Die unaussprechliche Gabe
    Fußnoten

    Die unaussprechliche Gabe

    Wenn wir das Herz dem reinigenden Einfluss dieser unaussprechlichen Gabe des Heiligen Geistes öffnen würden, würde eine herrliche, neue geistige Dimension ins Licht gerückt.

    Ich freue mich, heute bei Ihnen zu sein. Es tut gut, das Wort des Herrn zu hören, das unsere Führer verkünden, wie Gott es ihnen durch die Gabe des Heiligen Geistes eingibt. Über diese wundervolle Gabe möchte ich heute sprechen.

    Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, wie viel Licht und Energie die Sonne produziert? Die Menge ist kaum vorstellbar. Und doch erhalten wir diese Wärme und das Licht als Geschenk von Gott. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, wie gütig der himmlische Vater ist.1

    Das Licht der Sonne durchdringt den Raum und badet unseren Planeten, während dieser die Sonne umkreist, in Leben spendende Wärme und Licht. Ohne die Sonne gäbe es auf diesem Planeten kein Leben, er wäre auf ewig öde, kalt und dunkel.

    Genau wie die Sonne der Erde Leben und Licht schenkt, nährt ein geistiges Licht unseren Geist. Wir nennen es das Licht Christi. Die heiligen Schriften lehren uns, dass es „jedem Menschen, der auf die Welt kommt, Licht“ gibt.2 Darum kann die ganze Menschheit an seinen Segnungen teilhaben. Das Licht Christi ist der göttliche Einfluss, der es jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind ermöglicht, Gut und Böse zu unterscheiden. Es ermuntert alle, das Rechte zu wählen, nach ewiger Wahrheit zu streben und die Wahrheiten wieder zu erlernen, die wir im vorirdischen Dasein kannten, aber hier im Erdenleben vergessen haben.

    Das Licht Christi darf man nicht mit der Person des Heiligen Geistes verwechseln, denn das Licht Christi ist keine Person. Sein Einfluss wirkt sich auf jemanden aus, bevor dieser den Heiligen Geist empfängt, und bereitet ihn darauf vor. Das Licht Christi führt jeden aufrichtigen Menschen dahin, dass er „auf die Stimme … hört“3, das wahre Evangelium und die wahre Kirche findet und so den Heiligen Geist empfängt.

    Der Heilige Geist ist eine Person aus Geist, eine eigenständige Person der Gottheit.4 Er gibt Zeugnis von der Macht Gottes, vom göttlichen Wesen Christi und davon, dass das wiederhergestellte Evangelium wahr ist. In der gesamten Geschichte der Menschheit haben in allen Ländern Menschen eifrig danach gestrebt, mit dem Himmel zu kommunizieren und das Licht der Evangeliumswahrheit zu erlangen. Sie haben den Einfluss des Heiligen Geistes verspürt, der ihnen bestätigt, dass das Evangelium wahr ist.

    Der Prophet Joseph Smith schrieb dazu: „Zwischen dem Heiligen Geist und der Gabe des Heiligen Geistes besteht ein Unterschied. Kornelius empfing den Heiligen Geist noch vor seiner Taufe, und das war die Macht Gottes, die ihn davon überzeugte, dass das Evangelium wahr sei; aber die Gabe des Heiligen Geistes konnte er erst empfangen, als er getauft war. Hätte er dieses Zeichen, diese heilige Handlung nicht auf sich genommen, so hätte der Heilige Geist, der ihn von Gottes Wahrheit überzeugt hatte, ihn wieder verlassen.“5

    Die Gabe des Heiligen Geistes, das heißt das Anrecht, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter zu haben, erlangt man dadurch, dass man Glauben an Christus hat, umkehrt, sich durch Untertauchen taufen lässt und von bevollmächtigten Dienern, die das Melchisedekische Priestertum tragen, die Hände aufgelegt bekommt. Es ist eine sehr kostbare Gabe, die nur den würdigen Mitgliedern der Kirche des Herrn offen steht.

