinsicht auf seinen Unterricht aus. Es kann keine bessere Vorbereitung erfolgen als die, dass man ein würdiges Leben führt, um vom Heiligen Geist geführt und begleitet zu werden (siehe Abschnitt 1.2., „Leben“, Seite 2).

    Um Hilfe und Führung beten [4.1.2]

    Das Gebet ist ein fester Bestandteil der Vorbereitung auf den Unterricht (siehe LuB 42:14; 104:79,82). Ein Lehrer kann um die Hilfe des Geistes beten, damit er die Schriften und die Evangeliumsgrundsätze versteht, um Weisheit, damit er entscheiden kann, wie er diese Grundsätze am besten durch den Geist lehren kann, um Hilfe und Führung, noch ehe er mit dem Unterricht beginnt, und dafür, dass die Schüler bereit sind, den Geist zu verspüren und durch ihn belehrt zu werden. Er kann den Herrn um die Gabe der Unterscheidung bitten, damit er jeden Schüler besser verstehen kann, darum, dass er jeden Schüler erreicht, der gerade zu kämpfen hat, und um die Gabe der Nächstenliebe, damit ihm auch die Schüler am Herzen liegen, die es ihm vielleicht schwermachen (siehe Moroni 7:48).

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    Glauben ausüben [4.1.3]

    Der Abschnitt „Lehren“ in der Zielsetzung von Seminar und Institut beinhaltet, dass ein guter Lehrer das Vertrauen in die Macht des Wortes Gottes braucht, Glauben an den Herrn und an den Heiligen Geist haben und Vertrauen in seine Schüler setzen muss. Wenn ein Lehrer nicht erfolgreich ist, liegt das oftmals daran, dass ihm eines dieser Elemente fehlt.

    Vertrauen in die Macht des Wortes. Ein Lehrer ist vielleicht versucht zu denken, seine Schüler läsen nicht gerne in den heiligen Schriften oder er könne ihnen nicht jeden Tag die heiligen Schriften nahebringen und dabei ihr Interesse aufrechterhalten. Er muss sich jedoch vor Augen führen, dass die Schriften „die Worte des Lebens“ enthalten (LuB 84:85) und dass das Wort „eine mächtigere Wirkung auf den Sinn des Volkes [hat] als das Schwert oder sonst etwas“ (Alma 31:5).

    Elder Henry B. Eyring hat gesagt: „Ich flehe Sie an, um Ihretwillen und um der Schüler willen, Ihren Glauben auszuüben, damit Ihre Schüler den Wunsch haben, [die heiligen Schriften] zu lesen – dass Sie sie nicht zu den Schriften hinzerren müssen, sondern dass sie sich zu ihnen hingezogen fühlen. … Die Schriften stammen vom Herrn. Er hat Nephi gezeigt, wie man sie auf eine Weise liest, dass man sich zu ihnen hingezogen fühlt. Und das wird auch bei Ihren Schülern funktionieren.“ („The Book of Mormon Will Change Your Life“, CES-Symposium zum Buch Mormon, 17. August 1990, Seite 2.)

    Glaube an den Herrn und an den Geist. Die Aufgabe, junge Menschen in den Grundsätzen des Evangeliums zu unterweisen, kann sehr wohl das Gefühl der Unzulänglichkeit wecken. Aber weil es sich um das Werk des Herrn handelt, hilft der Herr auch allen, die ihn gläubig um Hilfe bitten. Mormon versichert uns: „Und Christus hat gesagt: Wenn ihr Glauben an mich habt, werdet ihr Macht haben, alles zu tun, was mir ratsam ist.“ (Moroni 7:33.)

    Ein Lehrer braucht den Glauben, dass der Herr weiß, was jeder Schüler braucht, und dass er sie segnen möchte. Er muss daran glauben, dass der Heilige Geist den Schülern die Evangeliumsbotschaft ins Herz trägt und ihnen gemäß dem, was sie brauchen und wie ihre jeweiligen Lebensumstände sind, eingibt, wie sie die Grundsätze des Evangeliums anwenden können. Der Lehrer darf nicht vergessen, dass dies der „Tröster [ist], der ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren“ (LuB 50:14).

    Vertrauen in die Schüler. Ein Lehrer braucht den Glauben, dass die Schüler mit der richtigen Anleitung und Motivation die Schriften verstehen können, dass sie lernen, die Lehren und Grundsätze zu erkennen, anderen das Evangelium nahezubringen und nach den Lehren des Evangeliums zu leben. Präsident J. Reuben Clark Jr. hat erklärt, wodurch sich die Schüler im Seminar- und Institutsunterricht auszeichnen:

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    „Die Jugendlichen der Kirche hungern nach Geistigem. Ihnen liegt sehr daran, das Evangelium zu lernen, und zwar unverwässert, in aller Klarheit. …

    Sie brauchen diesen geistig erfahrenen jungen Leuten nicht auf leisen Sohlen zu kommen und ihnen etwas über Religion ins Ohr zu flüstern. Sie können ganz deutlich sein und ihnen offen in die Augen schauen. Sie brauchen die Grundsätze unserer Religion nicht in einen weltlichen Mantel zu kleiden, Sie können offen und frei darüber sprechen.“ (Der vorgegebene Weg des Bildungswesens der Kirche, 2004, Seite 4, 10f.)

