2006
Die Sucht meines Mannes
August 2006


Die Sucht meines Mannes

Als sich mein Mann von Pornografie fesseln ließ, stellte ich fest, dass ich konkret etwas dazu beitragen konnte, ihm zu helfen.

Als ich entdeckte, dass sich mein geliebter Partner für die Ewigkeit von Pornografie hatte fesseln lassen, spürte ich den intensiven Schmerz, den eine Frau in einer solchen Situation erfährt. Die ganze Seele leidet zutiefst, man fühlt sich betrogen und erlebt geistige Qualen. Es ist, als wären die Wurzeln der kostbaren ewigen Ehe aus dem sicheren, schützenden Boden des Evangeliums herausgerissen worden und würden nun, da sie den Elementen ausgesetzt sind, verdorren und absterben. Panik macht sich breit. Die Sicherheit und der Friede der ehelichen Beziehung sind verschwunden. Vertrauen, Achtung, Ehre, Liebe, das Priestertum – alles hat großen Schaden genommen.

Schon seit einigen Monaten hatte ich gewusst, dass etwas nicht stimmte. Mein Mann und ich waren uns immer nahe gewesen und hatten eine sehr glückliche Ehe geführt. Doch nun stand etwas zwischen uns. Wir hatten uns emotional voneinander entfernt.

Das Evangelium hatte meinem Mann immer viel bedeutet. Er war stark und treu gewesen, aber nun schien er sich vom Herrn entfernt zu haben. Er schien den Wunsch verloren zu haben, am Abendmahl teilzunehmen oder in den Tempel zu gehen. Ich sah ihn kaum auf Knien im Gebet, und beim Familiengebet und Familienstudium schien er nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Etwas Düsteres umgab ihn, und er schien zutiefst unglücklich, ja, zornig zu sein.

Ich hatte große Angst – um ihn und um uns –, denn ich vermutete, es habe mit Internetpornografie zu tun. Er hatte viele Stunden allein in seinem Büro im Internet verbracht, vor allem spätabends, und er hatte seinen Computer mit einem Passwort geschützt. Ich versuchte, mit ihm darüber zu reden, obwohl ich nicht wusste, wie ich anfangen sollte. Er leugnete strikt, irgendein Problem zu haben, und schob sein Verhalten auf den großen Druck bei der Arbeit.

Gelegentlich las ich ein Zitat von Führern der Kirche über die üblen Folgen von Pornografie vor, und mein Mann stimmte dem Gesagten von Herzen zu und machte sogar einige treffende Anmerkungen dazu. Und er versicherte mir, dass er mich liebte. Trotzdem ließ mich das Gefühl nicht los, dass es da ein ernsthaftes Problem gab. Obwohl ich für meinen Mann betete und auch seinen Namen auf die Gebetsliste im Tempel setzte, spürte ich, dass er sich immer weiter vom Schutz des Evangeliums entfernte.

Göttliche Hilfe

Schließlich wandte ich mich im Glauben an die heiligen Schriften, die uns ja auffordern, „bittet, und ihr werdet empfangen“ (siehe beispielsweise Johannes 16:24; 3 Nephi 27:29), an den himmlischen Vater und flehte ihn an, mir zu sagen, was nicht stimmte. Das fiel mir nicht leicht, denn wenn es sich um das handelte, was ich vermutete, wusste ich nicht, wie ich damit fertig werden sollte. Wie sehr hoffte ich doch, dass er sich nicht auf Pornografie eingelassen hatte! Ich wusste aber: Was auch immer das Problem war, der himmlische Vater würde meinem Mann und mir helfen. Ich bat um Demut und Mut, um das zu ändern, was ich an mir ändern konnte. Ich sagte dem himmlischen Vater, wie sehr ich meinen Mann liebte und wie sehr ich mir wünschte, eine glückliche ewige Ehe zu führen. Ich versprach, jede Woche in den Tempel zu gehen und für meinen Mann zu fasten.

Wenige Wochen später hatte mein Mann die Grippe. Er ging zu Bett und ließ den Computer an. Als ich den Computer ausschalten wollte, hatte ich plötzlich das Gefühl, ich solle nachschauen. Da war die Pornografie.

Inmitten der Gefühle, die auf mich einströmten und mich fast überwältigten, wusste ich, dass meine Entdeckung die Antwort auf meine Gebete war. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich auf den Knien war und wie lange meine Wangen tränennass waren, doch während ich dem himmlischen Vater mein Herz ausschüttete, erfüllte der Trost, der nur durch das Sühnopfer unseres Erretters möglich ist, allmählich meine Seele. Mein Schmerz und meine Angst wurden von mir genommen. Geistige Erkenntnisse strömten mir in Herz und Sinn. Ich sah, dass mein Mann und ich und unsere ewige Ehe dem himmlischen Vater viel bedeuteten, und ich wusste, dass er uns helfen würde.

