2018
    Justinas Entscheidung
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    Justinas Entscheidung

    Die Verfasserin lebt in Rheinland-Pfalz.

    „Und sie sind frei … zu wählen.“ (2 Nephi 2:27)

    Liahona Magazine, 2018/03 Mar

    Justina saß kerzengerade auf ihrem Stuhl. Sie legte ihre neuen Stifte ganz oben auf den Tisch. Heute war der erste Schultag nach den Ferien. Sie hatte schon ein wenig mit ihren Klassenkameraden geplaudert und ein lustiges Bild gemalt.

    Dann erklärte Frau Werner: „Jetzt wollen wir schreiben üben!“ Sie teilte der Klasse Arbeitsblätter aus. „Daran könnt ihr jetzt eine halbe Stunde arbeiten. Dann gehen wir in die Pause.“

    Justina schluckte. „O nein. Jetzt schon schreiben?“, dachte sie.

    Letztes Jahr war das Lesen und Schreiben für Justina sehr schwer gewesen. Alle ihre Freunde mochten es anscheinend gern. Es fiel ihnen viel leichter. Und wenn dieses Schuljahr nun wieder genauso verlaufen würde wie das letzte? Was dann?

    Justina griff nach dem Bleistift. Sie blickte auf das Blatt. Ihr wurde ganz schlecht. Alle anderen Schüler schrieben schon. Alle außer ihr.

    Sie wollte mit Frau Werner sprechen. Würde sie sauer sein, weil Justina Schwierigkeiten hatte? Aber selbst wenn – das war immer noch besser als Schreiben.

    Justina ging zum Lehrertisch. „Frau Werner? Die Übungen sind viel schwieriger als die vom letzten Jahr. Ich glaub nicht, dass ich das kann.“

    Frau Werner sah gar nicht ärgerlich aus. Sie lächelte Justina an. „Mach das, was du kannst. Vielleicht bist du überrascht, was du schon alles kannst! Du kannst nicht immer entscheiden, worin du gut bist. Aber du kannst immer entscheiden, wie sehr du dich anstrengen willst.“

    Justina lief zu ihrem Tisch zurück. Sie dachte über das nach, was Frau Werner gesagt hatte. „Ich kann mich entscheiden, es zu versuchen.“ Das Gleiche hatte sie auch in der PV gelernt. Ihre Klasse hatte eine Schriftstelle darüber gelesen: Wir „sind frei … zu wählen“. Das bedeutet, dass wir uns selbst entscheiden können. Der Vater im Himmel vertraut darauf, dass wir gute Entscheidungen treffen. Er verspricht uns zu helfen, wenn wir Fehler machen.

    Könnte dieses Schuljahr vielleicht anders verlaufen? Vielleicht konnte Justina sich ja dazu entscheiden, die Sache anders anzugehen! Sie griff nach dem Bleistift und blickte auf das Blatt. Ihr ging es viel besser. „Na gut. Ich mach das jetzt“, sagte sie sich.

    Die Pausenglocke läutete. Justina war noch nicht ganz fertig. Aber sie hatte schon mehr als die Hälfte geschafft! Sie meldete sich. „Darf ich im Klassenzimmer bleiben und weiterarbeiten? Ich bin schon fast fertig!“

    Frau Werner nickte lächelnd.

    Schließlich gab Justina ihr Blatt ab. Ihre Hand tat ein bisschen weh. Sogar ihr Kopf tat weh! Aber sie lächelte. Sie hatte sich beim Schreiben noch nie so viel Mühe gegeben.

    Am nächsten Tag übte die Klasse Lesen. Frau Werner forderte alle auf, 20 Minuten lang zu lesen. Justina versuchte es wieder. Sie öffnete ihr Buch und las die Wörter ganz langsam.

    Justina traf von nun an jeden Tag Entscheidungen. Sie entschied sich, zu lesen. Sie entschied sich, zu schreiben. Vielleicht waren Lesen und Schreiben gar nicht so schlimm!

    Sie entschied sich sogar, in die Bibliothek zu gehen. Dort lieh sie sich Bücher aus. Letztes Jahr hätte sie so etwas nie gemacht. Schon bald las sie immerzu. Und das machte tatsächlich Spaß! Je mehr sie las, desto besser wurde sie im Schreiben.

    Als Justina älter wurde, war sie froh, dass sie sich entschieden hatte, sich beim Lesen und Schreiben anzustrengen. Jetzt macht sie beides nämlich ganz besonders gern.