    Zuweilen hat man aufgrund der äußeren Erscheinung, des Verhaltens oder der Antworten eines Schülers den Eindruck, dass er nicht „nach Geistigem [hungere]“. Besonders unter diesen Umständen ist es wichtig, dass der Lehrer Glauben an das, was Präsident Clark dargelegt hat, ausübt. Elder Henry B. Eyring hat folgende tröstliche Verheißung ausgesprochen: „Unsere Schüler wissen vielleicht gar nicht, dass sie vor Hunger ohnmächtig werden, doch das Wort Gottes wird einen Durst stillen, von dem sie nicht wussten, dass sie ihn überhaupt haben, und der Heilige Geist wird die Worte in ihr Herz dringen lassen.“ („Wir müssen unseren Blick heben“, CES-Fireside über das Buch Mormon vom 14. August 2001.)

    Ein Lehrer, der bestrebt ist, das Ziel von Seminar und Institut zu erreichen, und an die Macht des Wortes, an den Herrn, den Heiligen Geist und an die Schüler glaubt, überprüft sich ständig.

    Er fragt sich:

    1. Trägt mein Unterricht dazu bei, dass die Schüler ihr Verständnis des Gotteswortes vertiefen und es mehr zu schätzen wissen?

    2. Kann der Heilige Geist im Unterricht anwesend sein und die Schüler erbauen?

    3. Wird jeder Schüler dazu angeregt, sich selbst mit dem Evangelium zu beschäftigen und glaubensvoll danach zu leben?

    4. Hilft der Unterricht meinen Schülern, Jesus Christus besser kennenzulernen, ihn zu lieben und ihm nachzufolgen?

    An Mitarbeiterschulungen teilnehmen [4.1.4]

    Seminar und Institut bietet für alle Lehr- und Führungskräfte Schulungsversammlungen an. Der Hauptzweck dieser Schulungen besteht darin, dass die Lehrer besser unterrichten, ihr Evangeliumswissen vergrößern und sie darüber Bescheid wissen, wie die Verwaltungs- und Führungsaufgaben in Seminar und Institut wahrgenommen werden.

    Ein Teil dieser Schulungen besteht aus offiziellen Mitarbeiterversammlungen. Sie werden regelmäßig abgehalten und es ist wünschenswert, dass sowohl Lehr- als auch Führungskräfte daran teilnehmen. Bei diesen Versammlungen studieren die Teilnehmer gemeinsam in den Schriften und sprechen darüber, um ihr Verständnis zu vertiefen. Sie lernen inspirierende Unterrichtsmethoden und üben diese. Außerdem tauschen sie Gedanken darüber aus, wie man mehr Schüler dazu bewegen könnte, sich für das Programm einzuschreiben, daran teilzunehmen und es abzuschließen. Sie beraten darüber, welcher Bedarf zu decken wäre, und werden darin geschult, wie sie ihren administrativen Aufgaben nachkommen können.

    Ein weiterer Teil der Schulung besteht aus Unterrichtsbesuchen und -beobachtungen. Der Lehrer kann erheblich davon profitieren, wenn er einen Koordinator oder einen anderen Lehrer bittet, an seinem Unterricht teilzunehmen und ihm Rückmeldung zu geben. Es bietet sich an, konkret auf eine bestimmte Unterrichtstechnik zu achten, die der Lehrer verbessern möchte, und ihm Rückmeldung dazu zu geben. Wenn es sich einrichten lässt, kann der Lehrer auch den Unterricht anderer Lehrer beobachten und daraus lernen.

    Jeder, der mit Glauben und dem aufrichtigen Wunsch, zu lernen und sich zu verbessern, in eine Schulungsversammlung geht, wird kontinuierlich wachsen und sich weiterentwickeln.

    Die Vorbereitung des Schülers [4.2]

    In den heiligen Schriften wird davon gesprochen, dass diejenigen, die nach geistigem Lernen streben, in Herz und Sinn vorbereitet und aufnahmebereit sein müssen. Zum Beispiel war Esra, ein Priester und Schriftgelehrter im Alten Testament, „von ganzem Herzen darauf aus, das Gesetz des Herrn zu erforschen und danach zu handeln“ (Esra 7:10). In der Apostelgeschichte ist von den gläubigen Heiligen die Rede, die „mit großer Bereitschaft … das Wort [aufnahmen]“ (Apostelgeschichte 17:11). Bei seinem Besuch unter den Nephiten forderte der Erretter diese auf: „Macht euren Sinn für den morgigen Tag bereit, und ich komme abermals zu euch.“ (3 Nephi 17:3.)

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    Um beim Lernen den erbaulichen Einfluss des Heiligen Geistes zu verspüren, müssen die Schüler ebenfalls „bereit [sein], das Wort zu vernehmen“ (Alma 32:6). Die Schüler sind dann lernbereit, wenn sie geistig rege sind, wenn der Unterricht ihre Aufmerksamkeit fesselt und wenn sie zeigen, dass sie bereit sind, durch den Geist belehrt zu werden. Der Lehrer kann seinen Schülern auf vielerlei Weise dabei helfen, Herz und Sinn darauf vorzubereiten, mehr über das Evangelium zu lernen:

    Für die Schüler beten. Der Lehrer kann den Herrn darum bitten, seinen Geist über die Schüler auszugießen, „um ihr Herz vorzubereiten, das Wort [mit Freude] zu empfangen“ (Alma 16:16,17).