Uns. Mir war absolut klar, dass dies nicht allein das Problem meines Mannes war. Ich konnte nicht, ich durfte nicht passiv danebenstehen und hoffen, dass er alleine damit fertig werden würde. Ich musste mich an diesem Kampf ganz aktiv beteiligen. Es würde nicht leicht sein, aber wenn ich weiterhin treu und gehorsam war und auf den Herrn vertraute, musste ich nicht alleine kämpfen.

Während ich betete, sah ich meinen Mann in einem anderen Licht, einem helleren Licht. Ich wusste bereits, dass er in seinem Leben schon vieles überwinden musste, und nun sah ich, dass er bereit war, für sein ewiges Leben und unsere ewige Ehe zu kämpfen. Ich sah seine tiefe Liebe und seinen Glauben an den himmlischen Vater und Jesus Christus und seine Liebe zu mir, aber ich sah auch, dass es ihm nicht leicht fiel, Liebe, Glauben und Vertrauen zu entwickeln.

Ich sah, dass ich ihm helfen sollte, Vertrauen in den himmlischen Vater und den Erretter zu entwickeln. Ein solches Vertrauen würde ihm die Kraft geben, ganz direkt gegen seine Sucht vorzugehen, indem er sich in demütigem Gebet an den himmlischen Vater wandte, um ihn um Vergebung, Kraft und Befreiung von diesem Dämon zu bitten, der ihn quälte.

Ich folgte dem Rat des Herrn

Nun, da ich vom Herrn neue Kraft erhalten hatte, ergriff ich einige Maßnahmen. Ich kündigte unseren Internetanschluss, denn ich spürte ganz deutlich, dass mein Mann nur geheilt werden konnte, wenn die Versuchung nicht mehr da war. Andere in der gleichen Situation erhalten vielleicht eine andere Antwort, aber für uns war es ein großer Segen, den Internetanschluss zunächst zu kündigen. Nachdem mein Mann ein paar Tage lang frei von der Versuchung war, gestand er ein, wie sehr ihm das geholfen hatte. Er sagte mir, dass er versucht hatte, diese Sünde allein zu überwinden, und gedacht hatte, er sei stark genug. Doch als es ihm nicht gelang, schämte er sich und versuchte, seine Sünde vor mir und vor Gott zu verbergen. Doch nun spürte er Hoffnung! Wir weinten miteinander. Wir beteten miteinander.

Wir baten einen guten Freund um einen Priestertumssegen. Es war der Mann, der meinen Mann Jahre zuvor getauft hatte. In diesem Segen wurde meinem Mann mehrmals versichert, dass der Herr ihn liebte. Er erhielt den Rat, mir zu vertrauen und sich mir anzuvertrauen, und er wurde mit der Fähigkeit gesegnet, Gut und Böse zu unterscheiden, was eine große Hilfe war, da das Urteilsvermögen getrübt wird, wenn man sich mit Pornografie beschäftigt.

Dieser Segen gab uns beiden Kraft. Ich setzte meine eigenen geistigen Bemühungen fort: Ich fastete häufig, betete viel, besuchte den Tempel und vertiefte mich in die heiligen Schriften, vor allem in das Buch Mormon. Unser gemeinsames Schriftstudium und Beten wurde wieder zu einer schönen Erfahrung.

Da ich wusste, dass ich mir nicht nur durch das Gebet, sondern auch durch eigene Anstrengung Wissen aneignen musste, las ich alle Aussagen von Generalautoritäten zum Thema Pornografie, die ich finden konnte, ebenso Material von Therapeuten, die der Kirche angehören. Mein Mann und ich berieten uns mit unseren Priestertumsführern, die uns Mut machten, unsere Bemühungen fortzuführen, und uns versicherten, dass sie daran glaubten, dass wir den Kampf gewinnen würden.

Ich fühlte mich gedrängt, ganz offen mit meinem Mann zu sprechen. Ich spielte seine Sünde nie herunter und suchte nicht nach Ausflüchten. Ich sprach über dieses Thema mit ihm nur, wenn ich beim Beten eine Inspiration erhalten hatte und wenn der richtige Zeitpunkt da war. Ich erhielt so viel Führung und Inspiration!

Wenn der Schmerz wieder aufkam, was gelegentlich der Fall war, vor allem am Anfang, wandte ich mich damit im Gebet an den himmlischen Vater. Ich strengte mich noch mehr an, meinem Mann zu zeigen, wie sehr ich ihn liebte. Er musste wissen, dass wir ein Team waren und gemeinsam den Feind bekämpften. Seine Frau, seine beste Freundin, stand an seiner Seite. Wie wunderbar war es, mitzuerleben, wie durch seine Umkehr wieder Licht in sein Leben kam!

