Manchmal lässt der Herr uns auf Offenbarung warten – und das ist in Ordnung
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    Manchmal lässt der Herr uns auf Offenbarung warten – und das ist in Ordnung

    Offenbarung erhalten wir nach dem Zeitplan des himmlischen Vaters, nicht nach unserem

    Ich war frisch auf Mission und kurz davor, das MTC zu verlassen – und wusste nicht, ob das Buch Mormon wahr ist.

    Ich ging davon aus, dass es wahr ist. Ich hatte es oft gelesen und wiederholt darüber gebetet, genau wie Moroni es sagt (siehe Moroni 10:3-5). Aber ich hatte nie eine Antwort erhalten! Wie nur sollte ich den Menschen in Rumänien ohne dieses Wissen vom Buch Mormon erzählen und ihnen Zeugnis dafür geben? Ich musste es wissen, und zwar jetzt.

    Eines Abends, als ich gerade zum persönlichen Schriftstudium in unserem Klassenzimmer im MTC saß, griff ich mir meine heiligen Schriften und neigte den Kopf.

    „Vater im Himmel“, betete ich im Stillen, „ich habe dieses Buch schon oft gelesen. Wenn ich Missionarin bleiben soll, muss ich es wissen: Ist es wahr?“

    Mit noch geschlossenen Augen öffnete ich das Buch.

    Mein Finger landete auf Mosia 1:6: „O meine Söhne, ich möchte, dass ihr daran denkt, dass diese Worte wahr sind und auch, dass diese Aufzeichnungen wahr sind. Und siehe, auch die Platten Nephis, die die Aufzeichnungen und die Worte unserer Väter von der Zeit an, da sie Jerusalem verlassen haben, bis jetzt enthalten, und sie sind wahr; und wir können von ihrer Wahrheit wissen, weil wir sie vor Augen haben.“

    Die Worte dieser Schriftstelle drangen mir wie nie zuvor oder seitdem ins Herz. Jede Erwähnung des Wortes wahr stach mir ins Auge. Diese Schriftstelle wirkte auf mich so, wie Joseph Smith sein eigenes Erlebnis beschrieb: „Es war so, als ergieße sie sich mit großer Stärke in jede Regung meines Herzens.“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:12.) Statt mit Angst oder Sorgen war ich mit einem Mal mit Frieden und Tatendrang erfüllt.

    Ich wusste sofort, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist und dass der Vater im Himmel mir diese Botschaft geschickt hatte. Es war, als sagte er mir: Du weißt es doch schon. Jetzt mach dich an die Arbeit.

    Und das tat ich.

    Warum hat es so lange gedauert?

    Ich hatte schon jahrelang nachgeforscht und darüber gebetet, ob das Buch Mormon wahr ist, bevor ich endlich eine Antwort erhielt. Deswegen fragte ich mich, warum ich so lange auf die Offenbarung, dass es wahr ist, hatte warten müssen. War mein Wunsch nicht groß genug gewesen? Hatte ich nicht genügend Glauben gehabt? Vielleicht! Aber eigentlich glaube ich das nicht. Ich glaube, dass der Herr auf die perfekte Gelegenheit gewartet hat, mir etwas Wichtiges beizubringen: Offenbarung erhält man nicht auf Abruf.

    Eine Offenbarung erlangen wir nicht einfach, weil wir eine haben wollen, sondern wir erlangen sie dann, wenn wir sie brauchen. Und zwar nach dem Zeitplan des himmlischen Vaters, nicht nach unserem. Er weiß, was wir brauchen. Wir können darauf vertrauen, dass sein Plan der beste ist. Auch wenn das heißt, dass wir etwas Geduld haben müssen.

    Elder David P. Homer von den Siebzigern hat gesagt: „Antworten [lassen] manchmal auf sich warten[, weil] es nicht der richtige Zeitpunkt ist, [weil] wir keine Antwort brauchen oder [weil] Gott uns zutraut, die Entscheidung eigenständig zu treffen.“ („Gottes Stimme hören“, Liahona, Mai 2019, Seite 43.)

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass Gott mehr Vertrauen in mich hat als ich in mich selbst! Es ist beängstigend, wichtige Entscheidungen ohne Weisung von ihm zu treffen. Aber wenn ich mir darüber einmal zu viele Gedanken mache, denke ich an diese Verheißung von Elder Richard G. Scott (1928–2015) vom Kollegium der Zwölf Apostel: „Wenn Sie rechtschaffen leben und vertrauensvoll handeln, wird Gott Sie nicht zu weit gehen lassen, ohne Sie zu warnen, wenn Sie die falsche Entscheidung getroffen haben.“ („Nutzen wir die erhabene Gabe des Gebets“, Liahona, Mai 2007, Seite 10.)

    Wenn wir alles in unserer Macht Stehende tun, um Antworten zu finden und gute Entscheidungen zu treffen, können wir uns sicher sein, dass der Vater im Himmel uns führen wird, auch wenn wir nicht immer erkennen, wie. Wir brauchen uns nicht zu fürchten. Der Vater im Himmel wacht liebevoll über uns. Wir werden Offenbarungen erlangen – vielleicht nicht dann, wenn wir sie haben wollen, aber wenn wir sie wirklich brauchen.