Generalkonferenz
    Eine neue Erntezeit
    Fußnoten
    Theme

    Eine neue Erntezeit

    In der familiengeschichtlichen Arbeit ist ein neues Zeitalter angebrochen.

    Die Liebe in der Familie ist etwas Wunderbares. Nichts gleicht der Liebe eines Säuglings zu seiner Mutter. Nichts ist so verläßlich wie die Liebe der Kinder zu ihren Eltern und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern.

    Vor kurzem nahm ich eine unserer kostbaren fünfjährigen Enkelinnen sanft in den Arm und sagte: „Ich hab dich lieb, mein Schatz.“

    Sie antwortete recht schlicht: „Ich weiß.“

    Ich fragte: „Woher weißt du, daß ich dich liebhabe?“

    „Einfach so! Du bist mein Opa!“

    Das war für sie Grund genug. Wir haben unsere Enkel wirklich lieb. Wir haben auch unsere Großeltern lieb. Ich erinnere mich sehr gern an die Zeit, die ich mit dreien meiner vier Großeltern verbracht habe. Großvater Nelson1 habe ich nicht mehr kennengelernt. Er starb, als mein Vater erst 16 Jahre alt war. Als er starb, war er Superintendent für das Schulwesen des Staates Utah. Er hatte eine schöne Taschenuhr, die ich später von meinem Vater bekam. Heute ist diese Uhr ein greifbares Bindeglied zwischen uns.

    Der Gedanke an meinen Großvater Nelson erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit. Einen großen Teil meiner frühen Schulbildung erhielt ich in Schulen, an deren Aufbau er mitgewirkt hatte. Mir liegt auch viel daran, daß ich Mitglied dieser Kirche bin; seine Eltern bekehrten sich beide vor etwa eineinhalb Jahrhunderten in Dänemark zur Kirche. Alle meine acht Urgroßeltern bekehrten sich in Europa zur Kirche. Einer schloß sich ihr in Schweden an, zwei in England und drei in Norwegen. Und wie dankbar bin ich heute diesen Pionieren, meinen Vorfahren! Was ich ihnen schuldig bin, kommt in einem Vers in der Bibel zum Ausdruck, nämlich: „Einer sät, und ein anderer erntet… . so daß sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.“2

    Wir ernten heute die Früchte der Liebe zur Familie, die vor langer Zeit gesät worden sind. Die Stärkung der Familienbande wurde 1823 vorbereitet; damals erschien der Engel Moroni dem Propheten Joseph Smith zum ersten Mal. Moroni kündigte das Kommen des Elija an, der das Herz der Kinder den Vätern zuwenden sollte.3

    Elijas Rückkehr zur Erde geschah im ersten Tempel dieser Evangeliumszeit; er und andere Boten vom Himmel vertrauten dort auf Weisung des Herrn der wiederhergestellten Kirche besondere Schlüssel der Priestertumsvollmacht an.

    • Mose übertrug die Schlüssel der Sammlung Israels.5

    • Elias übertrug die Schlüssel der Evangeliumszeit Abrahams.6

    • Elija kam, um das Herz der Väter den Kindern und die Kinder den Vätern zuzuwenden.7

    Damit wurde die natürliche Zuneigung unter den Generationen bereichert. Diese Wiederherstellung ging mit dem einher, was manchmal der Geist des Elija genannt wird, nämlich einer Manifestation des Heiligen Geistes, der vom göttlichen Wesen der Familie Zeugnis gibt.8 So kommt es, daß auf der ganzen Welt die Menschen ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit in immer stärkerem Maße Aufzeichnungen über ihre verstorbenen Vorfahren zusammentragen.9