    Eine Atmosphäre schaffen, in der Liebe und gegenseitige Achtung herrschen. Ein Schüler, der das Gefühl hat, dass der Lehrer und die anderen Schüler ihn mögen, ihm vertrauen und ihn schätzen, ist im Unterricht offener für den Einfluss des Geistes und hat einen größeren Wunsch, sich zu beteiligen.

    Zielgerichtet unterrichten. Der Lehrer soll den Schülern deutlich machen, dass sie den Unterricht besuchen, um den Vater im Himmel und seinen Sohn, Jesus Christus, kennenzulernen und durch das Studium seines Evangeliums, wie es in den Schriften steht und von den Propheten verkündet wird, dem Ziel, nämlich ewigem Leben, näherzukommen.

    Interessanten, bedeutsamen und erbaulichen Unterricht abhalten. Wenn der Lehrer sich stets gut auf den Unterricht vorbereitet und diesen erbaulich gestaltet, haben die Schüler die Erwartungshaltung, dass sie im Unterricht jedes Mal etwas Wertvolles lernen werden. Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Wenn Sie eine Klasse unterrichten, gehen [die Schüler] nur dann gerne dorthin, wenn sie etwas lernen. Sie müssen etwas lernen, damit sie auch wiederkommen wollen. Sie kommen bereitwillig und sogar gespannt zurück, wenn sie im Unterricht genährt werden.“ (Teach Ye Diligently, Seite 182.)

    Zu Beginn des Unterrichts den Heiligen Geist einladen. Durch einen gut vorbereiteten Andachtsteil, der von einem Schüler geleitet wird und mit einem Gebet, einem Lied und einem geistigen Gedanken aus den Schriften beginnt, wird der Geist eingeladen und der Zusammenhalt unter den Schülern gefestigt. So bereiten sie Herz und Sinn darauf vor, geistig zu lernen.

    Nachhaltiges Interesse der Schüler wecken. Der Lehrer kann dazu beitragen, dass sich die Schüler aufs Lernen konzentrieren, indem er gleich zu Beginn des Unterrichts die Aufmerksamkeit der Schüler gewinnt und sie dahinführt, zielgerichteter in den Schriften zu lesen. Er könnte beispielsweise eine Frage an die Tafel schreiben, die zum Nachdenken anregt, oder einen Gegenstand oder ein Bild mitbringen, das das Interesse der Schüler weckt, wenn sie den Klassenraum betreten.

    Da viele Schüler nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne haben, überlegt ein kluger Lehrer sich, wie er mehrmals während des Unterrichts Interesse und Begeisterung wecken kann. Dabei soll die Aufmerksamkeit der Schüler jedoch auf die Schriftstellen gelenkt werden, die besprochen werden.

    Die Schüler so rüsten, dass das Lernen zum Erfolg führt. Bevor der Lehrer die Schüler um einen Beitrag bittet, muss er erklären, was genau sie machen sollen, und ein Beispiel anführen. Er gibt den Schülern Zeit, sich vorzubereiten und zu üben. Er spornt sie in ihren Bemühungen an und lobt sie, dass sie etwas zum Lernprozess beigetragen haben. Ein Lehrer, der den Schülern hilft, ihre Aufgabe als Lernende zu erfüllen, wird wesentlich mehr Erfolg darin haben, die Ziele von Seminar und Institut umzusetzen.

    Die Vorbereitung der Lektion [4.3]

    Quellen für die Unterrichtsvorbereitung [4.3.1]

    Heilige Schriften

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    In allen vier Seminarkursen und in den meisten der genehmigten Institutskurse geht es in erster Linie um die heiligen Schriften. Die Hauptquelle, um herauszufinden, was in diesen Kursen unterrichtet werden soll, sind die Schriften selbst. In einer Rede vor Seminar- und Institutslehrern hat Präsident Ezra Taft Benson gesagt: „Denken Sie immer daran: Es gibt keinen zufriedenstellenden Ersatz für die heiligen Schriften und die Worte der lebenden Propheten. Das muss die Quelle sein, von der alles ausgeht.“ („The Gospel Teacher and His Message“, Ansprache vor Religionserziehern des Bildungswesens vom 17. September 1976, Seite 3.)

    Bei manchen Institutskursen stehen eher Evangeliumsthemen im Vordergrund als das Studium der Standardwerke. Wer einen solchen Kurs unterrichtet, soll sich bei der Vorbereitung in erster Linie mit dem Lehrmaterial für den Institutsunterricht, aber auch mit den heiligen Schriften befassen. Der Lehrer soll ständig nach Gelegenheiten Ausschau halten, wie er die heiligen Schriften und die Worte der Propheten verwenden kann, um die zu vermittelnden Lehren und Grundsätze zu erläutern und verständlich zu machen.

    Lehrmaterial für Seminar und Institut

    Das Lehrmaterial für den Seminar- und Institutsunterricht soll den Lehrern als Hauptquelle dienen, um den Unterricht vorzubereiten und auf förderliche Weise abzuhalten. Das Material enthält auch Hintergrundwissen zu den heiligen Schriften und zum Kontext, Erklärungen zu schwierigen Wörtern und Sätzen, Zitate von Generalautoritäten zu bestimmten Lehren und Grundsätzen in den heiligen Schriften und Anregungen dazu, welche Inhalte, Lehren und Grundsätze im Unterricht besprochen werden könnten. Es enthält außerdem Vorschläge, wie man etwas vermitteln kann. Wenn sich Lehrkräfte dieses Lehrmaterial beim Studium der einzelnen Schriftblöcke zunutze machen, kann der Heilige Geist sie inspirieren, wie sie die jeweilige Lektion den Bedürfnissen der Schüler anpassen können.