    In Lehre und Bündnisse bezeichnet der Herr die Gabe des Heiligen Geistes als die unaussprechliche Gabe.6 Er ist die Quelle des Zeugnisses und aller geistigen Gaben. Er erleuchtet uns den Verstand, erfüllt unsere Seele mit Freude,7 lehrt uns alles und bringt uns vergessenes Wissen in Erinnerung.8 Der Heilige Geist zeigt uns außerdem alles, was wir tun sollen.9

    Präsident James E. Faust hat hinzugefügt, dass in unserer unsicheren Welt die Gabe des Heiligen Geistes wohl die beste Garantie für inneren Frieden ist.10

    Präsident Gordon B. Hinckley hat erklärt: „Welch großer Segen es doch ist, dass eine Person der Gottheit uns geistlich dient.“11 Überlegen Sie, was dies bedeutet: die Möglichkeit und das Anrecht auf den geistlichen Dienst durch eine Person der Gottheit, die Möglichkeit, mit unendlicher Weisheit, unendlichem Wissen und unendlicher Macht kommunizieren zu können!

    Wie jede Gabe muss man auch diese empfangen und annehmen, damit sie einem zugute kommt. Als Priestertumsträger Ihnen die Hände auflegten, um Sie als Mitglied der Kirche zu bestätigen, hörten Sie die Worte: „Empfange den Heiligen Geist.“ Das bedeutete nicht, dass der Heilige Geist damit bedingungslos zu Ihrem ständigen Begleiter wurde. Die heiligen Schriften erklären mahnend, dass der Geist des Herrn „sich nicht immer mit den Menschen abmühen“ wird.12 Wenn wir konfirmiert werden, erhalten wir das Anrecht darauf, den Heiligen Geist als Begleiter zu haben, aber es ist ein Anrecht, das wir uns beständig durch Gehorsam und Würdigkeit verdienen müssen. Wir dürfen diese Gabe nicht als selbstverständlich ansehen.

    Der Heilige Geist warnt uns vor Gefahr und inspiriert uns, anderen zu helfen, die in Not sind. Präsident Thomas S. Monson hat erklärt: „Wir beobachten. Wir warten. Wir achten auf die leise, sanfte Stimme. Wenn sie spricht, ist es klug zu gehorchen. Eingebungen des Geistes darf man nicht aufschieben.“13

    Ich hatte einmal die Gelegenheit, einen Rundgang durch eine große Höhle zu machen. Dort schaltete der Führer für einen Augenblick das Licht aus, um zu demonstrieren, wie es sich anfühlt, in völliger Dunkelheit zu sein. Es war eine erstaunliche Erfahrung. Ich hielt mir die Hand dicht vor die Augen und konnte sie nicht sehen. In gewisser Weise war es beängstigend. Ich war erleichtert, als das Licht wieder eingeschaltet wurde.

    So wie das Licht die Dunkelheit durchdringt und alles Physische sichtbar macht, so durchdringt der Heilige Geist die geistige Dunkelheit, die uns umgibt, und macht alles Geistige deutlich sichtbar, was einmal verborgen war. Der Apostel Paulus hat erklärt: „Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.“14

    Ich fürchte, manche Mitglieder der Kirche des Herrn leben nicht so, dass sie Anspruch auf die Gabe des Heiligen Geistes erheben können.15 Einige lassen sich durch weltliche Belange ablenken, die den Einfluss des Heiligen Geistes fernhalten und sie daran hindern, geistige Eingebungen wahrzunehmen. Wir leben in einer lauten und geschäftigen Welt. Denken Sie daran, dass geschäftig sein nicht notwendigerweise auch bedeutet, geistig gesinnt zu sein. Wenn wir nicht Acht geben, können die weltlichen Belange die Belange des Geistes verdrängen.

    Manche sind geistig tot und jenseits aller Empfindung, weil sie sich dafür entschieden haben zu sündigen. Andere verharren in geistiger Selbstgefälligkeit ohne jeglichen Wunsch, sich über sich selbst zu erheben und mit dem Unendlichen zu kommunizieren.

