Jeanette Broberg and Her Neighbor Ken
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Gartenarbeit und das Buch Mormon: Eine Geschichte über zwei Nachbarn

Jeanette Broberg
04/14/21 | 4 min Lesedauer
Ich glaube bereits an Gott und weiß, dass er für mich da ist. Warum sollte ich also nicht mit Glauben, Hoffnung, Vertrauen und Geduld vorwärtsgehen und Neues ausprobieren, von dem ich weiß, dass es gut ist?

Im Leben lernen wir oft aus Erfahrung. Vor kurzem hat ein Erlebnis mein Verständnis davon vertieft, wie wir „Zeile um Zeile, Weisung um Weisung“1 lernen und geführt werden.

Letztes Jahr um diese Zeit fiel mir immer wieder das Haus meines Nachbarn ins Auge. Im Laufe der Zeit hatte ich das starke Gefühl, ich solle an die Tür dieses Nachbarn klopfen. Ich war zwar nervös, ging aber zur Tür und klopfte mit verschwitzten Händen an. Mein Nachbar stellte sich mir als Ken vor, ein sehr netter Mann. Er war 68 Jahre alt und stammte aus Idaho. Ich war 24 und komme aus Kalifornien. Anfangs schienen wir nicht viel gemeinsam zu haben, aber weil ich der Eingebung folgte, hatte ich später ein unvorhergesehenes Erlebnis.

Nach unserer ersten Begegnung flüsterte mir der Heilige Geist oft zu, ich solle bei Ken vorbeischauen und Hallo sagen. Die Pandemie gab mir viele Gelegenheiten dazu. Durch unsere vielen Gespräche auf seiner Veranda entwickelten wir eine einzigartige und unerwartete nachbarliche Freundschaft. Wir mussten nur ein paar Minuten lang miteinander reden, da fühlte ich mich schon erbaut.

Ich hatte das Gefühl, ich solle ihm anbieten, Gartenarbeit für ihn zu erledigen. Als meine Freunde und ich gemeinsam mit Ken in seinem Garten arbeiteten, erfuhren wir einiges über seine Kindheit, seine Eltern, seine Erlebnisse mit Religion und wo und als was er gearbeitet hatte. Solche Momente trugen dazu bei, dass wir wichtige, tiefgehende und inspirierende Gedanken austauschten. Es war ein gutes Gefühl, meinen Nachbarn besser kennenzulernen. Ich betete immer wieder für ihn und nahm dabei Gottes Hand in unserer Freundschaft wahr. Insbesondere verspürte ich, wie der Vater im Himmel mich inspirierte, von kleinen Erlebnissen im Zusammenhang mit meiner Mission, meiner Familie und meinem Studium zu erzählen.

Ken fing an, mir Lesestoff zu geben – ein altes Jahrbuch, ein Buch über Kirchen und sogar ein Buch über Pioniere. Eines Tages dachte ich: „Ich könnte Ken doch auch mein Lieblingsbuch geben!“ Ich besorgte mir ein Buch Mormon, markierte einige meiner Lieblingsschriftstellen, schrieb mein Zeugnis vorne auf die Umschlaginnenseite, betete und ging zu Kens Haus hinüber, um ihm das Buch zu geben. Was würde er wohl davon halten? Würde er es lesen? Hatte er überhaupt schon einmal ein Buch Mormon gesehen?

Er begrüßte mich lächelnd und ich reichte ihm dieses kostbare Buch über Jesus Christus – ein Buch, das das Leben verändern kann. Ich gab ein einfaches Zeugnis für das Buch und er nahm es freundlich entgegen.

Als ich Ken das nächste Mal sah, waren wir wieder zur Gartenarbeit verabredet. Ich war nervös und aufgeregt. Wie sollte ich ihn auf das Buch Mormon ansprechen? Was würde er sagen? Hatte er darin gelesen? Wir arbeiteten und unterhielten uns eifrig, und schließlich ergab sich die Gelegenheit, ihn nach dem Buch zu fragen. „Hatten Sie schon die Gelegenheit, im Buch Mormon zu lesen?“, fragte ich. „Ja!“, rief Ken. „Es ist sehr interessant!“

„Was?“, dachte ich. „Er hat darin gelesen und findet es interessant? Was soll ich jetzt sagen? Ich kann einfach nicht glauben, dass er daran interessiert ist! Wie aufregend!“ Ich freute mich so für diesen lieben Mann. Er hatte sich dafür entschieden, das Buch aufzuschlagen, und Gott erfüllte sein Herz daraufhin mit dem Geist.

Es wird aber noch besser! Eines Sonntags nach unserem Gespräch erhielt ich einen Anruf und war wieder total überrascht. Der Anrufer war ein Mann aus einer Nachbargemeinde. Er erzählte, dass er und seine Frau gemeinsam mit den Missionaren einen Bekannten von mir, nämlich Ken, unterwiesen! Was? Mein lieber Nachbar wurde von den Missionaren unterwiesen? Aber warten Sie – es wird noch besser! Der Mann erklärte mir, Ken wolle sich taufen lassen!

Ich war baff und ganz außer mir und freute mich riesig für meinen lieben Bekannten. Erstaunen und Begeisterung durchströmten mich. Sofort rief ich meine Familie zu einer Telefonkonferenz zusammen. Ich musste einfach erzählen, was geschehen war und wie sehr mich der Geist berührte. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass all dies Ken, den Missionaren, dem Ehepaar in der Gemeinde, meiner Familie und mir große Freude beschert hat und dass wir alle dadurch Christus nähergekommen sind.

In derselben Woche damals sprachen Ken und ich über das bevorstehende freudige Ereignis. Wir unterhielten uns darüber, dass er den nächsten Schritt ja schlicht im Glauben machte. Er sagte etwas wie: „Ich glaube ja bereits an Gott, warum sollte ich also nicht vorwärtsgehen?“ Dieser Mann erkannte im Alter von 68 Jahren, dass er mehr tun und so sein Leben durch neu erlangte Überzeugungen bereichern konnte. Alle Achtung, darüber denke ich oft nach! Ich glaube bereits an Gott und weiß, dass er für mich da ist. Warum sollte ich also nicht mit Glauben, Hoffnung, Vertrauen und Geduld vorwärtsgehen und Neues ausprobieren, von dem ich weiß, dass es gut ist?

Ken ließ sich im Oktober 2020 taufen und ist wie ausgewechselt. Als er aus dem Wasser stieg, hatte er einen ganz anderen Gesichtsausdruck. Über seine Taufe sagte er: „Ich fühle mich anders, aber auch gleich.“ Damit meinte er, er sei immer noch derselbe, aber es habe sich auch etwas geändert. Das Evangelium mit all seinen Facetten bereicherte sein Leben ungemein. Er war Gott nahe.

Seit jeher bin ich oft angespannt, wenn ich Eingebungen folge, denn das kann ja durchaus beängstigend sein! Es ist nicht leicht, Neues auszuprobieren oder sich anderen zu öffnen. Was mir in solchen Augenblicken Zuversicht verleiht, ist meine Entscheidung, Gott zu vertrauen. Er sieht mehr als wir und kennt das Herz und die Bedürfnisse anderer besser als wir. Kleine Eingebungen bringen Wichtiges zustande.

Anmerkung

1. 2 Nephi 28:30


Jeanette Broberg
Jeanette Broberg kommt aus Carlsbad in Kalifornien. Zurzeit lebt sie in Utah und arbeitet auf einen Master-Abschluss in Psychotherapie hin. Ihre Hobbys sind wandern, Schneeschuhwandern und schwimmen. Außerdem verbringt sie gerne Zeit mit der Familie.
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