2000-2009
    Sein starker Arm
    Fußnoten
    Theme

    Sein starker Arm

    Wir bemühen uns, an Glauben und Rechtschaffenheit zuzunehmen, die Familie und das Zuhause zu stärken und dem Herrn und seinen Kindern zu dienen.

    Vor vielen Jahren – ich war im Hauptausschuss der FHV tätig – hatte ich den Auftrag, einige Führungsbeamte der FHV und des Priestertums zu schulen. Nachdem ich morgens in einer anderen Stadt eine Schulung durchgeführt hatte, waren wir gerade rechtzeitig angekommen.

    Nach dem Anfangslied und dem Gebet sollte ich sprechen. Als Anfangslied wurde das Lied „Die Zeit ist nur kurz“ angesagt.

    Mir war der Titel dieses Liedes unbekannt und ich dachte, das sei als Anfangslied aber seltsam. Ich hatte noch gar nicht gesprochen, da sang man schon „Die Zeit ist nur kurz“!

    Als wir das Lied anstimmten, erkannte ich schnell, dass es darum ging, wie wenig Zeit bleibt, die Evangeliumsbotschaft zu verkünden und Seelen zu Christus zu bringen. Die vierte Strophe ging mir den ganzen Abend und seither immer wieder durch den Kopf. Dort heißt es im englischen Original:

    Hab dein Ziel fest im Auge, eh der Satan dich prüft;

    die Last deiner Berufung kennt er genau.

    Wenn auch dornig dein Weg, Jesus ist bei dir;

    sein starker Arm die Dämonen vertreibt,

    sein starker Arm die Dämonen vertreibt.1

    Die Botschaft dieser Worte lautet: Was auch immer im Leben geschieht, Jesus Christus hat die Macht zu erretten. Durch sein göttliches Opfer hat er den Weg bereitet, wie wir ewiges Leben erlangen können. Es ist wahrhaftig sein Werk, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“.2 Er hat uns aufgefordert, ihn darin zu unterstützen, indem wir einander helfen, all das zu tun, was zum ewigen Leben führt.

    In der Allgemeinen FHV-Versammlung letzten September hat Schwester Beck drei Punkte beschrieben, die uns unserem Ziel – dem ewigen Leben – näher bringen. Wir sollen:

    1. an Glauben und Rechtschaffenheit zunehmen,

    2. die Familie und das Zuhause stärken,

    3. dem Herrn und seinen Kindern dienen.3 Das bedeutet auch, die Armen und Bedürftigen ausfindig zu machen und für sie zu sorgen.

    Wir wissen, dass der Satan uns versuchen und prüfen wird, wenn wir uns bemühen, dies zu erfüllen, aber der Herr hat verheißen, dass er uns stark machen wird; er wird uns helfen.4

    Nehmen wir an Glauben und Rechtschaffenheit zu

    Als Kind brachten meine Eltern mir bei, dass der himmlische Vater und Jesus Christus mich lieben. Mir wurde gesagt, dass ich ein Kind Gottes bin.5 Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das jemals nicht gewusst hätte. Sie brachten mir bei, dass Jesus Christus unser Erlöser ist und wir nur durch ihn errettet werden können.6

    Mir wurde auch gesagt, dass ich jeden Tag beten muss, damit mein Glaube zunimmt, ja, dass ich sogar immer beten muss.7 Mir wurde gesagt, dass mein Wissen und mein Zeugnis von der Wahrheit des Evangeliums wachsen, wenn ich die heiligen Schriften lese und studiere. Ich lernte, Gott zu lieben, und dass ich ihm meine Liebe zeigen kann, indem ich seine Gebote halte.8 Ich lernte als Kind auch, wie wichtig der Tempel ist. In meiner Jugend lernte ich, dass ich auf dem Weg zum ewigen Leben bleiben würde, wenn ich heilige Tempelbündnisse einging und hielt.

    Wir alle müssen uns das ganze Leben an diese Grundsätze halten, damit wir an Glauben und Rechtschaffenheit zunehmen.

    Stärken wir die Familie und das Zuhause

    Wir alle haben zugleich die Pflicht und das Recht, die Familie und das Zuhause zu stärken. Für jeden sieht die familiäre Situation anders aus. Manche Familien bestehen aus Vater, Mutter und Kindern, die noch bei ihnen wohnen. Manche Eltern haben keine Kinder mehr zu Hause. Viele Mitglieder der Kirche sind alleinstehend und manche sind alleinerziehend. Andere sind verwitwet und leben allein.

    Wie unsere Familie auch aussieht, jeder von uns kann daran arbeiten, seine eigene Familie zu stärken, oder mithelfen, andere Familien zu stärken.

    Wie man die Familie stark machen kann, zeigt sich an diesem Beispiel. Ich hatte einmal einen Auftrag in der Gegend von Boise in Idaho zu erledigen. Nach einer Schulung am Samstagnachmittag übernachtete ich bei meiner Nichte und ihrer Familie. Abends, bevor die Kinder zu Bett gingen, hatten wir einen kurzen Familienabend mit einer Geschichte aus der Schrift. Der Vater erzählte von Lehi, der seinen Kindern beibrachte, dass sie sich an der eisernen Stange, nämlich dem Wort Gottes, festhalten müssen.9 Wenn sie sich an der eisernen Stange festhielten, wären sie stets sicher und sie würden Freude und Glück finden. Falls sie die eiserne Stange aber losließen, liefen sie Gefahr, im schmutzigen Wasser des Flusses zu ertrinken.

