Nehmen wir uns der Seele der Kinder an
    Fußnoten

    Nehmen wir uns der Seele der Kinder an

    Sagen Sie Ihren Kindern, daß Sie sie lieben und daß Sie glücklich sind, sie in Ihrer Familie zu haben. Bereiten Sie sich in geistiger Hinsicht darauf vor, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen.

    Je länger ich in meiner Berufung als PV-Präsidentin diene, desto mehr liegen mir die Kinder am Herzen. Kinder sind ein heiliges Geschenk von unserem liebevollen himmlischen Vater. „Kinder sind eine Gabe des Herrn." (Psalm 127:3.) Je mehr ich über die Kinder nachdenke, desto mehr sorge ich mich um die Eltern. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt: „Der himmlische Vater hat den Eltern die Aufgabe übertragen, dafür zu sorgen, daß ihre Kinder gut ernährt, gut gepflegt und gekleidet, gut erzogen und gut unterwiesen werden. Die meisten Eltern bieten ihren Kindern Sicherheit - sie pflegen sie, wenn sie krank sind, geben ihnen schützende und bequeme Kleidung und ausreichend Nahrung, damit sie gesund bleiben und wachsen. Aber was tun sie für ihre Seele?" (The Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982,332.)

    Traurigerweise haben manche Kinder irgendwann ähnliche Gefühle, wie der Psalmist sie hier zum Ausdruck bringt: „Ich blicke nach rechts und schaue aus, doch niemand ist da, der mich beachtet. Mir ist jede Zuflucht genommen, niemand fragt nach meinem Leben." (Psalm 142:5.)

    Heute spreche ich zu allen Eltern und zu jedem erwachsenen Mitglied der Kirche, und ich fordere Sie alle auf, sich mit vereinten Kräften der Seele der Kinder anzunehmen.

    Vor einigen Jahren habe ich einmal im Garten gearbeitet und mich daran gefreut, eine Wachtelfamilie zu beobachten. Ich sah, wie der Vater oben auf der Mauer saß und Wache hielt. Die Mutter war damit beschäftigt, ihre zehn kostbaren Wachtelkinder zusammenzuhalten. Sie schien ihnen zu zeigen, wie man Futter aus der Erde pickt. Ich war fasziniert. Vorsichtig und leise schlich ich mich näher. Aber bald darauf wurde ich von dem aufmerksamen Vater entdeckt, der einen Warnruf ausstieß. Die Mutter versuchte, die Kinder hinter die Mauer zu führen, um sie in Sicherheit zu bringen, aber ich, die Gefahr, war zu nahe, so daß sie entmutigt und verwirrt auf die Mauer flog und sich neben den Vater setzte. Da ich der Familie keinen Schaden zufügen wollte, entfernte ich mich schnell aus ihrem Blickfeld.

    Im Gegensatz zu meinem Erlebnis mit der Wachtelfamilie ziehen sich die Gefahren, die unsere Familien bedrohen, nicht zurück. Der Satan freut sich über unsere Verwirrung und Entmutigung, und sein Einfluß umgibt uns. Wir schalten den Fernseher ein - ist das eine Familiensendung? Was wir da aus dem Kinderzimmer tönen hören - ist das Musik? Wir wollen einen Film aussuchen - war er wirklich als jugendfrei eingestuft?

    Manchmal sind die Einflüsse des Satans eher unmerklich. Ich frage mich: Setze ich meine Kinder der Gefahr aus, wenn ich sie nicht die Wahrheiten des Evangeliums lehre? Vernachlässige ich ihre Seele, wenn ich ihnen nicht helfe, die Eingebungen des Geistes und die Weisung, die sie erhalten können, zu erkennen? Setze ich meine Kinder der Gefahr aus, wenn mein Beispiel nicht meinen Worten entspricht oder wenn ich meine Liebe nicht in einer Weise weitergebe, daß jedes Kind sie tief empfinden kann?

    Aus Statistiken und aus den Nachrichten erfahren wir, daß es Kinder gibt, die auf tragische Weise im Stich gelassen werden.