Ich liebte meinen Mann dafür, dass er ein so starker und guter Mann war. Ich hatte gelesen, dass Pornografie einem Menschen das Selbstwertgefühl raubt, deshalb tat ich, was ich konnte, um ihm zu helfen, dass er an sich glaubte. Ich lernte auch, meinem Mann bereitwilliger von meinen Fehlern und Schwächen zu erzählen, und ich fragte ihn öfter als zuvor um Rat. Sein Verständnis und seine Unterstützung stimmten mich demütig und dankbar. Das gab uns beiden Kraft.

Ich bemühte mich sehr, meinem Mann viele positive und lustige Erlebnisse zu erzählen. Ich wollte das Licht hereinlassen, damit er den Unterschied spüren und genießen konnte. Wir gingen oft spazieren und fuhren auch mit dem Auto aufs Land, um die Schönheit der Schöpfung Gottes zu genießen. Ich dachte, dass dies ihm Kraft geben konnte, der Versuchung zu widerstehen, wenn sie wieder kam, und uns helfen konnte, unser Leben auf das Gute und Schöne auszurichten.

Der Rückfall

Dann bekam die Firma, für die mein Mann arbeitete, Schwierigkeiten, und der Bankrott drohte. Viele verloren ihre Arbeit, auch mein Mann. Das war niederschmetternd, doch waren wir sicher, dass er mit seiner Erfahrung und seinem Können bald eine neue Arbeit finden würde.

Wir hatten uns getäuscht. Monate vergingen, in denen er keine Arbeit fand. Es wurde immer schwerer für ihn, sich nicht entmutigen zu lassen. Mein Mann war sehr verletzlich. Ich wusste es, aber ich wusste nicht, was ich noch tun konnte. Wir hatten wieder einen Internetanschluss, jedoch mit einem Filter. Er war zu Hause, wenn ich arbeitete, und verbrachte viel Zeit im Internet auf der Suche nach Arbeit. An einem Tag schaltete er den Filter aus – glauben Sie ja nicht, dass jemand, der sich mit dem Computer auskennt, nicht jeden Filter umgehen kann! Ich entdeckte den Rückfall sofort. Zuerst hatte ich große Angst. Mussten wir nun wieder ganz von vorn anfangen? Dann wurde mir bewusst, dass mein Mann es mir sehr leicht gemacht hatte, herauszufinden, was er getan hatte. Er wollte es wirklich überwinden! Wieder weinten und beteten wir miteinander, und wir hielten noch mehr zusammen.

Als ich betete, überkam mich wieder die vertraute beruhigende Gewissheit. Ich spürte, dass er dieses Problem überwinden konnte. Wir erkannten, dass seine Sucht stärker war, als wir gedacht hatten. Mein Mann willigte ein, das Internet nur dann zu nutzen, wenn wir beide zu Hause waren. Nur ich kannte das Passwort, bis er sich stärker fühlte.

Eine große Segnung zu dieser Zeit war, dass er vorübergehend Arbeit fand, die zu der guten Stelle führte, die er jetzt hat. Für diesen Segen war mein Mann sehr dankbar, und er betrachtete ihn als Beweis für die liebevolle Barmherzigkeit des himmlischen Vaters.

Als sich mein Mann lange genug von Pornografie fern gehalten hatte, wie der Bischof es vorgegeben hatte, erhielt er wieder einen Tempelschein. Gewiss hatte er erfahren, wie bitter Sünde ist, aber die Freude, die er durch seine Umkehr spürte, war so außerordentlich, wie Alma es beschreibt (siehe Alma 36:21). Ich weiß noch, wie beschwingt er aus dem Büro des Bischofs herauskam. Eine schwere Last war von ihm genommen.

Dankbar für Segnungen

Nun, Jahre später, da ich dies schreibe, füllt sich mein Herz immer noch mit Dankbarkeit für die vielen Segnungen, die sich aus dieser Erfahrung ergeben haben. Mein Mann hat eine viel tiefere Liebe für den himmlischen Vater und den Erretter entwickelt, ebenso ist sein Glaube gewachsen. Er ist demütiger geworden. Wir beide wissen das Sühnopfer Jesu viel mehr zu schätzen. Wir haben uns auf den himmlischen Vater und den Erretter verlassen und mit ihnen einen sehr realen und mächtigen Goliat überwunden. Hand in Hand blicken wir in die Zukunft und wissen, dass wir alles überwinden können, wenn wir auf den Herrn vertrauen.

Vertrauen sie Gott

„Vertrauen Sie Gott und seiner Bereitschaft zu helfen, so schwierig die Umstände auch sein mögen. …

Ihr innerer Friede, Ihre Gewissheit, dass es auch für die kniffligsten Probleme des Lebens eine Lösung gibt, Ihre größte Freude hängen davon ab, wie sehr Sie dem himmlischen Vater und seinem Sohn, Jesus Christus, vertrauen.“

Elder Richard G. Scott vom Kollegium der Zwölf Apostel, „Der Glaube kann uns in einer unsicheren, schwierigen Zeit Kraft schenken“, Liahona, Mai 2003, Seite 76, 77f.