    Elija kam nicht nur, um zur Forschung nach den Vorfahren anzuregen. Er machte es der Familie auch möglich, über die Grenzen des Erdenlebens hinaus in Ewigkeit verbunden zu sein. Die Möglichkeit, Familien für immer zu siegeln, ist tatsächlich der einzige Grund für unsere Forschung. Der Herr ließ durch den Propheten Joseph Smith verkünden: „[Es handelt sich hier] um Grundsätze hinsichtlich der Toten und der Lebenden, die man nicht leichthin übergehen kann, da sie ja unsere eigene Errettung betreffen. Denn deren Errettung ist für unsere eigene Errettung notwendig und wesentlich; … sie [werden] nicht ohne uns vollkommen gemacht ­, und auch wir können ohne unsere Toten nicht vollkommen gemacht werden.“10

    Unter den ersten, die in dieser Evangeliumszeit die Saat des Interesses an der Familiengeschichte legten, waren die Brüder Orson und Parley P. Pratt, beide Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel. Ihren Bemühungen ist es zu verdanken, daß eine Ahnentafel der Familie Pratt erstellt und die heiligen Handlungen des Tempels für rund 3000 ihrer Vorfahren vollzogen wurden.11

    Es gab aber noch viele Mitglieder der Kirche, die ihre Aufgabe in bezug auf ihre Vorfahren noch nicht ganz verstanden hatten. Präsident Wilford Woodruff machte sich so große Sorgen um diese Angelegenheit, daß er sie zum Thema intensiven Betens machte. 1894 stellte er den Mitgliedern der Kirche auf der Frühjahrs-Generalkonferenz12 eine Offenbarung vor. Ich zitiere daraus: „Wir möchten, daß die Heiligen der Letzten Tage von jetzt an ihre Abstammung so weit wie möglich zurückverfolgen und sich an ihre Väter und Mütter siegeln lassen. Siegelt die Kinder an ihre Eltern, und setzt diese Kette so weit wie möglich fort… . Das ist der Wille des Herrn für sein Volk.“13

    Später im selben Jahr gründeten die Erste Präsidentschaft und die Zwölf die Genealogische Gesellschaft von Utah.14 Aus den bescheidenen Anfängen im Obergeschoß des Büros des Geschichtsschreibers der Kirche15 sind ihre Sammlung und ihre Einrichtungen entstanden. Heute belegt das Genealogie-Archiv ein modernes Gebäude mit fünf Etagen. Mit 280000 Büchern, 700000 Mikrofiches und über zwei Millionen Rollen Mikrofilm ist es das größte Archiv seiner Art weltweit.

    1964 begann die Abteilung damit, Zweigstellen einzurichten. Heute gibt es rund um den Erdball über 3000 Genealogie-Forschungsstellen.16

    Die Technik, mit der dieses wichtige Werk unterstützt wird, hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. 1927 wurde eine Kartei eingerichtet, in der alle vollzogenen Begabungen erfaßt waren17. Diese Kartei wurde bis 1969 geführt. Von da an wurden die neuen Begabungen im ersten größeren Computersystem erfaßt; das System wurde mit dem Kürzel GIANT18 bezeichnet. Es wurde mehr als zwei Jahrzehnte lang benutzt.19

    Die umfangreichen Mikroverfilmungen der Gesellschaft machen es möglich, daß Aufzeichnungen am Entstehungsort erfaßt werden; später werden Kopien davon im Genealogie-Archiv in Salt Lake City und in den Genealogie-Forschungsstellen zugänglich gemacht. In 110 Ländern sind bereits Mikrofilme erstellt worden, die bisher über zwei Milliarden Aufnahmen mit zusammen etwa 13 Milliarden Namen ergeben haben. Durch die Mikroverfilmung konnte das Archiv seine Sammlung beträchtlich erweitern und dazu beitragen, daß die genealogische Forschung weltweit explosionsartig zugenommen hat. Die Mikrofilme sind die Quelle der Daten, die in den gegenwärtig verwendeten automatisierten Systemen enthalten sind.