    Zum Glück ist das nicht das Los aller Kinder. Ich war schon in Familien, die von Liebe erfüllt waren, wo das Evangelium gelehrt wurde und die Seele der Kinder in guten Händen war. Ich habe alleinerziehende Eltern beobachtet, die in ihrem Glauben und ihrer Hingabe Großartiges leisten. Ich kenne alleinstehende Erwachsene, die sich in Familien einbringen und sowohl den Eltern als auch den Kindern eine Stütze sind. Ich kenne Lehrer und Leiter und andere engagierte Erwachsene, die das Leben von Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen, die sich ihrer Seele annehmen.

    Mit der Elternschaft und der Sorge für die Kinder gehen viele Segnungen einher. Präsident Hinckley hat gesagt: „Von allen Freuden des Lebens kommt keine der einer glücklichen Elternschaft gleich. Von all den Verpflichtungen, mit denen wir kämpfen, ist keine so schwerwiegend. Kinder in einer Atmosphäre der Liebe, der Geborgenheit und des Glaubens zu erziehen ist die lohnenswerteste aller Herausforderungen. Die positiven Folgen solcher Bemühungen sind des Lebens größter Lohn." („Rettet die Kinder", Der Stern, Januar 1995, 53.)

    Die Elternschaft ist eine gottgegebene Aufgabe, die für die Errettung der Kinder des Vaters notwendig ist und die auch für unsere Vorbereitungen auf die Segnungen der Ewigkeit wichtig ist. Freuen Sie sich über jede Möglichkeit, die Seele eines Kindes zu lieben und sich ihrer anzunehmen. Unser Vater im Himmel ermöglicht jedem seiner Kinder Segnungen und ewigen Lohn, ob sie nun verheiratet oder alleinstehend sind, ob sie Eltern sind oder kinderlos geblieben sind. Auch wenn sich unsere Umstände und Möglichkeiten unterscheiden, wird doch das Endergebnis unserer Rechtschaffenheit dasselbe sein ewige Elternschaft, ewige Leben. Wenn wir mithelfen, uns der Seele der Kinder anzunehmen, können wir uns auf diese ewige Segnung vorbereiten.

    Wie können wir es noch besser machen? Ich meine, daß es hilfreich sein kann, wenn wir uns ernsthaft damit befassen, wie unser Vater sich seiner Kinder annimmt. Alles, was wir über den himmlischen Vater wissen, hängt damit zusammen, daß er Vater ist, daß er sich liebevoll um unsere Seele sorgt. Er liebt jedes seiner Kinder bedingungslos. Wir können in unserer Familie das gleiche tun. Sein Plan des Glücklichseins ist ein Plan, der seinen Kindern helfen soll, Fortschritt zu machen und bereit zu sein, seine größten Segnungen zu empfangen. Auch wir können einen Plan aufstellen, um unserer Familie zu helfen, Fortschritt zu machen. Er bezog seine Kinder in den großen Rat im Himmel ein; wir durften mitwirken und uns frei entscheiden. Wir können einen Familienrat abhalten und unsere Kinder einbeziehen und aktiv daran teilnehmen lassen. Unter seiner Führung wurde diese Erde als der Ort bereitet, an dem wir lernen und wachsen können. Auch unser Zuhause kann ein glücklicher Ort sein, wo unsere Kinder lernen und wachsen können. Er gab seinen Kindern Verhaltensregeln und Gebote, die uns auf dem Weg, der in unsere himmlische Heimat führt, voranbringen. Die Verhaltensregeln in unserer Familie können uns helfen, auf dem Weg, der uns zum himmlischen Vater zurückführt, vorwärtszugehen.

    Der einziggezeugte Sohn unseres Vaters, unser Erretter Jesus Christus, hat sein irdisches Wirken damit zugebracht, daß er uns gezeigt hat, wie wir alle, die zur Familie Gottes gehören, lieben und unterweisen und segnen sollen. Er hat uns gelehrt, daß keine Seele verloren gehen soll. Wir müssen seinem Beispiel nacheifern und unsere Kinder lieben und segnen und alles tun, was wir können, damit nicht eine Seele verloren geht.

    Zur Vorbereitung auf diese Ansprache und auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wie wir uns noch besser eines jeden Kindes annehmen können, habe ich mit meinem Mann Ed den Tempel besucht. Ich war so dankbar für diese heilige Möglichkeit, denn im Tempel werden wir an die verheißenen Segnungen erinnert. Mir wurde klar, daß die Segnungen, die uns an diesem heiligen Ort offen stehen, die Hilfe eröffnen, die alle Eltern brauchen, um heute ihre Kinder erziehen zu können.