    Elder Henry B. Eyring hat erläutert, wie das Lehrmaterial zustande kommt und wie es zu verwenden ist: „Diejenigen, die der Prophet dazu beruft, darauf zu achten, dass die Lehre, die in der Kirche verkündet wird, richtig wiedergegeben wird, überprüfen jedes Wort, jedes Bild und jede Abbildung in dem Lehrmaterial, das Sie erhalten. Wir können die Kraft, die in diesem Material steckt, entfalten, indem wir einfach aufgrund unseres Glaubens, dass es von Gott inspiriert ist, handeln. …

    Wenn wir uns an den Inhalt des Lehrmaterials halten und der Reihe nach vorgehen, entfalten wir einzigartige Fähigkeiten für das Unterrichten, anstatt diese zu unterdrücken.“ („The Lord Will Multiply the Harvest“, Ein Abend mit Elder Henry B. Eyring, 6. Februar 1998, Seite 4f.)

    Zusätzliche Hilfsmittel

    Der Lehrer kann auf zusätzliche Hilfsmittel wie die Zeitschriften der Kirche zurückgreifen, insbesondere auf Generalkonferenzansprachen, da diese zu einem klareren Verständnis eines Schriftblocks beitragen können. Andere Quellen dürfen nicht dazu verwendet werden, Spekulationen anzuheizen, etwas als Sensation darzustellen oder Grundsätze zu veranschaulichen, die nicht klar und deutlich von der Kirche vertreten werden. Selbst wenn etwas bereits geprüft oder veröffentlicht worden ist, muss es im Unterricht nicht unbedingt angebracht sein. Im Unterricht sollen der Glaube und das Zeugnis der Schüler gestärkt werden.

    Festlegen, was vermittelt werden soll und wie dies geschehen soll [4.3.2]

    Bei der Unterrichtsvorbereitung muss sich jeder Lehrer die Fragen stellen: „Was will ich vermitteln?“ und „Wie will ich das vermitteln?“ Was man vermittelt, setzt sich zusammen aus Kontext (also Hintergrund, Kultur, jeweilige Situation), Inhalt (wie Handlung, Personen, Ereignisse, Predigten, inspirierte Erläuterungen) und wichtigen Evangeliumswahrheiten, die im jeweiligen Schriftblock vorkommen. Wie man etwas vermittelt, umfasst die Methoden, Herangehensweisen und Aktivitäten, mithilfe derer den Schülern etwas nahegebracht wird (also Unterrichtsgespräch, audiovisuelle Hilfsmittel, Schreibaufgaben oder kleine Gruppenarbeiten). Die Entscheidung, was vermittelt wird, muss der Überlegung, wie es vermittelt werden soll, vorausgehen, damit das Augenmerk auf den Schriften liegt und weniger auf Methoden oder Techniken.

    Bei der Unterrichtsvorbereitung muss sich der Lehrer genügend Zeit nehmen und gut überlegen, was er vermitteln und wie er es vermitteln möchte. Wenn er sich bei der Vorbereitung fast ausschließlich damit befasst, was er vermitteln möchte, hat er nicht genügend Zeit, darüber nachzudenken, wie er die Schüler in den Lernprozess einbeziehen könnte. Nicht selten ist der Unterricht dann langweilig und zu sehr auf den Lehrer fokussiert. Konzentriert sich der Lehrer zu sehr darauf, wie er unterrichten will, ist der Unterricht vielleicht konfus, nicht zielgerichtet und saft- und kraftlos.

    Festlegen, was vermittelt werden soll [4.3.3]

    Es gibt vier grundlegende Phasen, die der Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung durchläuft. Erstens: Er macht sich mit Kontext und Inhalt des jeweiligen Schriftblocks vertraut. Zweitens: Er erkennt die Lehren und Grundsätze in dieser Passage und macht sie sich klar. Drittens: Er legt fest, welches davon die wichtigsten Grundsätze sind, die die Schüler lernen und anwenden sollen. Viertens: Er legt fest, welchen Stellenwert er jedem Abschnitt des Schriftblocks beimisst.

    1. Kontext und Inhalt des zu vermittelnden Schriftblocks kennen.

    Der Lehrer befasst sich mit dem Kontext oder Hintergrund des Schriftblocks, damit er ihn versteht. Er vertieft sich in die Passage, bis er auch mit dem Inhalt vertraut ist. Sich in die heiligen Schriften vertiefen bedeutet: lesen, studieren, nachdenken und um Inspiration und Verständnis des Gelesenen beten.

    Um die heiligen Schriften inhaltlich zu verstehen, hat es sich als äußerst hilfreich erwiesen, wenn man als Lehrer auf natürliche Pausen innerhalb eines Schriftblocks achtet; dort beginnt für gewöhnlich ein neues Thema oder eine neue Handlung. Unter Zugrundelegung des Lehrmaterials und eigener Erkenntnisse kann der Lehrer den Schriftblock anhand dieser Stellen in kleinere Abschnitte oder Passagen unterteilen. Diese kleineren Abschnitte stellen wichtige Bausteine oder Komponenten dar und der Lehrer kann diese später nutzen, um einen flüssigen Unterricht vorzubereiten. Außerdem kann er so allen inhaltlichen Aspekten innerhalb des Schriftblocks zumindest etwas Aufmerksamkeit schenken.