    Wenn sie das Herz dem reinigenden Einfluss dieser unaussprechlichen Gabe des Heiligen Geistes öffnen würden, würde eine herrliche, neue geistige Dimension ins Licht gerückt. Ihr Auge würde eine Aussicht vorfinden, die kaum vorstellbar ist. Sie selbst könnten Belange des Geistes erfahren, die auserwählt und kostbar sind und die die Seele und den Sinn erweitern und das Herz mit unbeschreiblicher Freude erfüllen können.

    Brigham Young hat von einem heiligen Erlebnis berichtet. Der Prophet Joseph Smith war ihm nach seinem Märtyrertod erschienen, damit er den Heiligen noch eine Botschaft von ihm übermittelte. Es ist eine Botschaft, die die Heiligen heute mehr als je zuvor brauchen: „Sag den Mitgliedern, sie sollen darauf achten, dass sie den Geist des Herrn mit sich haben“, sagte Joseph, „denn er wird sie recht führen. Sie müssen immer auf die sanfte, leise Stimme hören, denn sie lehrt sie, was sie tun und wohin sie gehen sollen, und sie bringt die Frucht des Reiches hervor. Sag den Brüdern, sie sollen der Überzeugung stets das Herz öffnen, damit es bereit ist, den Heiligen Geist zu empfangen, wenn er zu ihnen kommt.“16

    Brüder und Schwestern, missachten wir die sanfte, leise Stimme? Tun wir etwas, was den Heiligen Geist beleidigt? Lassen wir in unserer Familie Einflüsse zu, die den Geist aus unserem Zuhause vertreiben? Die Art der Unterhaltung, die wir bei uns zu Hause zulassen, hat mit Sicherheit eine Wirkung auf die Macht des Heiligen Geistes. Ein großer Teil der weltlichen Unterhaltung ist eine Beleidigung für den Heiligen Geist. Mit Sicherheit sollten wir keine Filme oder Fernsehshows ansehen, die mit Gewalt, vulgärer Sprache und Unsittlichkeit angefüllt sind.

    Ich fordere Sie auf, für sich selbst demütig und gebeterfüllt nachzudenken und sich zu fragen: „Ist der Geist Bestandteil meines Lebens? Bin ich glücklich? Tue ich etwas, was den Geist beleidigt und verhindert, dass der Heilige Geist mein ständiger Begleiter ist?“ Haben Sie gegebenenfalls den Mut umzukehren, damit der Heilige Geist wieder Ihr Begleiter sein kann.

    „Spüren wir bei uns zu Hause den Einfluss des Heiligen Geistes? Tun wir als Familie etwas, was den Geist beleidigt? Können wir den Heiligen Geist noch besser in unser Zuhause einladen?“

    In unserer Familie muss Christus mehr im Mittelpunkt stehen. Wir müssen mehr Zeit im Tempel verbringen und weniger Zeit damit, dem Vergnügen nachzujagen. Wir müssen den Lärmpegel bei uns zu Hause senken, damit der Lärm der Welt die sanfte, leise Stimme des Heiligen Geistes nicht übertönt. Eines der größten Ziele als Eltern sollte es sein, bei uns zu Hause die Macht und den Einfluss des Heiligen Geistes zu spüren. Wir müssen beten und die heiligen Schriften studieren. Wir können die Lieder der Wiederherstellung singen und den Heiligen Geist zu uns einladen. Auch der regelmäßige Familienabend kann hilfreich sein.