    Um das den Kindern zu veranschaulichen, wurde die Mutter die „eiserne Stange“, die sie festhalten mussten, und der Vater spielte den Teufel, der versuchte, die Kinder aus der sicheren Umgebung und vom Glück wegzuzerren. Die Geschichte gefiel den Kindern, und sie lernten dabei, wie wichtig es ist, sich an der eisernen Stange festzuhalten.

    Nach der Geschichte war es Zeit für das Familiengebet. Die Mutter erinnerte die Kinder daran, für den Bischof zu beten, der ein schweres Augenleiden hatte. Die dreijährige Brooklyn sprach an diesem Abend das Ge- bet. Sie dankte dem himmlischen Vater für alle Segnungen und bat ihn dann flehentlich: „Segne den Bischof, denn seine Augen sind kaputt.“

    Am nächsten Morgen gingen wir zur Abendmahlsversammlung und setzten uns. Brooklyn und ihre fünf Jahre alte Schwester Kennedy schauten zum Podium und sahen dort den Bischof stehen. Die Mädchen zeigten auf den Bischof und sagten ganz aufgeregt zu ihrer Mutter: „Schau, da ist der Bischof.“ Dann schauten sie sich kurz bestätigend an, als wollten sie sagen: „Wir haben für den Bischof gebetet, und jetzt geht es ihm besser.“ Sie beteten voller Glauben und wussten, dass der himmlische Vater ihr demütiges Gebet erhören würde.

    Die heiligen Schriften, der Familienabend und das Familiengebet machen die Familie stark. Wir müssen jede Gelegenheit ergreifen, Familien zu stärken, und einander unterstützen, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

    Dienen wir dem Herrn und seinen Kindern, machen wir die Armen und Bedürftigen ausfindig und sorgen wir für sie

    Sein ganzes Erdenleben lehrte der Erlöser, dass wir füreinander sorgen und einander helfen sollen. Er heilte Kranke und bewirkte, dass Lahme gingen, Blinde wieder sahen und Taube wieder hören konnten. Er lehrte die Menschen das Evangelium. Er segnete die Menschen und wirkte viele große Wunder.10

    Überall bietet sich uns die Möglichkeit, den Bedürftigen zu helfen. Ich meine, dass jeder von uns irgendwann im Leben auf die eine oder andere Weise arm ist und Hilfe benötigt. „Denn … sind wir nicht alle Bettler?“11

    Präsident Spencer W. Kimball sagte: „Gott sieht uns, und er wacht über uns. Was wir brauchen, gibt er uns aber normalerweise durch andere Menschen. Es ist also sehr wichtig, dass wir einander dienen.“12

    Als ich letzten Sommer unterwegs war, fegte ein heftiger Sturm mit Regenschauern durch unser Viertel. Ein riesiger Baum fiel vom Nachbargrundstück auf mein Grundstück und kappte die Stromleitung. Der Baum musste weg, bevor die Leitung instand gesetzt und die Stromversorgung wiederhergestellt werden konnte.

    Frühmorgens rief ich meinen Bruder an, der so bald wie möglich mit passendem Gerät anrücken wollte. Ich rief auch meinen Bischof an. Innerhalb weniger Minuten waren mein Bischof, die Heimlehrer, mein ehemaliger Pfahlpräsident und zehn Brüder aus meiner Gemeinde mit ihren Kettensägen da und machten kurzen Prozess mit dem umgestürzten Baum. Meine Besuchslehrerinnen brachten am Abend Essen vorbei. Viele Brüder von der HP-Gruppe, vom Ältestenkollegium und Männer aus der Nachbarschaft kamen die folgenden Abende, um mir und meiner Familie beim Aufräumen zu helfen.

    Damals war ich bedürftig. Ich brauchte Hilfe. Meine Mutlosigkeit wandelte sich in Freude und Dankbarkeit. Ich fühlte mich geliebt und umsorgt. Diese Menschen erkannten schnell, wo Not am Mann war. Sie lebten nach ihrer Überzeugung und demonstrierten, wie real ihre Bündnisse waren.

    Am Hauptsitz der Kirche erhalten wir oft Dankschreiben von Menschen, die keine Mitglieder sind, denen nach einer Flut, einem Sturm, einem Erdbeben oder einer sonstigen Katastrophe von Mitgliedern geholfen wurde. Danke für Ihre stete Bereitschaft zu dienen, zu lieben, zu geben und so ein wahrer Jünger Christi zu sein.

    Wir müssen unser Ziel „fest im Auge“ haben13, während wir uns bemühen, an Glauben und Rechtschaffenheit zuzunehmen, die Familie und das Zuhause zu stärken und dem Herrn und seinen Kindern zu dienen. Der Satan mag uns trotzen, doch ich gebe Zeugnis von Jesus Christus und der Macht seines Sühnopfers, das uns ermöglicht, seinen Willen zu tun und dabei unsere Anstrengungen auszuweiten. Im Namen Jesu Christi. Amen.