    Beim Unterteilen des Schriftblocks ist der Lehrer ferner bestrebt, sein Wissen hinsichtlich Personen, Orten und Ereignissen zu erweitern und dort, wo es ihm wichtig erscheint, das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung zu ergründen. Auch befasst er sich mit der Bedeutung schwieriger Wörter oder Sätze. Um den Inhalt ausreichend zu verstehen, ist es oftmals erforderlich, den Schriftblock mehr als einmal zu lesen.

    2. Die Lehren und Grundsätze erkennen und verstehen.

    Der Lehrer muss nicht nur Kontext und Inhalt verstehen, er muss auch die Lehren und Grundsätze im Schriftblock genau erkennen und verstehen und sich mit denen befassen, die im Lehrmaterial vorgeschlagen werden. Sollten die Lehren und Grundsätze im Lehrmaterial nicht bereits angeführt werden, nimmt sich der Lehrer Zeit und arbeitet diese als kurz gefasste Aussagen heraus. Auf diese Weise kann er sich sowohl die Grundsätze als auch deren Bedeutung klar vor Augen führen. Dies hilft ihm auch, die Schüler bei Lernaktivitäten im Unterricht anzuleiten. So können die Schüler die Grundsätze besser verstehen und zielgerichteter anwenden.

    3. Festlegen, welches die wichtigsten Grundsätze und Lehren sind, die die Schüler lernen und anwenden sollen.

    Normalerweise ist in einem Schriftblock mehr enthalten, als man in einer Unterrichtsstunde hinlänglich besprechen kann. Nachdem der Lehrer die heiligen Schriften und das Lehrmaterial gelesen hat, muss er daher festlegen, welches davon die wichtigsten Lehren und Grundsätze sind, die die Schüler lernen und anwenden sollen. Bei dieser Entscheidung muss er Folgendes berücksichtigen:

    Eingebungen des Heiligen Geistes. Bei der Entscheidung, welche Grundsätze und Lehren im Unterricht besonders betont werden sollen, muss sich der Lehrer immerzu um Weisung vom Heiligen Geist bemühen.

    mormon

    Was der inspirierte Verfasser beabsichtigt hat. Der Lehrer ist bestrebt, zu erkennen, was der prophetische Verfasser mitteilen wollte. Präsident Ezra Taft Benson hat gesagt: „Wenn [die Verfasser] unsere Zeit gesehen haben und das ausgewählt haben, was für uns von größtem Wert ist, sollen wir das Buch Mormon dann nicht dementsprechend studieren? Wir müssen uns ständig fragen: ,Warum hat der Herr Mormon (oder Moroni oder Alma) inspiriert, gerade das in seinen Bericht aufzunehmen? Was kann ich daraus für mich lernen? Wie kann mir das helfen?‘“ („Das Buch Mormon – der Schlussstein unserer Religion“, Der Stern, Januar 1987, Seite 4.) Bei der Unterrichtsvorbereitung – ganz gleich, für welchen Kurs – muss sich der Lehrer ähnliche Fragen stellen.

    Der Lehrer darf auch nicht außer Acht lassen, dass den Propheten in den heiligen Schriften hauptsächlich immer daran gelegen war, von Jesus Christus Zeugnis zu geben. Nephi hat es so formuliert: „Denn meine Absicht ist einzig und allein, die Menschen zu bewegen, dass sie zum Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs kommen und errettet werden.“ (1 Nephi 6:4.) Daher muss sich der Lehrer fragen: „Was wird in diesem Schriftblock über Jesus Christus gesagt, was meinen Schülern helfen kann, seine Lehren und sein Sühnopfer zu verstehen und darauf zu bauen?“

    Wenn der Lehrer versucht, die Absicht des inspirierten Verfassers zu erkennen, muss er andererseits darauf achten, dass er nicht mehr in den Text hineininterpretiert als das, was tatsächlich daraus hervorgeht. Elder Henry B. Eyring hat warnend darauf hingewiesen: „Ich darf nicht so tun, als wüsste ich immer, was ein Verfasser meinte oder was er nicht meinte.“ („,And Thus We See:‘ Helping a Student in a Moment of Doubt“, Ein Abend mit Elder Henry B. Eyring, 5. Februar 1993, Seite 6.)

    Grundsätze, die zur Bekehrung führen, und „Grundlegende Lehren“. Wenn der Lehrer festlegt, was er vermitteln möchte, muss er sich die Frage stellen: „Welche von allen Wahrheiten, die in diesem Schriftblock betont werden könnten, helfen meinen Schülern, dem Vater im Himmel und dem Erretter näherzukommen, und führen zur Errettung?“ Elder Henry B. Eyring hat den Ratschlag gegeben: „Halten Sie nach Grundsätzen Ausschau, die eine Bekehrung herbeiführen, wenn Sie eine Lektion vorbereiten. … Ein Grundsatz, der die Bekehrung bewirkt, führt dazu, dass man dem Willen Gottes gehorcht.“ („Converting Principles“, Ausführungen bei einem Abend mit Elder L. Tom Perry, 2. Februar 1996, Seite 1.)