    In dieser gefährlichen Zeit muss diese unaussprechliche Gabe Teil unseres Lebens sein. Präsident Boyd K. Packer hat uns daran erinnert: „Wir brauchen uns vor der Zukunft nicht zu fürchten. Wir haben allen Grund, uns zu freuen, und wenig Grund, uns zu fürchten. Wenn wir auf die Eingebungen des Geistes hören, sind wir sicher, was die Zukunft auch bringen mag. Uns wird gezeigt, was wir tun sollen.“17

    Der Prophet Joseph Smith hat erklärt, dass die Heiligen die Gabe des Heiligen Geistes von allen anderen Geistern unterscheiden können: „Er flüstert ihrer Seele Frieden und Freude zu. Er löscht Groll, Hass, Streit und alles Böse aus ihrem Herzen aus. Und sie sind ganz von dem Wunsch beseelt, Gutes zu tun, Rechtschaffenheit hervorzubringen und das Reich Gottes aufzubauen.“18

    Ein Freund hat mir einmal von einem Erlebnis erzählt, durch das er die Gabe des Heiligen Geistes kennen gelernt und verstanden hat. Er hatte oft gebetet und sehnte sich danach zu wissen, dass das Evangelium wahr ist.

    Er hatte zwar das Gefühl, mit seinem Glauben im Reinen zu sein, aber er hatte nie die sichere Gewissheit erhalten, nach der er hungerte. Er hatte sich mit der Tatsache abgefunden, dass er wohl einer von denen war, die durch das Leben gehen und sich auf den Glauben anderer verlassen müssen.

    Eines Morgens, als er über die heiligen Schriften nachsann, verspürte er etwas, was seinen Körper vom Scheitel bis zur Sohle durchströmte. „Ich war in ein Gefühl solch intensiver Liebe und reiner Freude getaucht“, erklärte er. „Ich kann das Ausmaß dessen, was ich damals empfand, nicht anders beschreiben als damit, dass ich von einer so tiefgreifenden Freude umfangen war, dass es in mir keinen Raum für andere Gefühle gab.“

    Selbst als er diese Ausgießung des Heiligen Geistes verspürte, fragte er sich, ob er sich das, was gerade geschah, nur einbildete. „Je mehr ich mich dies fragte“, sagte er, „desto intensiver wurden diese Gefühle, bis ich schließlich nur noch unter Tränen sagen konnte: ‚Es ist genug!‘“

    Mein Vater hatte als Junge am Tag seiner Taufe ein ähnliches Erlebnis. Er hat erzählt: „Als der Bischof mir die Hände auflegte und sagte: ‚Empfange den Heiligen Geist!‘, hatte ich ein seltsames Gefühl – etwas, was ich zuvor nie verspürt hatte, kam in meine Seele und gab mir ein Gefühl des Glücklichseins, ein Gefühl, das meine Seele erfüllte.“

    Von dem Augenblick an und während seines ganzen Lebens wusste er immer, dass Jesus Christus lebt und dass dieser seine Kirche durch einen lebenden Propheten führt.19

    Es gibt viele hier, die Eingebungen des Heiligen Geistes verspürt haben, als sie das Buch Mormon lasen oder dem Zeugnis von Missionaren und Freunden lauschten. Ihnen sage ich als Apostel des Herrn Jesus Christus: Das Evangelium ist in seiner Fülle erneut auf der Erde wiederhergestellt worden. Joseph Smith war ein wahrer Prophet, der das Buch Mormon durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt hat. Ich bitte Sie inständig, das Buch Mormon zu lesen, und seine Verheißung anzuwenden. „Wenn ihr dieses hier empfangt, so fragt Gott, den ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, dass es wahr ist.“20

    Sie, die Sie kein Mitglied der Kirche sind, bitte ich aus tiefstem Herzen: Widersetzen Sie sich nicht länger der Wahrheit. Schaffen Sie in Ihrem Herzen Platz für dieses himmlische Licht. Haben Sie Glauben, kehren Sie um und lassen Sie sich im Namen Jesu Christi zur Vergebung Ihrer Sünden taufen, und auch Sie werden diese unaussprechliche Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

    Der himmlische Vater lebt! Jesus ist der Messias! Das Evangelium Jesu Christi wurde durch den Propheten Joseph Smith in seiner Fülle wiederhergestellt. Präsident Gordon B. Hinckley ist der heutige Prophet, Seher und Offenbarer. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.