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    Ich pflanzte meiner Mutter das Evangelium wie einen Samen ins Herz
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    Ich pflanzte meiner Mutter das Evangelium wie einen Samen ins Herz

    Die Verfasserin lebt in Utah.

    Ich tat alles Erdenkliche, um meine Mutter an die Kirche heranzuführen, aber erst die Tage der offenen Tür im Tempel bewirkten etwas.

    Planting Gospel Seeds in My Mother’s Heart

    Foto von Getty Images

    Ich schloss mich mit 14 der Kirche an. Meine Eltern erlaubten mir zwar, mich taufen zu lassen, waren aber nicht daran interessiert, sich selbst der Kirche anzuschließen oder auch nur mehr darüber zu erfahren.

    Ich sehnte mich über zehn Jahre lang danach, auch meine Familie möge das Glück verspüren, das ich im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi empfand. Während dieser Zeit ging ich ohne jegliche Unterstützung seitens meiner Familie zur Kirche, empfing mein Endowment und erfüllte eine Vollzeitmission.

    Als ich nach meiner Mission am Tempelplatz in Salt Lake City nach Mexiko zurückkehrte, wohnte ich bei meiner Mutter (meine Eltern hatten sich scheiden lassen, als ich in der Oberstufe war) und fing als Lehrerin an der Missionarsschule in Mexiko an. Nicht ganz ohne Hintergedanken lud ich meine Mutter ein, sich die Missionarsschule anzusehen und die Missionare kennenzulernen, die ich unterrichtete. Außerdem lud ich die Missionare in meiner Gemeinde mal mehr, mal weniger offensichtlich zum Abendessen bei meiner Mutter und mir ein. In der Hoffnung, dass sie mehr Fragen über das Evangelium stellen würde, versuchte ich nach besten Kräften, sie mit Missionaren in Kontakt zu bringen, aber meine Bemühungen schienen vergeblich.

    Ich glaube, sie lernte in diesen drei Jahren sämtliche Missionare kennen, mit denen ich zu tun hatte, aber es tat sich trotzdem nichts.

    2008 zog ich in die Vereinigten Staaten, um einen Abschluss in Krankenpflege zu machen. Gegen Ende des Jahres fanden im Mexiko-Stadt-Tempel nach umfassenden Renovierungsarbeiten Tage der offenen Tür statt. Ich legte meiner Mutter ans Herz, die Gelegenheit wahrzunehmen und sich anzuschauen, was es mit dem Tempel so auf sich hat. Nachdem ich sie immer wieder dazu aufgefordert hatte, sagte sie schließlich, sie werde die 113 Kilometer lange Fahrt auf sich nehmen und zu den Tagen der offenen Tür gehen.

    Als ich das nächste Mal mit ihr sprach, schwärmte sie davon, was für ein wunderbares Erlebnis es gewesen war. Sie sagte mir, sie wolle noch einmal hingehen. Und dann ging sie in den restlichen Wochen der Tage der offenen Tür sogar noch öfter hin. Sie nahm sogar an der kulturellen Festveranstaltung teil, die vor der erneuten Weihung des Tempels stattfand.*

    Als ich das nächste Mal mit ihr telefonierte, teilte meine Mutter mir mit, dass sie die Missionare bitten werde, sie zu unterweisen. Urplötzlich stellte sie Fragen und zeigte sich derart interessiert, wie ich es mir schon so lange erhofft hatte. Als ich über Weihnachten zu Hause war, fiel mir auf, dass sie anders war. Sie war zwar schon immer freundlich und mitfühlend gewesen, aber sie hatte sich sehr verändert – sie hatte sich bekehrt.

    Erstaunt von den Geschehnissen kehrte ich an die Uni zurück. Eine Woche später rief meine Mutter mich an und sagte: „Sonia, ich wollte nur wissen, wann du wieder in Mexiko bist. Ich lasse mich nämlich taufen.“

    Ich war überglücklich! Im Februar flog ich nach Hause, um bei ihrer Taufe dabei zu sein. Es war herrlich mitzuerleben, wie sie in die Kirche ging, eine Berufung annahm und erfüllte und im Evangelium Fortschritt machte. Ich wusste, dass sie wusste, dass es wahr ist.

    Es war auch beeindruckend, sie beten zu hören. Als sie kurz vor meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten für mich betete und darum, dass ich sicher ankommen möge, war ich besonders gerührt. Es gibt nichts, was dem Gebet eines Vaters oder einer Mutter für ein Kind gleichkommt.

    Warum geschah das alles nicht früher? Ich weiß es nicht. Vielleicht mussten im Leben meiner Mutter Samen gepflanzt werden, bevor sie das Evangelium annehmen konnte. Vielleicht hat der Tempel sie zur richtigen Zeit und auf eine Weise bewegt, wie es meine früheren Bemühungen nicht konnten. Wenn ich sehe, wie der Herr im Leben meiner Mutter wirkt, erinnert es mich an Zeiten, in denen ich seine Hand in meinem eigenen Leben gesehen habe, und das gibt mir große Hoffnung, dass er auch im Leben meiner anderen Angehörigen viel bewirken kann.

    Ich weiß, dass der Herr uns kennt und uns führt. Wenn ich mich von ihm führen lasse, komme ich stets am richtigen Ort an. Wenn ich meinem eigenen Willen folge, dauert es länger und ist in der Regel schwieriger. Ich lasse mich lieber vom Herrn überraschen und mir von ihm zeigen, was er Großes für mich bereithält.