    Der Lehrer stellt außerdem fest, ob in dem Schriftblock, den er behandelt, grundlegende Lehren vorkommen, die S&I besonders betont wissen möchte. Diese Lehren vermitteln den Schülern ein Verständnis vom Plan des himmlischen Vaters und von den grundlegenden Glaubensansichten der Kirche (siehe Abschnitt 2.7.2., „Grundlegende Lehren“, auf Seite 40).

    Was die Schüler brauchen und was sie können. Je besser ein Lehrer seine Schüler kennt und versteht, desto leichter fällt es ihm, die Grundsätze herauszufiltern und hervorzuheben, die die Schüler leicht anwenden können. Befasst sich der Lehrer mit einem Schriftblock, hat er vielleicht Gedanken und Ideen, die ihm selbst zusagen und für ihn eine besondere Bedeutung haben, doch den Schülern fehlt möglicherweise noch die geistige Reife und das Verständnis (siehe den Vergleich von Paulus mit der festen Speise und der Milch in 1 Korinther 3:2). Bestimmte Grundsätze, mit denen der Lehrer längst vertraut ist und die ihm nicht mehr so interessant erscheinen, können gerade für die Schüler sehr wichtig sein. Als Lehrer muss man sich vor Augen führen, dass man Schüler unterweist, nicht bloß Unterricht abhält. Man ermöglicht es den Teilnehmern, etwas zu lernen, und spult nicht einfach seine Lektion ab. Das Lehrmaterial kann für den Lehrer besonders von Nutzen sein, wenn er überlegt, welche Grundsätze und Lehren für die Schüler am wertvollsten sein könnten.

    Elder Richard G. Scott hat gesagt: „Betrachten Sie die Fähigkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Schüler und legen Sie dann fest, was am wichtigsten ist. Wenn die Schüler einen wesentlichen Grundsatz verstanden, verinnerlicht und in den Leitfaden für ihr Leben aufgenommen haben, dann ist das allerwichtigste Ziel erreicht.“ („Die Wahrheit verstehen und entsprechend leben“, Ein Abend mit Elder Richard G. Scott, 4. Februar 2005.)

    Bei der Entscheidung, welche Wahrheiten er besonders hervorheben will, kann sich der Lehrer auch vermerken, welchen Grundsatz oder welche Lehre er im Verlauf des Schriftblocks zwar ansprechen, jedoch nicht eingehender beleuchten möchte. Dies verschafft dem Heiligen Geist die Gelegenheit, einem Schüler einen Grundsatz individuell zu verdeutlichen, der im Unterricht nicht vordergründig thematisiert wird, für ihn aber von Bedeutung sein kann. Der Lehrer muss auch damit rechnen, dass die Schüler vielleicht auf Evangeliumswahrheiten stoßen und darüber sprechen möchten, die er selbst gar nicht bemerkt oder zur Behandlung vorgesehen hat.

    Bei all diesen Überlegungen muss sich der Lehrer um die Bestätigung durch den Geist bemühen. Der Geist hilft ihm, die Absicht des inspirierten Verfassers besser zu verstehen. Er zeigt ihm, was die Schüler brauchen und welche Evangeliumswahrheiten ihnen helfen, dem Vater im Himmel und dem Erretter näherzukommen.

    4. Festlegen, welcher Stellenwert jedem Abschnitt des Schriftblocks beigemessen werden soll.

    Hat sich der Lehrer mit Kontext und Inhalt des Schriftblocks vertraut gemacht, diesen dem Inhalt nach in kleinere Abschnitte unterteilt und festgelegt, welche wichtigen Evangeliumswahrheiten die Schüler lernen und anwenden sollen, ist er nun dafür gerüstet, festzulegen, welchen Stellenwert er jedem Abschnitt des Schriftblocks beimessen möchte. Für gewöhnlich erhalten diejenigen Abschnitte, die Lehren und Grundsätze enthalten, welche der Lehrer im Unterricht hervorheben möchte, den höchsten Stellenwert. Konkret heißt das für einen solchen Abschnitt: Der Lehrer leitet die Schüler dabei an, Kontext und Inhalt kennenzulernen, die wichtigen Lehren und Grundsätze darin zu erkennen und zu verstehen und von ihrer Wahrheit und Bedeutsamkeit überzeugt zu sein. Auch hilft er den Schülern, zu erkennen, wie sie nach diesen Wahrheiten leben können.

    In einem anderen Abschnitt des Schriftblocks stehen die Wahrheiten, die im Unterricht hervorgehoben werden sollen, vielleicht weniger im Vordergrund; sie sollten jedoch nicht einfach übersprungen oder ignoriert werden. Stattdessen soll der Lehrer diese Schriftstellen zumindest zusammenfassen.

    Hinweis: Meistens hat man nur beschränkt Zeit, sich auf den Unterricht vorzubereiten. Die meisten Lehrer machen hier den Fehler, dass sie so viel Zeit mit Lesen und Studieren verbringen und überlegen, was sie vermitteln wollen, dass ihnen nicht mehr genug Zeit bleibt, sich ausführlich Gedanken darüber zu machen, wie sie den Unterricht gestalten wollen. Jeder Lehrer gelangt bei der Unterrichtsvorbereitung an einen Punkt, wo er sich sagen muss: „Gut, ich weiß jetzt, was ich vermitteln will. Nun muss ich überlegen, wie ich es gut erklären kann.“

    Festlegen, wie etwas vermittelt werden soll [4.3.4]

