2013
    Die Liebe des Vaters im Himmel
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    Die Liebe des Vaters im Himmel

    Anna Nikititschewa, Russland

    Vor einiger Zeit fragten Freunde an, ob ihr Sohn John und seine Freundin eine Woche bei uns verbringen dürften. John geht nicht mehr in die Kirche, und seine Freundin gehört nicht der Kirche an. Wir brachten das Mädchen im Zimmer unseres Sohnes unter und John auf dem Sofa im Wohnzimmer.

    Ehe sie kamen, beteten wir zum Vater im Himmel und fragten, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollten – wie Lehrer, wie Eltern oder einfach nur wie Freunde? Wir erhielten die Antwort, dass wir auf die Eingebungen des Heiligen Geistes achten sollten, um ihnen in geistiger Hinsicht zu helfen.

    Mein Mann, unser Sohn und ich sitzen jeden Abend beisammen, um in den heiligen Schriften zu lesen. Als unsere Gäste da waren, luden wir sie am ersten Abend nicht ein, mit uns zu lesen. Aber am nächsten Abend klopfte John schüchtern an die Tür und sagte: „Mary traut sich nicht zu fragen – sie möchte gern wissen, ob wir auch dabei sein dürfen.“

    Wir öffneten sogleich die Tür, baten sie herein und lasen gemeinsam im Buch Mormon. Mary hatte noch nie in den heiligen Schriften gelesen und wusste nicht, ob sie an Gott glaubte. Sie gestand, dass sie befürchtet hatte, bei uns an irgendetwas Religiösem teilnehmen zu müssen, was sie nicht verstand.

    Damit sich Mary wohler fühlte, erzählte ihr mein Mann vom Plan der Erlösung, vom Erlöser Jesus Christus, von Joseph Smiths erster Vision und vom Buch Mormon. Sie unterhielt sich mit uns bis Mitternacht.

    Am nächsten Tag kamen die Missionare, und John und Mary hörten ihnen zu. Ich werde nie vergessen, welch guter Geist das Zimmer erfüllte. Nach einer einfachen Lektion unterhielten wir uns über das Wesen Gottes. Mary fragte, warum Gott denn so viel Leid zuließ, wenn er uns doch liebt – eine Frage, über die ich viel nachgedacht hatte.

    Ein paar Tage zuvor hatte ich von einer Freundin, die ihr drittes Kind durch eine Fehlgeburt verloren hatte, einen Brief erhalten. Daher berührte mich Marys Frage sehr. Ich bezeugte ihr, dass Glück und Freude uns mitunter nicht so tiefe, bleibende Einsichten vermitteln können wie ein Schicksalsschlag. Ich sagte Mary, dass Kummer uns stark machen könne, so wie Eisen im Feuer gestählt wird. Wenn wir Gott auch in Prüfungen treu bleiben, wird unser Glaube stärker.

    Dieses Gespräch werde ich nie vergessen. Am Ende saßen wir schweigend da, und der Heilige Geist bezeugte uns, wie sehr der Vater im Himmel uns liebt. Als Mary aufsah, strahlten ihre Augen und waren voller Tränen.

    Ich weiß nicht, was sich in den kommenden Jahren zutragen wird, aber ich weiß bestimmt, dass die Erkenntnis, die an diesem Tag in Marys Augen aufleuchtete, ihr auf ihrem weiteren Lebensweg helfen und sie vielleicht zu ihrem Vater im Himmel führen wird.