    In den achtziger Jahren hat der Computer die Verwaltung von Datenbeständen revolutioniert. Das Family History Department der Kirche nutzte diese Technologie zur Entwicklung von Personal Ancestral File® und half so den Mitgliedern, die Angaben bezüglich ihrer Vorfahren zu ordnen. 1990 wurde FamilySearch® vorgestellt. In der Herbst-Konferenz desselben Jahres beschrieb Elder Richard G. Scott die Komponenten von FamilySearch, nämlich Ancestral File, den Family History Library Catalog, den Internationalen Genealogie-Index®; und andere.20 Seine Worte regten meine Frau und mich dazu an, die Angaben, die wir und unsere Angehörigen über die Jahre hin gesammelt hatten, mit diesen Hilfsmitteln zu ordnen.

    Inzwischen sind unter dem Gesichtspunkt der Dezentralisierung und Vereinfachung Urkundenauswertungs-Projekte unternommen worden, an denen sich schon Tausende von Mitgliedern der Kirche beteiligt haben.21 Die Urkundenauswertung hat bis jetzt Unterlagen von über 300 Millionen Verstorbener erbracht.22

    Viele Menschen haben sich mit den Mitgliedern der Kirche zusammengetan, um die rasant wachsende Menge genealogischer Angaben zu erfassen. Die britische Volkszählung von 1881 ist ein Beispiel dafür. Für dieses Projekt haben über 8000 freiwillige Helfer von genealogischen Gesellschaften aus dem ganzen Bereich der britischen Inseln über 30 Millionen Namen übertragen. Dankbar dürfen wir nun bekanntgeben, daß die Früchte dieser Arbeit auf Fiches und, über die Versandzentralen der Kirche, schon bald auf CD zur Verfügung stehen.

    Wir freuen uns auch bekanntgeben zu dürfen, daß die Angaben aus der US-amerikanischen Volkszählung von 1880 schon bald auf CD herauskommen. Währenddessen arbeiten Freiwillige bereits an weiteren Projekten, beispielsweise an den Listen der über Ellis Island in die USA gekommenen Einwanderer.

    Ich möchte sagen, wie dankbar wir für alle diese tapferen ehrenamtlichen Helfer aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für die eifrige Arbeit an diesen und anderen Projekten sind.

    Ich weiß durchaus, daß ich mit der Beschreibung dieser Leistungen bei einigen Menschen, die nicht so sehr in dieser Arbeit engagiert sind, möglicherweise verstärkte Schuldgefühle ausgelöst habe. Ich entschuldige mich dafür. Ich weiß, daß ängstlichkeit und das Ungewohnte einem dabei im Wege stehen können. Für andere wiederum ist die bloße Erwähnung von Computern ein Hemmnis. Mancher hofft im Stillen, daß er die restlichen Tage seines Lebens zubringen kann, ohne jemals einen Computer auch nur anfassen zu müssen. Denjenigen, die einen Computer haben, sage ich: „Gehen Sie es an! Haben Sie Hoffnung! Versuchen Sie es! Ich habe da aufregende Neuigkeiten für Sie!“

    „Die Zeit der Ernte ist da.“23 Ein neues Zeitalter der familiengeschichtlichen Arbeit ist angebrochen. Präsident Gordon B. Hinckley hat kürzlich gesagt: „Der Herr hat fähige Männer und Frauen dazu inspiriert, neue Technologien zu entwickeln, die uns bei der Fortführung dieses heiligen Werkes von großem Nutzen sein können.“24 Früher konzentrierten sich die Bemühungen darauf, Namen und Daten zu sammeln und diese Angaben zu ordnen. Jetzt gibt es Computerprodukte, die einen tatsächlich dahin führen können, daß man seine Ahnen findet.

    Darf ich Ihnen den neuen Family History SourceGuide vorstellen. Diese CD ist jetzt über die Versandzentralen der Kirche erhältlich.25 Sie kann Sie zu genealogischen Aufzeichnungen in Staaten, Ländern und Provinzen aus aller Welt führen und Ihnen zeigen, wie Sie diese Aufzeichnungen bei der Suche nach Ihren Vorfahren nutzen können. Sie enthält auch weitere Hilfsmittel, beispielsweise Landkarten, Anleitungen für Briefe, Wortübersetzungen für mehrere nicht-englischsprachige Länder, Begriffserläuterungen und Wörter, die in genealogischen Unterlagen häufig vorkommen. Der Family History SourceGuide macht Ihnen den Erfahrungsschatz von Hunderten von Genealogie-Experten leicht zugänglich. Das alles steht auf Knopfdruck für Sie bereit. Nutzen Sie es, und haben Sie Freude daran!