    Häufig ist der Lehrer ganz begeistert von dem zu behandelnden Schriftblock und von den Wahrheiten, die er darin entdeckt hat. Wenn er eifrig studiert, lernt und durch den Geist belehrt wird, ist der Lehrer erbaut und hat natürlich den Wunsch, das, was er bei der Vorbereitung gelernt hat, weiterzugeben. Das ist zwar in Ordnung, der Lehrer darf jedoch nicht vergessen, dass es Ziel jedes Unterrichts sein soll, dass die Schüler die Schriften verstehen, durch den Heiligen Geist belehrt werden und den Wunsch haben, das in die Tat umzusetzen, was sie gelernt haben. Das erfordert meist mehr, als dass der Lehrer den Schülern bloß erzählt, was er selbst aus den Schriften gelernt hat und weshalb das seiner Meinung nach so wichtig ist. Auch gehört mehr dazu, als dass der Lehrer einfach einen Vers vorliest, diesen kommentiert und dann den nächsten Vers vorliest.

    Die Schüler werden erbaut, wenn der Lehrer sie durch einen Lernprozess geleitet, der dem ähnlich ist, den er selbst bei der Unterrichtsvorbereitung durchschritten hat. Sie müssen beim Erforschen der Schriften angeleitet werden, damit sie diese verstehen und die Wahrheiten des Evangeliums für sich selbst entdecken. Sie müssen die Gelegenheit bekommen, das Evangelium mit eigenen Worten zu erklären und das, was sie wissen und spüren, anderen mitzuteilen und Zeugnis davon zu geben. Das trägt dazu bei, dass sie das Evangelium nicht nur vom Verstand her begreifen, sondern dass es ihnen auch ins Herz dringt.

    Wenn die Schüler das Evangelium kontinuierlich auf diese Weise lernen, haben sie mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Schriften eigenständig zu studieren und durch den Geist unterwiesen zu werden. Sie verspüren den Wunsch, das Gelernte in ihrem Leben anzuwenden. Auch sind sie besser dafür gerüstet, anderen zu erklären, woran sie glauben, und von den Lehren und Grundsätzen des Evangeliums Zeugnis zu geben.

    Der Lehrer setzt Methoden ein, die den Schülern derlei Lernerfahrungen ermöglichen, während sie die heiligen Schriften Stück für Stück gemeinsam im Unterricht durchgehen. Die nachstehenden Fragen können dem Lehrer dabei helfen, in seinem Unterrichtskonzept festzulegen, wie er etwas vermitteln möchte:

    1. Welche Methoden oder Lernaktivitäten helfen meinen Schülern, den notwendigen Kontext und Inhalt zu kennen?

    2. Welche Methoden helfen den Schülern, die wesentlichen Lehren und Grundsätze zu erkennen, in Worte zu fassen und noch weitere zu entdecken?

    3. Was hilft meinen Schülern am meisten, diese Grundsätze und Lehren zu verstehen?

    4. Welche Methoden oder Herangehensweisen helfen meinen Schülern, zu empfinden, dass diese Grundsätze wahr und von Bedeutung sind, und bewegen sie dazu, davon zu erzählen und Zeugnis zu geben?

    5. Auf welche Weise kann ich ihnen am besten helfen, herauszufinden, wie sie diese Grundsätze in ihrem Leben anwenden könnten? Wie kann ich sie anspornen, dies auch umzusetzen?

    Nachstehend sind Überlegungen dazu aufgeführt, wie man sich für die geeignetsten Methoden entscheidet.

    Achten Sie darauf, dass die Lehrmethoden im Einklang mit der zu vermittelnden Botschaft stehen und dem Einfluss des Geistes zuträglich sind. Manchmal bedient sich ein Lehrer, um seine Schüler bei Laune zu halten oder ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, bestimmter Methoden oder Techniken, die dem Verständnis und der Erbauung nicht förderlich sind. Bei der Auswahl einer Methode überlegt der Lehrer, ob sie die Botschaft, die den Schülern nahegebracht werden soll, hervorhebt oder davon ablenkt. So macht ein Lernspiel den Schülern bestimmt großen Spaß und vermittelt viel Wissen (zum Beispiel die Reihenfolge der Bücher der Bibel), ist aber ziemlich unwirksam, wenn der Lehrer eigentlich erreichen möchte, dass die Schüler den Geist verspüren. Die Arbeit in Kleingruppen kann sehr wirksam sein, nimmt aber viel Zeit in Anspruch, sodass diese Methode nicht unbedingt sinnvoll ist, wenn lediglich ein einfacher Grundsatz vermittelt werden soll.

    Der Lehrer muss darauf achten, dass die Lehrmethoden und -aktivitäten für den Evangeliumsunterricht angemessen sind, niemanden kränken oder verletzen und dem Einfluss des Geistes zuträglich sind.

    Verwenden Sie das Lehrmaterial. Im Lehrmaterial für Seminar und Institut stehen Vorschläge, wie man dergestalt unterrichtet, dass die Grundlagen dafür, wie man das Evangelium lehrt und lernt, umgesetzt werden. Bei jeder Unterrichtsvorbereitung muss der Lehrer das Lehrmaterial sorgfältig lesen und auswählen, welche Informationen und welche Methoden er bei der Behandlung eines Schriftblocks verwenden will. Der Lehrer kann die Unterrichtsvorschläge für den Schriftblock entweder ganz oder teilweise aufgreifen oder sie auf Bedürfnisse und Lebensumstände der Schüler zuschneiden.