    Arbeiten Sie darauf hin, für den Tempel würdig zu sein, und besorgen Sie sich einen Tempelschein, auch wenn der Tempel so weit weg ist, daß Sie nicht sehr oft hingehen können. Aufgrund Ihrer Rechtschaffenheit werden Ihnen und Ihren Kindern große Segnungen zuteil. Wenn Sie schon einen Tempelschein haben, dann studieren und beten Sie und gehen Sie oft in den Tempel, damit Sie die Bündnisse, die Sie eingegangen sind, besser verstehen.

    Alle Eltern müssen außerdem diesen Rat von Präsident Hinckley befolgen: „Als Eltern brauchen Sie mehr als nur Ihre eigene Weisheit, um Kinder aufzuziehen. Sie brauchen die Hilfe des Herrn. Beten Sie um diese Hilfe, und folgen

    Sie der Inspiration, die Sie erhalten." (Der Stern, Januar 1996, 81.)

    Wenn wir rechtschaffener werden, indem wir unsere Bündnisse einhalten und den Rat, den wir durch die heiligen Schriften und die lebenden Propheten erhalten, gewissenhafter befolgen, werden wir wahrhaftig gesegnet und können uns täglich von unserem Vater im Himmel und vom Erretter führen lassen, was wir ja wirklich brauchen, und unsere Kinder in Rechtschaffenheit erziehen.

    Allen Vätern und Müttern in der Kirche sage ich: Sagen Sie Ihren Kindern, daß Sie sie lieben und daß Sie glücklich sind, sie in Ihrer Familie zu haben. Bereiten Sie sich in geistiger Hinsicht darauf vor, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen. Studieren Sie gebeterfüllt die heiligen Schriften und „Die Familie - Eine Proklamation an die Welt" (Der Stern, Januar 1996, 93). Achten Sie auf die Eingebungen des Geistes; befolgen Sie sie. Seien Sie vor dem Einfluß des Satans auf der Hut. Woher kommen die Gefühle, die Ihnen den Eindruck vermitteln, Ihre Bemühungen in der Familie seien nicht wichtig und man könne darin keine Erfüllung finden? Woher kommen die Gefühle, die Ihnen den Eindruck vermitteln, niemand wisse Ihre Arbeit zu schätzen?

    Nun möchte ich den jungen Männern und jungen Damen der Kirche noch etwas sagen. Freut euch darauf, Eltern zu werden; plant es in euer Leben ein und bereitet euch darauf vor. Macht euch bereit, würdige Väter und Mütter zu werden. Wenn ihr an eure zukünftigen Kinder denkt, kann euch das helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Sollte euch dieser Segen in diesem Leben vorenthalten bleiben, dann bereiten euch eure Vorbereitung und euer Wunsch darauf vor, alle Kinder Gottes zu lieben und zu unterweisen, so wie der Erretter es getan hat. Eine ewige Familie kann euer ewiger Lohn sein.

    Auf einer Pfahlkonferenz hat unser Prophet vor kurzem den Eltern den folgenden Rat gegeben:

    „Vergessen Sie nie, daß diese Kleinen die Söhne und Töchter Gottes sind und daß er sie Ihnen nur anvertraut hat. Er war schon ihr Vater, ehe Sie Eltern wurden, und er hat seine elterlichen Rechte nicht abgetreten, sein Interesse an diesen Kleinen nicht verloren.

    Lieben Sie sie also, und kümmern Sie sich um sie. Väter, bewahren Sie die Ruhe, jetzt und in allen zukünftigen Jahren. Mütter, achten Sie auf Ihre Stimme, werden Sie nicht laut. Erziehen Sie Ihre Kinder in Liebe, in der Obsorge und Ermahnung des Herrn. Sorgen Sie für Ihre Kleinen, heißen Sie sie in Ihrer Familie willkommen, und erziehen und lieben Sie sie von ganzem Herzen." (Gordon B. Hinckley, Ansprache auf der Konferenz des Pfahles Salt Lake University 3, 3. November 1996, Church News, 1. März 1997, 2.)Brüder und Schwestern, ich bete, wir alle mögen uns darüber freuen, daß es uns möglich ist, uns der Seele der Kinder anzunehmen. Im Namen Jesu Christi. Amen.