    Ein neuer Vital Records Index verschafft Zugang zu den Auswertungsergebnissen von zahlreichen standesamtlichen und kirchlichen Unterlagen. Es wird einige überschneidungen mit dem Internationalen Genealogie-Index geben, aber für die meisten Namen im Vital Records Index sind die heiligen Handlungen des Tempels noch nicht vollzogen worden. Der gesamte Index wird ungefähr 25 Millionen Einträge haben. In den nächsten Monaten werden Teile davon, geordnet nach geographischen Gebieten, veröffentlicht, so etwa die Britischen Inseln mit 5 Millionen und Nordamerika mit 4,5 Millionen Einträgen. Diese Datei ist das Ergebnis der jahrelangen Arbeit der vielen Urkundenauswerter.

    Ich bin begeistert von diesen und noch anderen Entwicklungen. Ziele, die einst unerreichbar schienen, liegen nun in unserer Reichweite. „Für Gott ist nichts unmöglich.“26 Eine neue Erntezeit ist angebrochen. Der Weg steht uns offen, seinen Willen zu tun27 und die Bindeglieder28 zwischen allen Evangeliumszeiten und Generationen zu schaffen.

    Für den Anfang brauchen Sie keine Geräte. Beginnen Sie mit einer Ahnentafel und einem Familiengruppenbogen.29 Tragen Sie die Namen derer ein, die Sie kennen. Fügen Sie hinzu, was Ihnen Ihre noch lebenden Angehörigen sagen können. Dieser einfache Anfang zu Hause bereitet sie darauf vor, weitere Hilfe zu erhalten. Und wenn Sie sich dann für einen verstorbenen Vorfahren taufen lassen, werden Sie spüren, daß dieses heilige Werk Gültigkeit besitzt, und Sie werden dadurch große Freude empfinden.

    Wenn wir darüber nachdenken, wie wichtig unsere Aufgabe in bezug auf die Vorfahren ist, müssen wir uns auch das umfangreiche Werk des Herrn vor Augen halten. Ich zitiere Präsident Joseph F. Smith: „Jesus war mit seiner Arbeit noch nicht am Ende, als sein Leib getötet wurde; er vollendete sie auch noch nicht nach seiner Auferstehung. Zwar hatte er vollbracht, wozu er auf die Erde gekommen war, aber doch war er mit seiner Arbeit noch nicht fertig. Und wann wird das sein? Erst dann, wenn er jeden Sohn und jede Tochter Adams erlöst und gerettet haben wird ­ alle, die auf Erden geboren worden sind oder noch geboren werden… . Das ist nämlich seine Mission. Unsere Arbeit wird erst dann beendet, wenn wir uns selbst gerettet haben, und auch dann erst, wenn wir alle erlöst haben, die von uns abhängig sind; denn wir müssen, wie Christus, Heilande auf dem Berg Zion werden. Zu dieser Mission sind wir berufen worden. Die Verstorbenen sind ohne uns nicht vollkommen, und wir nicht ohne sie.“30

    Zu diesem Zweck ist Präsident Hinckley der Wille des Herrn eingeprägt worden, daß nämlich mehr Tempel gebaut werden sollen.31 Die Heiligen der Letzten Tage sollen ein Volk sein, das die Begabung erhalten hat, und sie sollen sich an ihre Nachkommen und an ihre Vorfahren siegeln lassen.

    Die Uhr meines Großvaters erinnert mich daran, daß unsere Großeltern auf uns schauen und darauf warten, daß wir sie ausfindig machen, die Verbindung zu uns feststellen und ihnen die heiligen Handlungen des Tempels zugänglich machen. Möge Gott uns in diesem heiligen Dienst mit Erfolg segnen. Das erbitte ich im Namen Jesu Christi, amen.