    Legen Sie Sinn und Zweck dar. Erkennen die Schüler den Zusammenhang zwischen dem, womit sie sich in einem Schriftblock befassen, und ihrem eigenen Leben oder erlebten Situationen, sind sie generell motivierter, die Lehren des Evangeliums zu lernen und anzuwenden. Darüber hinaus wird ihnen bewusst, dass man durch die Schriften Antworten und Weisungen erhält, die im wirklichen Leben Führung geben.

    Wenn der Lehrer sich also darauf vorbereitet, wie etwas vermittelt werden soll, tut er gut daran, über die ewigen Wahrheiten innerhalb des jeweiligen Schriftblocks nachzusinnen und darüber nachzudenken, inwiefern sie im Leben der Schüler nützlich und bedeutsam sein könnten. Vor diesem Hintergrund beginnt der Lehrer den Unterricht oftmals mit einer sachbezogenen Frage oder einem Fallbeispiel. Die Schüler werden dadurch veranlasst, in den Schriften nach den Grundsätzen und Lehren des Evangeliums zu suchen, die ihnen Führung und Weisung geben. Bei der Unterrichtsvorbereitung überlegt der Lehrer auch, wie er das Interesse der Schüler aufrechterhalten und sie kontinuierlich beim Lernen einbeziehen kann.

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    Legen Sie fest, wie rasch Sie vorgehen wollen. Zwar ist der Lehrer ernsthaft bemüht, den gesamten Schriftblock abzudecken, doch muss er letztlich festlegen, wie viel Zeit er für die einzelnen Unterrichtsabschnitte aufwenden will. Dabei führt er sich erneut vor Augen, dass die Schüler am wichtigsten sind, nicht die Lektion. Er darf sich nicht so sehr auf das Unterrichtskonzept versteifen, dass er der Inspiration keinen Raum schenkt oder auf einen unvorhergesehenen Beitrag eines Schülers, der eigentlich eine Abweichung vom Konzept erfordert, überhaupt nicht eingeht.

    Es kommt nicht selten vor, dass sich ein Lehrer im ersten Teil zu viel Zeit lässt und dann den letzten Teil im Eiltempo durchnehmen muss. Bei der Vorbereitung muss der Lehrer abschätzen, wie viel Zeit es in Anspruch nehmen wird, jeden Unterrichtsabschnitt mit den ausgewählten Methoden durchzugehen. Da der Lehrer fast immer mehr Unterrichtsstoff als Unterrichtszeit hat, muss er festlegen, auf welche Teile des Schriftblocks er ausführlich eingehen will und was er zusammenfassen kann.

    Dies gilt sowohl für den gesamten Kurs als auch für einzelne Unterrichtsstunden. Wenn zum Beispiel ein Lehrer, der das Neue Testament durchnimmt, den vier Evangelien zu viel Zeit widmet, kann er später den wichtigen Evangeliumswahrheiten, die in den letzten Büchern stehen, nicht mehr die ihnen gebührende Aufmerksamkeit schenken.

    In den meisten Lehrplänen für Seminar und Institut wird vorgeschlagen, wie lange man bei einem Punkt verweilen sollte; auch gibt es einen Plan für das gesamte Unterrichtsjahr.

    Konzentrieren Sie sich darauf, den Schülern bei der Erfüllung ihrer Aufgabe zu helfen. Bei den Überlegungen, wie er etwas vermitteln will, muss der Lehrer die Lernenden im Blick haben und nicht nur sein Konzept. So fragt er sich nicht einfach: „Was mache ich heute im Unterricht?“ oder „Was bringe ich meinen Schülern bei?“, sondern er hat bei der Unterrichtsvorbereitung auch die Frage im Kopf: „Was machen meine Schüler heute im Unterricht? Wie kann ich ihnen helfen, für sich zu entdecken, was sie wissen müssen?“

    Verwenden Sie verschiedene Lehrmethoden. Selbst eine sehr eindrucksvolle Lehrmethode kann auf Dauer verpuffen oder langweilig sein. Der Lehrer soll zwar keine Methoden auswählen, nur um den Unterricht irgendwie abwechslungsreich zu gestalten, aber viele gute Lehrer variieren die Unterrichtsmethode in jeder Lektion oder auch von Tag zu Tag. Der Lehrer muss sich darauf einstellen, die Unterrichtsmethode zu wechseln, wenn die Schüler das Interesse verlieren oder wenn er das Gefühl hat, dass sie das gewünschte Ergebnis mittels der derzeitigen Vorgehensweise nicht erzielen.

    Das Einsetzen verschiedener Lehrmethoden kann außerdem dazu beitragen, alle Schüler zu erreichen, denn jeder lernt ja anders. Lehrmethoden und Lernaktivitäten, bei denen Schüler mehrere Sinne wie Sehen, Hören oder Fühlen gebrauchen, können die Mitarbeit im Unterricht fördern und dazu beitragen, dass sie sich später noch an das Gelernte erinnern.

    Der Lehrer soll zwar Methoden auswählen, mit denen er gut zurechtkommt und die ihm geläufig sind, er sollte zuweilen aber auch neue Methoden oder Herangehensweisen ausprobieren, um weitere Fertigkeiten hinzuzugewinnen.

    Im nächsten Abschnitt dieses Handbuchs geht es um verschiedene Lehrmethoden und Herangehensweisen, aus denen der Lehrer auswählen kann, wenn er festlegt, wie er den Unterricht gestaltet.